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Plakatmotiv: Enkel für Anfänger (2020)

Eine klassische TV-Komödie,
die sich ins Kino verirrt hat

Titel Enkel für Anfänger
Drehbuch Robert Löhr
Regie Wolfgang Groos, Deutschland 2020
Darsteller

Maren Kroymann, Heiner Lauterbach, Barbara Sukowa, Palina Rojinski, Julius Weckauf, Tim Oliver Schultz, Paula Kalenberg, Julia Koschitz, Astrid Leberti, Dominic Raacke, Sabine Barth, Laura Blaeser, Mareile Blendl, Maggie Parlaska, Günther Maria Halmer, Lavinia Wilson, Maya Lauterbach, Bruno Grüner u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 104 Minuten
Deutschlandstart
6. Februar 2020
Inhalt

Karin fällt im Ruhestand die Decke auf den Kopf. Ihr Ehemann Harald spart lieber auf einen Treppenlift, als mit Karin endlich auf Überseereisen zu gehen. Um Frische in ihr Leben zu bringen, folgt die topfitte Seniorin dem Beispiel ihrer flippigen Schwägerin Philippa, die junge Eltern ehrenamtlich als Leih-Oma unterstützt. Anders als Philippa, von Beruf Erzieherin und Oma, hat Karin wenig Praxiserfahrung mit Kindern.

Schnell gelingt es ihr jedoch, nicht nur das Vertrauen des vernachlässigten Jannik zu gewinnen. Sogar dessen pubertierende Schwester Merle findet die geradlinige Seniorin cool. Auch Karins alter Freund Gerhard, den sie zur Großelternagentur mitgeschleppt hat, behauptet sich wesentlich besser als erwartet. Der vereinsamte Ex-Mediziner will dem liebenswerten Patenenkel Viktor helfen, sich in der Schule und im Leben zu behaupten.

Karins Mann Harald dagegen verbleibt in seinem alten Trott und merkt nicht einmal, dass bei seiner Frau weitere Lebensgeister erwachen: Als ihr Kai, der fast gleichaltrige Papa von Jannik, eindeutige Avancen macht, fühlt sie sich nicht mehr nur als "Oma". Nun erwacht der Wunsch, noch mehr Neues zu wagen …

Was zu sagen wäre

Nichts, was Dich überrascht. Nichts, was Dich aus der Ruhe bringt. Die Babyboomer kommen ins Rentenalter. Die Babyboomer sind die vielen. Wegen denen die Politik Purzelbäume schlägt, damit sie als Rentner nicht böse werden und die anderen wählen. Und jetzt werden eben auch die Filme für die Babyboomer gemacht. Und da ist Heiner Lauterbach (Willkommen bei den Hartmanns – 2016; Wir sind die Neuen – 2014; Zweiohrküken – 2009; Marlene – 2000; St. Pauli Nacht – 1999; Der Eisbär – 1998; Der Campus – 1998; Rossini, oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief – 1997; "Das Superweib" – 1996; "Paradies" – 1986; "Männer" – 1985) halt kein knackiger Charmebolzen mit Chauvieattitüde mehr, wie er sie vor 40 Jahren gespielt hat, als die Babyboomer in ihren virilen 20er und 30er Jahren waren, sondern ein emeritierter Mediziner, der einsam in seiner großen Altbauwohnung sitzt und das Foto seines verstorbenen Ehemannes anstarrt, das auf dem Kamin steht. Die Hauptrolle spielt Maren Kroymann, die aufgedrehte, meistens laute Kabarettistin, die hier die Ehefrau von Günther Maria Halmer spielt, der einen mit seinem Sessel verwachsenen alten Mann spielt, der tagein, tagaus seine Modell-Lokomotiven abstaubt. Während sie vom gemeinsamen Urlaub in Neuseeland träumt, „den wir machen wollten, wenn wir alt sind. Also jetzt!

