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Kinoplakat: Kanonenboot am Yangtse-Kiang (1966)

Bildgewaltiges Epos mit
undefinierter Haltung

Titel Kanonenboot am Yangtse-Kiang
(The Sand Pebbles)
Drehbuch Robert Anderson
dem gleichnamigen Roman von Richard McKenna
Regie Robert Wise, USA 1966
Darsteller

Steve McQueen, Richard Attenborough, Richard Crenna, Candice Bergen, Emmanuelle Arsan, Mako Mako, Larry Gates, Charles Robinson, Simon Oakland, Ford Rainey, Joe Turkel, Gavin MacLeod, Joe Di Reda, Richard Loo, Barney Phillips u.a.

Genre Abenteuer, Drama
Filmlänge 182 Minuten
Deutschlandstart
23. März 1967
Website thesandpebbles.com
Inhalt

Das US-Kanonenboot "San Pablo" patrouilliert während des chinesischen Bürgerkriegs im Jahre 1926 auf dem Yangtse-Kiang. Unter dem Kommando von Kapitän Collins soll man die amerikanischen Handelskolonien und die Missionsstationen sichern.

Kinoplakat: Kanonenboot am Yangtse-Kiang (1966)In dieser brenzligen Zeit kommt der neue Maschinenmaat Jake Holman an Bord. Immer wieder kommt es zu Machtkämpfen zwischen Chinesen und Amerikaner. Als diese eskalieren kommt es zu einer tödlichen Konfrontation …

Was zu sagen wäre

Ein amerikanisches Kriegsschiff in China in Jahre 1926, das zwischen die Fronten von Militär und aufständischen Studenten gerät und den Befehl hat, sich unter keinen Umständen einzumischen, weder für die eine noch für die andere Seite Partei zu ergreifen. Aber natürlich sind wir auch – wir schreiben das Jahr 1966 – in einem anderen asiatischen Land in US-Uniformen, in Vietnam.

Man soll die US-Interessen, also vornehmlich das Leben von in China lebenden US-Staatsbürgern schützen, erklärt der Kapitän und erläutert die strikte Nichteinmischung in innere Angelegenheiten damit, dass im ungünstigsten Fall die Russen in China an Einfluss gewinnen könnten. Einerseits sich den Pelz waschen lassen – also in China Missionen unterhalten – , sich andererseits aber nicht nass machen lassen – also nichts mit den inneren Angelegenheiten zu tun haben wollen – , diese Politik, zu dem die Besatzung des Kanonenbootes gezwungen ist, kann nicht gut gehen. So ist dieser Film, den Robert Wise ("Meine Lieder, meine Träume" – 1965; West Side Story – 1961; "Jeremy Rodack – Mein Wille ist Gesetz" – 1956; Der Tag, an dem Erde stillstand – 1951) vier Jahre lang, also seit 1962, vorbereitet hat, eine Allegorie auf den US-Krieg in Vietnam.

Wie würde es Ihnen gefallen“, fragt Shirley, die Missionarin einmal den Maschinenmaat Holman, „wenn auf dem Mississippi chinesische Kanonenboote patrouillieren würden?“ Robert Wise bringt in seinem Film viel Verständnis für die Sehnsucht der Chinesen auf, nach Jahrzehnten der Fremdherrschaft endlich Herr im eigenen Land sein zu wollen. Weniger Interesse zeigt er am Chinesischen Bürgerkrieg, der den Rahmen des Dramas bildet und mit einer längeren Unterbrechung insgesamt von 1927 bis 1949 dauerte und dabei Nationalisten gegen Kommunisten in Stellung brachte. Im Herzen untersucht der Film ein militärisches Konstrukt – die Besatzung eines Kanonenbootes auf Patrouille ohne echten Auftrag.

Kinoplakat: Kanonenboot am Yangtse-Kiang (1966)Als wir die Mannschaft kennenlernen, führt diese eine Art Fürsten-Dasein. Chinesen haben sich überall an Bord buchstäblich eingenistet und alle handwerklichen Aufgaben übernommen. Als Maat Holman an Bord kommt, stellt der bald fest, dass die Maschine unrund läuft. Die Chinesen beherrschen das für den Maschinenraum notwendige Handwerk nicht, machen „wie die Affen einfach nach, was sie gesehen haben“. Das will Homan ändern. Und prompt steht da der Neue an Bord gegen die alteingefahrenen Rituale und Bequemlichkeiten. Auch in der einzigen Bar an Land, die für Amerikaner zugänglich ist, mischt er sich in das Verhalten der GIs mit den ortsansässigen Huren ein. Außer Holman und seinem Freund "Frenchy" benehmen sich die US-Soldaten in der Tat mit besonderer Freude daneben, behandeln die Einheimischen wie unterbelichtete Dienstboten. Das wird sich rächen.

Wise lässt sich dann ziemlich viel Zeit mit einer süßlichen Romanze zwischen "Frenchy", dem Richard Attenborough die verletzlichen Züge eines langgedienten Mannschaftsrangs leiht, und einer Chinesin, die er aus dem Bordell freikauft. Da möchte der Film doch ein bisschen missionarisch eifern und zeigen, dass Amerikaner für arme, unterprivilegierte Chinesinnen sogar bereit sind, ihr Leben zu lassen. Bitter indes: Unterprivilegiert sind die Chinesen nur, weil die Amerikaner sie dazu machen, ihnen viel Geld in den Büstenhalter stecken, damit die sich prostituieren. Unter der jahrzehntelangen Fremdherrschaft pflegen die Chinesen ihre wahre Kultur nur im Verborgenen, heroische Befreiungsversuche durch die Amerikaner sind jämmerlich zum Scheitern verurteilt, bei Huren ebenso wie bei westlichen Missionaren: Ein militärischer Husarenritt der "San Pablo", um einen Missionar zu retten, was die halbe Mannschaft das Leben kostet, scheitert, weil der Missionar gar nicht gerettet werden, er bei den Chinesen bleiben will, und er dann von den "anderen" Chinesen erschossen wird.

Und Holman, der Maschinenmaat? Steve McQueen spielt den Alles-Durchblicker mit der gewohnt wortkargen Haltung (Cincinnati Kid – 1965; Gesprengte Ketten – 1963; Die glorreichen Sieben – 1960; Wenn das Blut kocht – 1959), die immer aufrecht ist, auf das Mädchen für ein Größeres Besseres verzichtet und am Ende selber nicht versteht, warum er macht, was er macht: „Ich war doch schon fast zu Hause!“, stöhnt er noch.

Robert Wise hat ein großes Epos auf die Leinwand gebracht mit vielen sehr schönen Panoramabildern und aufregenden Settings, die in Taiwan und Hongkong aufgebaut werden sind. Seine Haltung als Erzähler aber bleibt schwammig, die Geschichte laviert ähnlich unentschlossen durch den Kinosaal wie die "San Pablo" durch das Wasser des Yangtse-Flusses. 

 

Wertung: 6 von 8 D-Mark
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