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Plakatmotiv: Die Gangster Gang (2022)

Ein furioser Trickfilmspaß mit Hintersinn,
Easter Eggs und moralischem Anspruch

Titel Die Gangster Gang
(The Bad Guys)
Drehbuch Etan Cohen
nach der Graphic Novel-Serie "Böse Jungs" von Aaron Blabey
Regie Pierre Perifel, USA 2022
Stimmen

Sam Rockwell, Sebastian Bezzel, Marc Maron, Kurt Krömer, Craig Robinson, Fynn Kliemann, Anthony Ramos, Jannis Niewöhner, Awkwafina, Joyce Ilg, Richard Ayoade, Max Giermann, Alex Borstein, Gisa Flake, Barbara Goodson, Denise Gorzelanny, Zazie Beetz, Alice Bauer, Lilly Singh, Lea Kalbhenn u.a.

aufgeführt sind die Stimmen der Original- und der deutschen Fassung

Genre Trickfilm, Krimi
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
17. März 2022
Inhalt

Der charismatische Mr. Wolf ist der Anführer der fünfköpfigen Gangster Gang, bestehend aus dem Safeknacker Mr. Snake, dem Verwandlungskünstler Mr. Shark, dem Draufgänger Mr. Piranha sowie der Hackerin Ms. Tarantula.

Nach ihrem neusten Coup, einem erfolgreichen Banküberfall, in dessen Folge sie sich eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert haben, werden Mr. Wolf und seine Kompagnons Zeuge, wie die Gouverneurin Diane Foxington die Gangster Gang und ihre Raubüberfälle als vorhersehbar bezeichnet. Daraufhin fühlt sich Mr. Wolf in seiner Ehre als Ganove verletzt und überredet seine Mitstreiter, die wertvolle städtische Auszeichnung des Goldenen Delphins zu stehlen, bevor diese an ein Meerschweinchen, den philanthropen Professor Rupert Marmelade IV, verliehen werden kann, der sein Wirken wiederholt öffentlichkeitswirksam in den Dienst der Stadt und seiner Einwohner gestellt hat.

Auf der Gala zur Preisverleihung kommt Mr. Wolf in die Verlegenheit, einer alten Dame zu helfen, die beinahe die Treppe hinabgestürzt wäre. Diese unerwartete gute Tat löst in ihm widersprüchliche Gefühle aus. Zugleich verzögert sie die Flucht seiner Bande. Prompt werden alle geschnappt und verhaftet.

Noch bevor sich aber der Streifenwagen mit den Gangstern in Bewegung setzen kann, bietet Professor Marmelade an, an den Delinquenten ein Experiment durchzuführen, in dessen Verlauf aus den Verbrechern binnen kürzester Zeit gesetzestreue Mitbürger werden sollen.

Niemand ahnt, dass der Professor mit seinem Experiment ganz etwas anderes erreichen will …

Was zu sagen wäre

Na ja, stimmt schon: Was sollen ein Wolf, eine Schlange, ein Piranha, ein Hai und eine Tarantel im Leben anderes machen, als sich dieses Leben mit kriminellen Machenschaften zu finanzieren. Dass ein Hai nichts Gutes im Schilde führt, weiß man ja seit 1975, seit Steven Spielberg den Weißen Hai auf die Leinwand losgelassen hat. Jener Steven Spielberg, der auch im Vorstand jener Dreamworks Animation sitzt, die diesen Film produziert hat (hat er den vorliegenden Film etwa von ganz langer Hand vorbereitet?). Und in welchem Märchenbuch war der Wolf nochmal der Gute? Ach ja, richtig: in keinem! Wenn also ohnehin alle Welt sagt Ihr seid doch böse, dann werden sie halt zu den trickreichsten, cleversten, schnellsten, unerschrockensten Edeldieben der Welt.

Dass diese Figuren überhaupt ihren Lebensunterhalt verdienen, also stehlen müssen und nicht im Zoo oder im Wald leben, liegt daran, dass in der Welt dieses Films Menschen und Tiere neben- und untereinander wohnen. Die Gouverneurin ist eine Füchsin. Unsere Hauptfiguren wohnen in einem schicken Loft; aber auch sie müssen für ihr Lieblingseis bezahlen.

"Die Gangster Gang" ist ein rasanter Actioncomic, der in keiner Sekunde der Versuchung erliegt, eine umständliche Geschichte aufzubauen. Regisseur Pierre Perifel, der sein Handwerk als 3D-Animateur bei Filmen wie Für immer Shrek und Kung Fu Panda 2 gelernt hat, setzt auf Tempo und Gagdichte. Außerdem scheint er ein Filmnerd zu sein. Die Anzahl der Anspielungen auf Werke aus der Filmgeschichte ist hoch, geht von Tarantinos Pulp Fiction in der Auftaktszene über ebendessen Reservoir Dogs über Ocean's Eleven über den "Fantastischen Mr. Fox" zu Dreamworks' "Haie und kleine Fische" durch Grimms Märchen und und und. Plakatmotiv: Die Gangster Gang (2022) Diese Easter Eggs zu erkennen macht den Erwachsenen Spaß, während ihre Kleinsten großen Spaß an den knuffigen Figuren haben, die nie wirklich bedrohlich sind und neben lustigen Streichen (bei denen sie halt zufällig auch Millionen erbeuten) vor allem von allen gemocht werden wollen. Und weil sie im Laufe des Films ihre ganze Millionenbeute zurückgeben, taugen sie – wir sind immer noch bei den Kleinsten – auch als moralische Vorbilder.

Bemerkenswert ist der künstlerische Stil, der sich abseits jenes Designs bewegt, das seit den frühen Pixarfilmen in Trickfilmen angewendet wird – knuddlige Figuren zum Liebhaben mit großen Augen, die durch eine bunte Mehr-oder-Weniger-Marshmellow-Welt wandeln gibt es in "Die Gangster Gang" nicht. Die Animationen erinnern an den rauen Hinterhof-Stil der jüngsten Spider-Man: A New Universe-Filme.

Das Drehbuch spielt offen mit unseren eingeschliffenen Sehweisen und Vorurteilen. Die bösen Jungs (s.o.) sind in Wirklichkeit charmante, verspielte Kinder, die den Eltern nur ein bisschen auf der Nase herumtanzen, untereinander aber hundertprozent loyal sind. Die wahren Schurken sind die, die im richtigen Leben immer alle lieb haben. Umso wirkungsvoller, wenn im großen Finale eine Armee tausender, gleichgeschalteter Meerschweinchen sich zu Monster-Kreaturen zusammen ballen und den Titelhelden das Leben schwer machen.

Schön auch, dass der Film sich die Freiheit nimmt, mitten im Film, wenn sich gerade etwas Enttäuschung breit macht, weil er nach einer wunderbar überdrehten Einstiegssequenz auf die vorhersehbaren Pfade der austauschbaren Schurkenstory à la Ich, einfach unverbesserlich einschwenkt, noch eine weitere Schurken/Helden-Hauptfigur einführt, die den Laden nochmal ordentlich durcheinander wirft und für mehr Farbe in diesem ohnehin bunten Comicuniversum sorgt.

Und Ms. Tarantula, von ihren Freunden "Websi" gerufen, ist von all den liebevollen Schurken der größte kleine Hingucker und immer einen zweiten Blick wert.

Wertung: 5 von 8 €uro
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