"Enkel für Anfänger" ist eine charmante Komödie aus der Degeto-Küche, die eigentlich auf dem Freitag-20:15-Uhr-Sendeplatz in der ARD laufen sollte, aber aus irgendeinem Grund den Umweg über die Leinwand genommen hat. Der Film reiht sich ein in die Phalanx deutscher Komödien, in denen abwechselnd Elyas M’Barek, Til Schweiger oder Heiner Lauterbach auftreten und sich mit anderen deutschen Schauspielern um die Liebe, das Leben oder Kinder kabbeln und dabei verlorenen träumen nachjagen. Das unbedingt Sehenswerte an diesen Filmen sind einige wunderbare Schauspieler. Heiner Lauterbach ist als "Paten-Opa" ein bezaubernd hilfloser, sich sein Leben mit sanftem Zynismus vertreibender Mensch.

Die optimistische Botschaft lautet: Alt werden ist nur der nächste Schritt im Leben, oder, wie Barbara Sukowa an einer Stelle sagt, „67 ist das neue 40!“ Also stürzen sich alle drei – Kroymann, Lauterbach, Sukowa – ins Abenteuer der Leihgroßelternschaft. Und lernen dabei mehr, als die Kinder, die sie aus Wohlstandsverwahrlosung oder Schulmobbing befreien müssen. In die Tiefe geht es dabei nicht, das Zielpublikum (Babyboomer!!) soll sich wiederfinden, aber nicht anstrengen.

An den Haaren herbei wird also eine Liebesgeschichte zwischen der mit dem Lokomotiven-Abstauber verheirateten Maren Kroymann und Dominic Raabe erzählt, die das Zeug zum großen Liebes-Drama hätte, denn Rache ist mit der viel jüngeren, sehr geschäftigen Lawinia Wilson verheiratet. Auch hier bleibt der Film familienfreundliche Komödie mit einem, wie man heute wohl sagt, Learning für alle Beteiligten. Der innige Kontakt zwischen Jung und Alt wächst im Film über eine gemeinsam aufgebaute Bahn aus Dominosteinen, oder über ein Selbstermächtigungstraining, um in der Schulaufführung aus der Statistenrolle in die Hauptrolle zu kommen oder über ein fröhliches Rülpsen dürfen. Ob die Dominoreihe, die durchs ganze Wohnzimmer geht, dann so effektvoll kippt, wie in entsprechenden Shows im Fernsehen, lässt der Film weg, ebenso, was mit der Schulaufführung passiert. Es brauchte nur das Bild seliger Gemeinsamkeit. Das rülpsende Mädchen immerhin wurde mit dem Krankenwagen abgeholt. Es hat nämlich unter nicht sachgerechter Aufsicht Erdnussbutter gegessen, obwohl es gegen Nüsse allergisch ist. Aber das war unter Verantwortung der Barbara-Sukowa-Rolle, die die einer alternden 68er ist, die vom Pipi-Langstrumpf-Leben träumt: „Die lebt in einem Haus mit einem Affen und einem Pferd“, schimpft Lauterbachs Mediziner, „die ist nicht jung geblieben. Die will nicht erwachsen werden!“ Anders gesagt: Man soll zwar heutzutage auch im Alter noch fit, fidel und reisefreudiger Konsument sein, aber bitte nicht in Person einer Strickpullover tragenden, konsumverweigernden Mamsell, die in einem Wohnwagen wohnt. Die Sukowa-Figur hat eine erwachsene Tochter, die mit ihrer Mutter keinen Kontakt mehr hat; für die Mutter ein Schmerz, der im Film immer wieder angetippt wird. Was Sukowa und ihre Tochter einander entfremdet hat, erzählt der Film nicht. So unangepasst, antigesellschaftlich, wie sie sich gibt, kann der reif gewordene, Degeto gestählte Zuschauer sich diesen Teil schon denken. Hauptsache, sie, die im Film ihre Verantwortungslektion gelernt hat – Stichwort: Erdnussbutter – und ihre Tochter stehen sich im Schlussbild gegenüber, um doch wieder miteinander zu reden – was sie aber erst tun, während schon die Schlusstitel laufen. Das wäre auch sonst ein anderer Film. Einer mit Tiefgang.

Dieser hier ist einfach ganz lustig und kann an einem unserer vielen nur mitteltollen Tage ein, zwei Wölkchen vertreiben.

Wertung: 3 von 8 €uro
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