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Plakatmotiv: Brick (2025)

Interessante Ausgangssituation, aber
hinter der Wand kein spannender Film

Titel Brick
Drehbuch Philip Koch & Chris Ryden & Caroline Bruckner
Regie Philip Koch, Deurschland 2025
Darsteller

Matthias Schweighöfer, Ruby O. Fee, Frederick Lau, Salber Lee Williams, Murathan Muslu, Sira-Anna Faal, Axel Werner, Alexander Beyer, Josef Berousek, Daniele Rizzo, Nader Ben-Abdallah, Daniela Galbo, Markus Ransmayr, Ashley Adler, Alex Chacon u.a.

Genre Thriller, Mystery
Filmlänge 99 Minuten
Deutschlandstart
10. Juli 2025 (Streaming)
Inhalt

Tim und Olivia leben in einem Apartmentgebäude in Hamburg. Die Beziehung des Paars steht vor dem Aus und eines Morgens beschließt Olivia, ihre Koffer zu packen und Tim zu verlassen. Als sie die Wohnungstür öffnet, trauen beide aber ihren Augen nicht: Irgendjemand hat den Ausgang offenbar über Nacht von außen mit Steinen aus merkwürdigem, anthrazitfarbenem Material zugemauert, dasselbe gilt für die Fenster.

Ratlos versuchen die beiden, mehr herauszufinden und die sonderbaren Ziegel zu durchbrechen. Doch das Handynetz funktioniert nicht und auch die Bohrmaschine versagt. Mit der verschaffen sie sich irgendwann zumindest einen Kommunikationszugang zu den Nachbarn, bei denen es jedoch genauso aussieht wie bei ihnen. Verzweifelt suchen die Bewohner nach einem Ausweg aus der mysteriösen Falle, doch je näher sie der Lösung des Rätsels kommen, desto gefährlicher wird es für sie …

Was zu sagen wäre

Hier hatte einer eine Idee und dachte sch, daraus könne man doch mal einen Film machen. Und jetzt sind also sieben Menschen in einem Wohnhaus hermetisch vor der Welt weg geschlossen – zwei Paare, ein Großvater mit seiner Enkelin und noch ein Polizist im Ergeschoss, der auf keinen Fall möchte, dass sich die hermetische Wand wieder öffnet. Er ist überzeugt, dass sie die Hausgemeinschaft vor einer giftigen Atmosphäre da draußen beschützt.

Frage: Was ist das für eine Wand? Wie kriegen wir die wieder auf? Das ist der MacGuffin des Films, der Tim und Olivia dazu bewegt, die Wände zum Nachbarn einzuschlagen, wo gerade ein Airbnb-Pärchen abgestiegen ist, durch den Fußboden zu brechen, wo sie in der Wohnung drunter den Opa und das Mädchen, und noch einen Fußboden tiefer einen Gast in der Wohnung eines Toten finden.

Spannender wird es nicht. Es handelt sich hier um Konzeptkunst: Es gibt keine Geschichte, die erzählt werden muss, weil etwas angeprangert, erklärt werden oder mitreißende Spannung erzeugt werden soll. Es geht nur darum, Schachfiguren auf dem dazugehörigen Brett herumzuschieben und gegeneinander in Stellung zu bringen.

Der Film sieht aus wie das Produkt eines erfolgreich absolvierten Drehbuchkurses an der Hochschule, bei dem der Absolvent aber den Tag geschwänzt hat, als das Thema "Überraschung im Script" behandelt und erklärt worden ist, dass es ohne die Überraschung nicht geht. "Brick" ist ordentlich gebautes Konzeptkino: Es gibt eine unerklärliche Bedrohung und verschiedene Protagonisten, die damit klar kommen, sie bestenfalls überwinden müssen. Die Hauptfiguren sind ein Paar mit Vergangenheit; vor zwei Jahren gab es eine Fehlgeburt. Während sie anhaltend leidet, vergräbt er sich in seine Arbeit – er ist Entwickler von Computerspielen, was später im Film noch hilfreich sein soll (siehe das Konzept). In zwei Jahren des nebeneinander her Lebens haben sie es nicht geschafft, diese angeblich doch so schmerzhafte Lücke des fehlenden Kindes aufzuarbeiten; Plakatmotiv: Brick (2025) nimmt man als Zuschauer zur Kenntnis, berührt einen aber nicht, weil das Drehbuch über die Fehlgeburt als Fakt nicht hinausgeht und weder Ruby O. Fee, die die verhinderte Mutter Olivia spielt, noch Matthias Schweighöfer als verhinderter Vater (Oppenheimer – 2023; "100 Dinge" – 2018; "Kokowääh 2" – 2013; Rubbeldiekatz – 2011; Friendship! – 2010; Zweiohrküken – 2009; "Operation Walküre" – 2008; Keinohrhasen – 2007) diesem Drama auch nur halbwegs nahe kommen..

