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Plakatmotiv: Wege zum Ruhm (1957)

Bei Stanley Kubrick verliert
das Militär seinen Glanz

Titel Wege zum Ruhm
(Path of Glory)
Drehbuch Stanley Kubrick & Calder Willingham & Jim Thompson
nach dem Roman "Wege zum Ruhm" von Humphrey Cobb
Regie Stanley Kubrick, USA 1957
Darsteller

Kirk Douglas, Ralph Meeker, Adolphe Menjou, George Macready, Wayne Morris, Richard Anderson, Joe Turkel, Christiane Kubrick, Jerry Hausner, Peter Capell, Emile Meyer, Bert Freed, Kem Dibbs, Timothy Carey, Fred Bell u.a.

Genre Drama, Krieg
Filmlänge 88 Minuten
Deutschlandstart
15. November 1957
Inhalt

Zwei Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs zieht sich zwischen französischen und deutschen Truppen ein Schützengrabensystem vom Ärmelkanal bis zur Schweizer Grenze. Beide Seiten versuchen immer wieder vergeblich, sich durch äußerst verlustreiche Angriffe aus der verfahrenen Situation zu befreien. Diese Offensiven, die oft nur wenige Hundert Meter Bodengewinn bringen, kosten Hunderttausende Soldaten das Leben.

General Broulard überbringt seinem Untergebenen, dem Divisionskommandeur Mireau, den Befehl, einen Überraschungsangriff auf eine bislang von den Deutschen gehaltene Schlüsselstellung, den sogenannten Ameisenhügel (in der deutschen Fassung „Höhe 19“), zu starten. Mireau erklärt das Vorhaben für aussichtslos und verweist auf den schlechten Zustand seiner durch zahlreiche Kämpfe erschöpften Männer. Als ihm Broulard eine Beförderung nach erfolgreich ausgeführtem Befehl in Aussicht stellt, ändert Mireau allerdings rasch seine Meinung.

Mireau inspiziert seine Truppen, die von den Grabenkämpfen stark dezimiert und teilweise traumatisiert sind. Er informiert Colonel Dax, den Befehlshaber des 701. Regiments, über die befohlene Erstürmung und rechnet ihm vor, dass rund die Hälfte des Regiments gute Aussichten habe, die Festung der Deutschen zu erreichen. Diese soll eingenommen und gehalten werden, bis am Abend Verstärkung eintrifft. Dax sieht keine Erfolgsaussichten für das Unternehmen, erklärt sich jedoch bereit, den Angriff zu führen, nachdem Mireau Dax mit dem Entzug seines Kommandos gedroht hat.

Plakatmotiv (US): Wege zum Ruhm (1957)Dax schickt einen nächtlichen Spähtrupp aus, um die gegnerischen Stellungen auszukundschaften …

Was zu sagen wäre

Der Krieg ist nur eine schmutzige Angelegenheit, wenn Du im Schützengraben liegst. Wenn Du im abseits der Front gelegen Hauptquartier Strategien entwickelst, Befehle gibst und Karrieren förderst oder verhinderst, ist Krieg eine der schönsten Dinge der Welt.

13 Jahre nach Weltkriegsende, während die Auswirkungen des Krieges in Korea noch nicht absehbar sind, führt uns Stanley Kubrick ein Militärwesen vor, dem jeglicher Stolz abhanden gekommen ist. Es geht um persönliches Fortkommen, um Karriere auf dem Rücken anderer – es lebe die Befehlskette und die Disziplin. Die Disziplin, die die Armee eigentlich am Funktionieren halten soll, bricht die Armee auseinander, denn sie ersetzt – deutet der Film – den gesunden Menschenverstand.

Da soll ein Hügel eingenommen werden, von dem niemand sagen kann, wozu er eigentlich gut ist, außer, dass man halt schon seit einem Jahr um ihn kämpft. Das soll mit einer Kompanie geschehen, die dazu augenscheinlich weder physisch noch psychisch in der Lage ist. Das ist unvernünftig. Die Disziplin der Armee aber verbietet es, das laut zu sagen, will man nicht Bestrafung fürchten.

