Kommissar Maigret reist zum Schloss der Gräfin von Saint-Fiacre, wo er seine Kindheit verbracht hat. Die alte Dame hat einen anonymen Drohbrief erhalten, der für den nächsten Tag, den Aschermittwoch, ihren Tod voraussagt.
Maigret gibt sich als Antiquitätenhändler aus, doch viel kann ihm Monsieur Sabatier, der Sekretär der Gräfin, nicht mehr anbieten. Das Schloss ist nahezu ausgeräumt. Sabatier hat die alten Möbel und Kunstwerke im Auftrag der Gräfin verkauft, um den aufwendigen Lebensstil ihres Sohnes zu finanzieren.
Am nächsten Morgen begibt sich die Gräfin zur Messe und bricht dort tot zusammen – ein Herzanfall, ein natürlicher Tod also? Maigret ist fest davon überzeugt, dass jemand nachgeholfen hat. Energisch betreibt er die Ermittlungen. Zunächst gibt es zwei Verdächtige. Sowohl Maurice, der leichtlebige Sohn der Gräfin, als auch Sabatier nutzten die Großzügigkeit der Gräfin schamlos aus. Doch da sind noch andere, die der weltfremden alten Dame übel mitgespielt haben.
Kommissar Maigret lädt sie alle zu einem Abendessen ins Schloss ein, um ihnen ins Gewissen zu reden und den wahren Täter zu entlarven …
Maigret kehrt heim in seine Kindheit. Prompt hat er den potenziellen Mord an seiner mütterlichen Gönnerin, der Gräfin de Saint-Fiacre, aufzuklären. Der Polizeiinspekteur, den der Romancier Georges Simenon (1903-1989) über 40 Jahre in 75 Romanen verewigt hat, ist also höchst persönlich in das Verbrechen involviert. Und dann sticht er auch noch in ein Wespennest.
Maigret trifft auf einen erstaunlichen Haufen zwielichtiger Personen – einem über die Verhältnisse lebenden Sohn, ein Privatsekretär, von dem geraunt wird, dass er der Gräfin für mehr als nur Sekretärsaufgaben zur Verfügung stand, ein steifer Pfarrer, ein loyaler und spendabler Verwalter, ein unfähiger Zeitungsredakteur, dazu ein paar Prostituierte und andere Halbweltfiguren.
In der kleinen französischen Grafschaft ist an Verdächtigen ganz schön was geboten.
Jean Gabin (Mit den Waffen einer Frau – 1958; Die Miserablen – 1958; "Maigret stellt eine Falle" – 1958; Razzia in Paris – 1955) spielt den Pariser Kommissar hier zum zweiten Mal unter der Regie von Jean Delannoy und passt in seiner aufmerksamen Pfeifenraucher-Brummigkeit gut zum geschriebenen Original und löst den Fall stilbewusst beim Abendessen, wobei sein Maigret dann auch ordentlich die Contenance verliert – er nimmt den Fall tatsächlich sehr persönlich.
Das Land ist weit hier draußen vor den Toren Paris', das Schloss ist groß, aber die Welt der Figuren sehr eng. Delannoy sperrt seine Protagonisten optisch ein, zeigt sie dem Zuschauer hinter Treppengeländern, durch schmale Türstöcke, in der Kirche engen Säulen die Blickachse ein oder die Menschen sitzen in engen Hinterzimmern bei einem Pastis. Das verleiht dem Film etwas Kammerspielartiges, in dem es der Kommissar nicht eilig hat.
Obwohl persönlich getroffen durch den Tod der Gräfin arbeitet er routiniert Punkt für Punkt seines Fragenkatalogs ab, keine Szene ist nur Bildfüller. In der Schlussabrechnung, die schwer an Agatha Christies Who-dunnit-Aufklärungen im großen Verdächtigenkreis erinnert, tauchen alle wie nebenbei erwähnten Fakten aus den vorherigen Gesprächen wieder auf – in einer Geschwindigkeit, dass bereut, wer in den 100 Minuten zuvor nicht genau aufgepasst hat.
Allerdings könnte niemand, der genau aufgepasst hat, den Fall ohne Maigret lösen. Denn der war abseits der Kamera noch beim Notar und hat dort Informationen eingeholt, die wichtig für die Lösung des Falls sind, ohne dass der Zuschauer auch nur erfährt, dass es einen Notarbesuch gegeben hat. So bleibt der bizarre Mordfall Auslöser für einen leidlich spannenden Kriminalfall mit guten Bildideen und einem souveränen Jean Gabin.

