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Plakatmotiv: Red Heat (1988)

Ballerei zur Völkerverständigung
Walter Hill setzt Buddy-Standards

Titel Red Heat
(Red Heat)
Drehbuch Walter Hill & Harry Kleiner & Troy Kennedy-Martin
Regie Walter Hill, USA 1988
Darsteller

Arnold Schwarzenegger, James Belushi, Peter Boyle, Ed O'Ross, Laurence Fishburne, Gina Gershon, Richard Bright, J.W. Smith, Brent Jennings, Gretchen Palmer, Pruitt Taylor Vince, Mike Hagerty, Brion James, Gloria Delaney, Peter Jason u.a.

Genre Action, Komödie
Filmlänge 104 Minuten
Deutschlandstart
6. Oktober 1988
Inhalt

Ivan Danko ist ein Bulle. Ein Bulle in Moskau. Auch in der Sowjetunion hat man mittlerweile Ärger mit Rauschgift, genau wie im Westen. Und Danko hat gerade einen Rauschgiftring auffliegen lassen. Der Kopf der Bande konnte entkommen. Er flieht in die USA.

Danko folgt dem Mann und stellt ihn in Chicago. Die dortige Polizei mag allerdings keine Extratouren und stellt Danko den Detektiv Art Ridzik zur Seite. Ridzig ist eher der Typ Kaffee-im-Pappbecher-und-Fluppe-im-Mundwinkel und mit ziemlich lascher Berufsauffassung. Es müssen erst ein paar Straßenzüge zu Bruch gehen, bis sich die beiden Ordnungshüter mögen …

Was zu sagen wäre

Wir sind Polizisten, keine Politiker“, sagt Ivan Danko zum Abschied. „Wir dürfen befreundet sein!“ Die Glasnost-Politik von Michael Gorbatschow hält Einzug ins amerikanische Kino. Der Kreml hat der Filmproduktion erlaubt, auf dem Roten Platz (und in ein paar Nebenstraßen) zu drehen, bekommt dafür einen der wohl ersten ehrbaren, aufrechten russischen Kino-Polizisten auf der Hollywood-Leinwand geschenkt und den spielt auch noch der momentane Superstar des westlichen Actionkinos, Arnold Schwarzenegger (Running Man – 1987; Predator – 1987; Der City Hai – 1986; Das Phantom Kommando – 1985; Der Terminator – 1984; Conan, der Barbar – 1982).

Vor dem Hintergrund einer Mörderjagd quer durch Chicago erzählt "Red Heat" von der vorsichtigen Annäherung zweier Männer, die zwei Systeme verkörpern: hier der strenge Russe, der beste Polizist Moskaus, aufgewachsen im kommunistischen Ein-Parteien-System System der Fünf-Jahres-Pläne, dort der schnoddrige, verschuldete, dauernd Gesetze übertretende US-Cop, dessen freiheitlich geprägte Welt hier vor allem durch schmuddlige Hotels, Prostituierte und Müll gekennzeichnet ist. Erste Probleme durch die behutsame Öffnung des Eisernen Vorhangs bringen die Geschichte in Gang: der Schmuggel mit Kokain. Ein georgischer Dealer, der in Moskau ein paar Leichen zu viel hinterlassen hat, unter anderem Dankos Partner, will aus Chicago ein paar Kilo Kokain in die Sowjetunion einschleusen, in der harte Drogen noch kein großes Thema sind. In der Sowjetunion beruhige man die Nerven mit Wodka, sagt Danko.

In der ersten Hälfte wirkt der Film wie das gut ausgeleuchtete Klischee, wenn Arnold Schwarzenegger, wie einst sein Terminator, mit eckigen Bewegungen stumm auf sein Ziel losmarschiert und schießt, während sein unfreiwilliger Partner Art Ridzik, gespielt von James Belushi ("Wahre Männer" – 1987; "Der kleine Horrorladen" – 1986; "Jumpin' Jack Flash" – 1986; "Salvador" – 1986) unablässig in unter-der-Gürtellinie-Schimpfkanonaden flucht und sein russisches Pendant über die Rechte von Gefangenen belehrt: „In diesem Land versuchen wir, die Rechte des Einzelnen zu schützen. Das nennt sich Miranda-Gesetz und bedeutet, dass Sie nicht mal seinen Arsch anfassen dürfen.“ „Ich will nicht an seinen Arsch. Ich will ihn zum Reden bringen!“ Wenig überraschend zieht der Amerikaner jedesmal den Kürzeren – wo er nicht weiterkommt, indem er Gefangenen Drogen unterjubelt, bricht Danko ein paar Finger und bekommt die gewünschten Informationen, „Russische Methode ökonomischer“.

Regisseur Walter Hill hat das Genre des Buddy-Movies maßgeblich geprägt und dabei Klassiker des Actionkinos gedreht (Straßen in Flammen – 1984; Nur 48 Stunden – 1982; Die letzten Amerikaner – 1981; Long Riders – 1980; Die Warriors – 1979; Driver – 1978). Zwei Typen aus unterschiedlichen Welten, die sich nicht mögen, müssen sich zusammenraufen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Und weil es immer Männer sind, Beispiel Nur 48 Stunden mit Nick Nolte und Eddie Murphy, geben die Figuren ungerne nach und schnoddern sich also mit coolen One-Linern gegeneinander durch den Film. Das ist bei Danko und Ridzik nicht anders, hier kommen noch Verständigungsschwierigkeiten hinzu, die zu so manch sexistischer Stilblüte aus dem homoerotischen Bereich führt.

Bei ihrer Jagd durch die Straßen von Chicago fehlen die Versatzstücke jedes guten Krimis nicht: die unschuldige Schöne, die aus Versehen auf der falschen Seite des Gesetzes gelandet ist, der stets hyperventilierende Poizeicaptain, der ob der Alleingänge seiner Untergebenden dem Herzinfarkt nahe ist – hier spielt in Peter Boyle (Hammett – 1982; Outland – Planet der Verdammten – 1981; Taxi Driver – 1976; Frankenstein Junior – 1974) als im Dienst grob gewordener Hinnehmer, der ein Aquarium im Büro zur Seelenmassage hat – sowie der schleimige Kollege auf der Karriereleiter, der am Ende dumm da steht. Plus ordentlich Action.

Im letzten Drittel wird "Red Heat" zum Arnold Schwarzenegger-Film. Mit einer großkalibrigen 44er-Magnum in der Hand macht Ivan Danko keine Gefangenen und holt bei einer Verfolgungsjagd mit Bussen durchs nächtliche Chicago Denkmäler vom Sockel, gestaltet gläserne Hauseingänge um und sorgt beim gegen die Fahrtrichtung fahren für hohen Blechschaden. „Ich geb's auf. Das ist mir 'ne Nummer zu russisch“, stöhnt Ridzik.

Walter Hill hat die ausgestreckte Hand von Glasnost und Perestroika für einen unterhaltsamen Actionfilm genutzt, dessen Anschub zur Verständigung zwischen ehemals konfrontativen Blöcken er mit rotzigen Dialogen und rauem Sprachwitz ummantelt.

Wertung: 7 von 10 D-Mark
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