IMDB
Plakatmotiv: Eine verhängnisvolle Affäre
Ein zupackender Thriller
mit altertümlicher Moral
Titel Eine verhängnisvolle Affäre
(Fatal Attraction)
Drehbuch James Dearden
nach Motiven seines gleichnamigen Kurzfilms
Regie Adrian Lyne, USA 1987
Darsteller Michael Douglas, Glenn Close, Anne Archer, Ellen Latzen, Stuart Pankin, Ellen Foley, Fred Gwynne, Meg Mundy, Tom Brennan, Lois Smith, Mike Nussbaum, J.J. Johnston, Michael Arkin, Sam Coppola, Eunice Prewitt u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 119 Minuten
Deutschlandstart
4. Februar 1988
Inhalt

Dan Gallagher ist ein erfolgreicher, glücklich verheirateter Anwalt, der mit seiner Frau Beth und Tochter Ellen in Manhattan lebt. Durch geschäftliche Tätigkeiten macht er Bekanntschaft mit Alex Forrest, einer Verlagslektorin. Als seine Frau mit der Tochter für ein Wochenende die Stadt verlässt, schläft Dan mit Alex. Er sieht daron eine flüchtige Affäre. Alex nicht. Sie beginnt zu klammern. Als Dan gehen will, schneidet sich Alex in ihre Handgelenke. Er kümmert sich um ihre Verletzung und geht danach.

Nun taucht Alex tagtäglich in seine Nähe auf, versichert ihm, ihn nicht bedrängen zu wollen, dass sie ihn aber liebe. Sie erwartet ihn in seinem Büro und trifft in seiner Wohnung, die zum Verkauf steht, auf Beth, der sie Interesse am Kauf der Wohnung vortäuscht. Immer wieder ruft sie ihn im Büro und zuhause an, stellt ihn schließlich zur Rede und behauptet, sie sei schwanger und plane, das Baby zu behalten. Später erscheint Dan in ihrer Wohnung, um sie zur Rechenschaft zu ziehen, was in einem heftigen Handgemenge mündet. Alex macht klar, dass sie nicht gedenkt, ignoriert zu werden.

Plakatmotiv (US): Eine verhängnisvolle AffäreDan zieht mit seiner Familie nach Bedford, doch das hält Alex nicht auf. Sie schickt Dan ein Band, auf dem sie ihn beschimpft, lauert ihm in einem Parkhaus auf und übergießt seinen Wagen mit Säure.

Als die Gallaghers eines Tages nicht zu Hause sind, tötet Alex Ellens Zwergkaninchen und kocht es auf dem Herd …

Was zu sagen wäre

Und entgegen Gottes Verbot versuchte Eva vom Baum der Erkenntnis, wurde sich all ihrer Fehlungen gewahr und ward aus dem Paradies vertrieben – die Erbsünde ist die Frau bis heute nicht los geworden.

Das Trauma der bösen Frau

Wenn man sich nicht gerade in Gotteshäusern aufhält oder in arabischen Ländern, könnte man eigentlich meinen, dieses männliche Trauma der bösen Frau sei überwunden, es herrsche, wenn schon nicht hundertrpzentige Gleichberechtigung, so doch so etwas humanistische Gleichheit. Weit gefehlt. Das Genrekino nutzt die Struktur der Erbsünde immer noch besonders perfide.

Vielleicht hat es Adrian Lyne geärgert, dass sein Film 9 1/2 Wochen (1986) für sein Frauenbild beschimpft wurde, vielleicht, dass alle die Musik in „Flashdance“ (1983) toll fanden, die Frau aber ziemlich klischeehaft auf Prinzensuche. In „Fatal Attraction“ nun greift er auf einen Frauentypus zurück, den Clint Eastwood für seinen Regie-Erstling Play Misty for me (1971) schon genutzt hat; so einer will Mann nicht im dunkeln – und auch nicht bei Sonnenschein – begegnen. Eine mit Ansprüchen. Die einen One-Night-Stand zur Liebesgeschichte hochjazzen will. Die dem Mann vorhält, er sei nur an der schnellen Nummer interessiert gewesen – und die ihre unbedingte Liebe dann mit Messern beweist. Glenn Close („Das Messer“ – 1985; Der Unbeugsame – 1984; „Garp und wie er die Welt sah“ – 1982) spielt diese Furie erschreckend greifbar.

Er will nur spielen

Ihr gegenüber steht Michael Douglas. Sicher keiner, der gerne was anbrennen lässt, sich aber doch – obwohl erklärtermaßen liebender Familienvater – verführt sehen darf. Zuhause ist er der Geldheimbringer, sie die Mutter und wenn mal Gelegenheit für Sex wäre, schläft ausgerechnet die Tochter mit im Bett. In einer juristischen Verlagsbesprechung macht sie ihn ganz rührend lächelnd auf Quark-an-der-Nasenspitze aufmerksam und dann regnet es draußen in Strömen und sein Schirm ist kaputt, sie hilft mit ihrem aus und gemeinsam unterm Schirm retten sich beide ins war ausgeleuchtete Café und beginnen ihren Smalltalk gleich mal mit intimsten Familiengeschichten.