Es ist ein sarkastischer Film, in dem ein kommandierender General die Pracht des Schlosses, in dem er residiert, damit begründet, dass er „für Schreibtischarbeit eben ein gewisses Ambiente“ benötige, also Marmor, Porzellan, Prunk und Gesinde; während die Männer, die die Befehle des Generals umsetzen sollen, im Dreck hausen, buchstäblich. Kubrick spielt mit diesen harten Kontrasten und zeigt ein bemerkenswertes Stilbewusstsein.

Durch den ganzen Film entwickeln sich harte Szenenwechsel, die in einer willkürlich getroffenen Auswahl an Delinquenten gipfelt. Drei Soldaten sollen stellvertretend wegen "Feigheit vor dem Feind" hingerichtet werden. Egal wer, egal, ob er feige war; aber drei sollen es sein. „Soldaten sind nur Tiere und müssen als solche behandelt werden“, zischt Général Broulard seine Haltung bei einer Tasse Tee, und also schickt ein Gruppenführer seinen Widersacher in den Tod, ein anderer würfelt den Delinquenten aus, der dritte wählt einen als „asoziales Element“ bezeichneten Kameraden aus.

Das Militär lebt von quasi höfischer Etikette und den ihr innewohnenden Intrigen. Es ist eine in sich geschlossene Welt mit eigenen Regeln, in denen das Individuum auf jeder Ebene des Daseins fremden, unkontrollierbaren Einflüssen ausgesetzt ist. Kubrick inszeniert alles in allem drei Schauplätze: das Schloss der Generalität, der Schützengraben und der Exekutuinsplatz. Für jeden der drei Schauplätze entwickelt er einen eigenen visuellen Stil. Im Schloss kreist eine fließende Kamera sanft um die parlierenden Offiziere, deren freundliches Parlando über ihre Intrigen hinwegtäuschen soll. Die Gestaltung des Marmorboden, auf dem sie wandeln, erinnert an ein Schachbrett – das Schloss als Schlachtfeld der Generäle, die ihre Soldaten wie Bauern beim Schach ins Feuer schicken.

Die kreisenden Bewegungen der Kamera im Schloss kontrastieren die hart geschnittenen, kantigen, hektischen Bilder im Schlamm der Schützengräben und auf dem Schlachtfeld, wohin Colonel Dax seine Männer in den sicheren Tod schickt. Wo auf dem Schachbrett im Schloss Bauern für den Sieg geopfert und Karrieren forciert werden, führt das draußen im Schlamm der Realität zu Tod und Verderben durch unbedingten Gehorsam.

Das Kriegsgericht und die Exekution wirken mit den in Reihen aufgestellten Soldaten formal und symmetrisch. Das vermittelt Ordnung und Kontrolle, im Gegensatz zum Chaos des Krieges in den Schützengräben – obwohl sich beides als Form des sinnlosen Mordens erweist. Hier inszeniert Kubrick eine monströse Gleichgültigkeit der Generäle: Nach ihrer Verurteilung erhalten die Gefangenen keine Henkersmahlzeit, weil die Lebensmittel rationiert sind, während die Offiziere an einer üppig bestückten Tafel speisen und Walzer in dem Saal tanzen, in dem das Kriegsgericht getagt hat – bei dem nicht einmal die formelle Anklageschrift verlesen wurde, weil das Todesurteil von vornherein feststand. Beim Essen nach der Hinrichtung sagt Général Moreau: „Die Männer starben wundervoll. Man muss schließlich immer damit rechnen, dass einer etwas tut, was unappetitlich ist.

Menschlichkeit hat keinen Platz in einer Welt, die von Menschen beherrscht wird. Mit diesem Gedanken sollte der Film eigentlich enden: Colonel Dax lehnt eine Beförderung aus Gewissensgründen ab und wird von Général Broulard wegen seines „Idealismus'“ geschmäht. Aber das war Kubrick und seinem Co-Autor Calder Willingham dann doch zu seicht. Sie schrieben eine neue Schlussszene, in der Dax beobachtet, wie die Soldaten ein deutsches Mädchen, das auf der Bühne in einer Kneipe steht, verspotten. Dann singt das Mädchen ein deutsches Volkslied, dessen Schönheit alle berührt. Als Dax sieht, wie seine Soldaten nach und nach in den schönen Gesang einstimmen, erkennt er, dass doch nicht der Général mit seinem „Soldaten sind Tiere“ Recht hat, und dass er tatsächlich für die Menschlichkeit kämpfen und seinen Idealismus bewahren soll.

Wertung: 6 von 7 D-Mark
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