Im Konzept des Filmes wäre eine Schusswaffe ganz gut. Schusswaffen kommen in Thrillern immer gut. Woher soll die kommen in dem Wohnhaus, in einem Land, das vor den privaten Waffenbesitz hohe Hürden baut? Seltsamerweise nicht von dem Polizisten mit mangelnder Impulskontrolle im Erdgeschoss, bei dem ja eine Waffe zu vermuten wäre. Nein, der alte Mann im zweiten Stock hat eine Waffe in der Hand. Warum? Woher? Egal, er ist alt genug, um in einem der NATO-Einsätze der vergangenen Jahrzehnte gedient zu haben – muss nicht weiter erklärt werden, geht der Film auch nicht drauf ein. Natürlich ist die Waffe geladen.

Zum Konzept gehört, dass es nicht zu viele Entscheider geben darf, sonst wird es unübersichtlich und schwierig, die alle im Script zu platzieren. Also sind die einen Nachbarn gar keine richtigen Nachbarn, sondern ein fröhlich Drogen schnupfendes Airbnb-Traveller-Paar ohne Plan, sowie neben dem alten Mann, der neben der Waffenlieferung nur als schnelles Opfer vorgesehen ist, dessen Enkelin, zu der es keine Eltern gibt. Und der seltsame Polizist, in dessen Schlafzimmer die Leiche des Hauptmieters der Wohnung liegt; der Herzschrittmacher habe durch den Magnetismus der undurchdringlichen Wand den ausgesetzt. Der Polizist selbst ist nur zu Gast und wähnt sich im Zentrum einer Weltverschwörung.

Nachdem alle Figuren bekannt sind, könnte man an die Lösung des Falles herangehen: Wie kommen wir hier wieder raus? Aber anstatt, dass die Leute nun konstruktiv zusammenarbeiten, an einem Strang ziehen, führen die einen ihre schwachen Nerven spazieren, rätseln die andern, sabotiert der dritte. Noch relativ zügig kommen alle auf die Idee, doch mal zum Vermieter durchzubrechen, der gleich nebenan wohnt. Der liegt tot mit abgehackten Armen in seiner Wohnung. Was ihm nur recht geschieht – im Konzeptfilm muss der Gerechtigkeit genüge getan werden – weil er, wie sich herausstellt, seine Nachbarn in deren Wohnungen über versteckte Kameras in allen Zimmern beobachtet hat. Das Spannertum des toten Vermieters spielt im weiteren Verlauf keine Rolle mehr. Aber über diesen Drehbuchtrick haben die eingesperrten Bewohner nun jede Menge Videoaufnahmen, mittels derer sie dem Rätsel der Wand beikommen können. Konzeptpunkt gelöst.

Der Polizist, Vertreter der Ordnungsbehörde, ist keine Hilfe. Er will nicht, dass die Wand geöffnet wird. Am Anfang nicht, weil er draußen ABC-Alarm vermutete – atomare, biologische oder chemische Verseuchung. Später dann argumentiert er mit dem Philosophen Blaise Pascal, wonach alles Unglück der Menschen allein daher rühre, „dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen“. Noch später hat er weitere triftige Gründe. Im Konzept des Drehbuchs ist der Polizist das freie Radikal. Es ist egal, wer die Figur ist, sie st nur da, um für Unruhe zu sorgen.

"Brick" ist eine Produktion für einen Streamingdienst, also kracht es alle paar Minuten, meistens unmotiviert. Der Film ist ein Zeitvertreib, wenn das Wetter schlecht, die Freundin weg und alle anderen im Urlaub sind. Bei Chips und Bier rätselt man dann so ein bisschen mit, was es mit der Wand auf sich haben könnte. Mit den Figuren fiebert man nicht mit. Wie soll man mit Schablonen fiebern? Mehr als aus dieser Fehlgeburt holt das Drehbuch für Olivia und Tim aus deren zur Situation passenden Berufen. Tim programmiert Computerspiele, was sich als praktisch herausstellt, weil seine Art zu denken, Lösungsansätze bietet. Olivia ist Architektin, kennt den Grundriss des Wohnhauses und kann uns über statische Besonderheiten Auskunft geben und Baupläne lesen. Ihre große Beziehungskrise hat sich nach ein bisschen Anschreien erledigt.

Und die Rätsel – Was ist die Wand? Was ist hinter der Wand? – sind keine wirklichen Rätsel. Irgendwann lassen sie sich über eine App lösen, deren Entwickler zufällig auch im Hause wohnt. Wir sehen der Rätsel Antworten und denken: Aha! Die Idee, die der Filmemacher da am Anfang hatte, gäbe eine schöne Kurzgeschichte ab. Aber 100 Minuten Film trägt sie nicht.

Wertung: 3 von 8 €uro
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