Plakatmotiv: Eine verhängnisvolle AffäreZu den Klängen von Giacomo Puccinis Oper Madame Butterfly kommen sie einander näher – ausgerechnet bei dieser Geschichte über eine verstoßene Frau, die am Ende den Freitod wählt – und der anschließende Sex ist laut und endlos, so wie sich das chauvinistisch geprägte Hollywood den One Night Stand abseits der Ehefrau, bei der immer die Tochter dazwischen funkt, vorstellt. Und natürlich ist die Frau die treibende Kraft, während er brav, sittsam auf die eheliche Etikette pocht, welche – wenn dann – sie durchschlagen muss. Er will nur spielen. Das klingt nach Emanzipiertem Mann Light, der die Frau nicht drängt sondern sich drängen lässt, zeugt aber lediglich von stockkonservativer Moral, die auf ein breites Publikum stößt: Eva hat den Apfel vom Baum der Erkenntnis gerupft, nicht Adam. Eva war schon immer schuld. Frauen, die die Initiative übernehmen, sind in diesem Film böse Frauen. Die Männer schlagen sich am Ende den Staub vom Anzug, haben sich ein paar Blessürchen geholt und leben weiter glücklich und erfolgreich, als sei eigentlich garn nichts geschehen. Das hat Lyne ursprünglich so nicht gewollt.

Ein Finale nach Massengeschmack

Das ursprüngliche Ende war, dass Alex Selbstmord begeht und es so aussehen lässt, als habe Dan sie umgebracht. Dann gab es Testvorführungen und deren Publikum war mit diesem bösartigen ende gar nicht zufrieden, so dass das letztlich bekannte Ende nachgedreht wurde. 14 Millionen US-Dollar hat dieser Thriller gekostet, weltweit eingespielt hat er rund 320,1 Millionen US-Dollar. In der japanischen Kinoversion blieb das ursprünglich gedrehte Ende erhalten.

Filme wie dieser machen die Grenzen filmischen Erzählens im Kommerzkino deutlich: Film ist teuer. Deshalb muss das Thema mehrheitskompatibel erzählt werden – da braucht es im Thriller eben einen klaren Schurken. In einem Seitensprung-Film kann es den aber nicht geben – die Frau mag die böse Psychopatin sein, aber er in seiner unentschiedenen Weichei-Haltung ist keinen Deut unschuldiger. Alles, was in so einem Film auf heile Welt hin arbeitet, ist verlogen. Dan verlässt Alex. Alex fragt „Rufst Du mich irgendwann mal an? Du musst nicht, wenn Du nicht willst.“ Darauf er: „Ich will ja.“ Das ist hilfloses Gebabbel eines feigen Mannes.

Ein solider Thriller, dem für die Gänsehaut die Tiefe fehlt

Abseits solcher Betrachtungen auf der Meta-Ebene ist handwerklich gegen den Film nichts einzuwenden. „Fatal Attraction“ ist ein solider Thriller, der den Zuschauer bisweilen in  den Kinosessel drückt und natürlich erlaubt die Ausgangssituation, die Frage „Würde ich mit Alex mitgehen?“, einen emotionalen Zugang zum Stoff. Lynes Kameramann Howard Atherton malt elegante Bilder Manhattans in schicken Lofts, eleganten Clubs, schnuckligen Cafés. Die Schauspieler sind solide. Michael Douglas gibt nach seinen Ausflügen in den Eskapismus (Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil – 1985; Auf der Jagd nach dem Grünen Diamanten – 1984) das Portrait des modernen zwischen Geschäftswelt und Frauenrechten hilflos oszilierenden Mannes, Glenn Close die fatale Verführung, der bei aller Dämonie Momente gelingen, in denen wir Mitleid mit ihr haben. Die durch zahlreiche TV-Serien und -Soaps gestählte Anne Archer („Falcon Crest“) ist die perfekte Besetzung für die betrogene Ehefrau, die stark genug ist, Fehler zu verzeihen.

Oberflächlich also funktioniert der Thriller, für die notwendige Tiefe fehlt Adrian Lyne das erzählerische Rüstzeug. Die dramaturgische Lösung funktioniert dann nach dem „Ich beichte“–Prinzip: Der Fremdgeher muss – quasi – drei Vaterunser sprechen und ist erlöst. Und als Mami die Erbsünde (den One-Night-Stand) verziehen hat, darf Gottes Zorn auf die Verrückte Tussi  herabregnen: Er tötet sie ein erstes Mal. Die Ehefrau und veritable Mutter dann ein zweites und endgültiges Mal.

<Nachtrag 2015>Das ist der Film, der den Fatal-Attraction-Endlosshowdown etablierte – wenn der Killer erstochen, erschossen, gevierteilt wurde, aber einfach nicht sterben will. Adrian Lyne wird als „Eleganz-Filmer“ geschmäht, der nicht auf Kunst, sondern auf Provokation setzt. Aber drei seiner Filme – Ein unmoralisches Angebot (1993); „Eine verhängnisvolle Affäre“ – (1987); 9 1/2 Wochen (1986) – haben heiße Gesellschaftsthemen aufgegriffen, die in den Medien – „Wie würde ich handeln?“ – über Tage Widerhall fanden.</Nachtrag 2015>

Wertung: 5 von 10 D-Mark
IMDB