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Kinoplakat: Joey
Schauspieler haben nichts zu
tun, 
Effekte hinken hinterher
Titel Joey
Drehbuch Roland Emmerich + Hans J. Haller + James Melkonian + Carl Colpaert + Wolfgang Hess
Regie Roland Emmerich, Deutschland, USA 1985
Darsteller

Joshua Morrell, Eva Kryll, Tammy Shields, Jan Zierold, Barbara Klein, Matthias Kraus, Jerry Hall, Sean Johnson, Christine Goebbels, Ray Kaselonis, Berit Morrell, Christoph Lindert, Axel Berg u.a.

Genre Fantasy
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
21. November 1985
Inhalt

Der neunjährige Joey ist traurig: Sein Vater ist gestorben, sein einziger Freund. In der Schule wird der schüchterne Junge unentwegt gehänselt; also bleibt er lieber auf seinem Zimmer, spielt mit seinen Star-Wars-Sachen und trauert den Basketball-Spielen mit Dad nach. Heimlich fleht er vor sich hin: „Dad, komm zurück!”

Als er wieder mal aus dem Fenster starrt auf den leeren Platz unter dem Basketballkorb vor der Garage, flippen seine Spielzeuge aus: Polizeiautos lalülalaalen durchs Timmer, Hubschrauber fliegen, Bälle rollen … das Spielzeugtelefon klingelt. Am anderen Ende glaubt Joey seinen Vater zu hören, mit dem er fortan jede freie Minute telefoniert.

Seine Mutter ist etwas beunruhigt, mehr noch, als ihr Sohn plötzlich telekinetische Kräfte entwickelt. In einem verlassenen Nachbarhaus findet Joey eine Bauchrednerpuppe. Sorgsam reinigt er sie und stellt sie zu seinen Spielsachen ins Regal – er ahnt (noch) nicht, dass die Puppe von einer bösen Macht beherrscht wird, die offenbar auch in Zusammenhang mit dem Tod des ehemaligen Besitzers der Puppe, des Varieté-Künstlers Fletcher, steht. Die Puppe versucht, Joey von der Kontaktaufnahme mit seinem Vater abzuhalten …

Was zu sagen wäre

Nichts an diesem Film stimmt. Wenig funktioniert. Warum der Junge nach dem Tod des Vaters telekinetisch begabt ist – keine Antwort. Warum mit einem Mal die Puppe auftaucht, die mit der Telekinese in keinem Zusammenhang steht – Zufall halt. Wer da eigentlich am anderen Ende der Telefonleitung spricht … nichts wird geklärt. Aber andauernd rappelt, blinkt und fiept irgendwas bunt beleuchtet durchs Bild.

Ein Regisseur ohne Interesse an Figuren und Story

Roland Emmerich, der nach diesem Film, seinem ersten nach dem Filmstudium entstandenen, über viele Jahre den Spitznamen „Das Spielbergle von Sindelfingen” nicht mehr los wurde, hat gar kein Interesse an seinen Figuren, an der Story – Emmerich will Special-Effects zeigen, die gerade so en vogue sind; alles sieht aus, wie bei E.T. – Der Außerirdische: Joeys Schlafzimmer leuchtet in Star-Wars-Bettwäsche und -Postern, Pac Man, allerlei Tonnen-Droiden und die Kinder fahren andauernd mit BMX-Rädern durchs Bild. Es tauchen sogar die unheimlichen Wissenschaftler aus E.T. auf, die das ganze Haus hermetisch abriegeln und mit Seuchenschutzanzügen in weiß herumlaufen – die Begründung für deren plötzliches Auftauchen bleibt sehr vage. Damit der Klau-bei-Spielberg nicht gar so auffällt, hat Joey diesen kleinen Spielzeugroboter, der aussieht wie R2-D2 und der – als er sehr bald sehr lebendig durchs Zimmer rollt – dieselben ängstlichen Piep-Laute von sich gibt, wie sein Vorbild einst in den unheimlichen Schluchten des Wüstenplaneten Tatooine - und schließlich treten die Goonies gegen hungrige BicMacs und Darth Vader persönlich an. Wäre es nicht ein deutscher Regisseur, der halt mit nur wenigen Produktionspfennigen in Deutschland einen Film nach US-Muster produzieren und eben keine deutschen Betroffenheitsfilme drehen möchte, ich würde schreiend aus dem Kinosaal rennen

Nachdem ich den Film verstört – nach dem Abspann – verlassen habe, wundert mich auch die Information nicht wirklich, dass der Film in den USA ganz anders geschnitten in die Kinos kam. In Deutschland bleibt am Ende ein wenig offen, ob nun Joey überlebt. In den USA wacht er wieder auf. Emmerich scheint vom deutschen Autorenkino gleichermaßen angewidert – deswegen klaut er USA- und Filmbild bei Steven Spielberg – und fasziniert zu sein – deswegen lässt er alle Fragen offen, weil es im deutschen Kino eine ganze Zeit lang als chique gegolten hat, kein Happy End zu haben und möglichst viele offene Fragen zu präsentieren. Schaue ich mir die offenen Fragen an – siehe oben – glaube ich, hat Emmerich was falsch verstanden.

Schauspieler stehen tumb in der Kulisse herum

Den Prolog erzählt Emmerich mit wenigen Schnitten – Beerdigung, Kondolenzen, Trauer – und schon setzt sich das Spielzeug in Bewegung und nach nicht einmal zehn Minuten gibt es den ET-Finger mit dem R2D2-Spielzeugroboter, wenig später kriecht eine E.T.-artige Kreatur aus der Mülltonne. Was Emmerich an Aufmerksamkeit aufbringen kann, gilt dem Spielzeug. Die Schauspieler, die gerade nichts sagen müssen, stehen im Bild herum wie Blumenvasen. Weder sie selbst noch ihr Regisseur wissen, was sie tun sollen als „Mutter„, „Lehrer”, „Mitschüler”. Joeys Mutter zum Beispiel: Ihr Sohn hat ganz offensichtlich Schwierigkeiten, den Tod des Vaters zu verkraften – Mom bleibt unten in der Küche. Offensichtlich stimmt im Zimmer oben irgend etwas nicht: Mal abgesehen von dem Telekinese-Ding poltert und rummst es aus Joeys Zimmer ohne Unterlass – Mom bleibt unten in der Küche und kocht. Auch die Qualität der Dialoge lässt Luft nach oben: „In zwei Wochen muss ich wieder in die Penne.”

Und dann hat auch noch Alfred Hitchcocks „Psycho”-Haus seinen Auftritt als unheimliches Haus in der Nachbarschaft – das da offenbar auch einfach so düster und abweisend in der schnuckligen Vorstandt mit den gepflegten Reihenhäuschen steht, ohne dass jemals einer gefragt hätte, was das wohl für ein hier überhaupt nicht hinpassendes Haus ist … ach, ist doch egal! Die Schauspieler stehen, gucken oder sitzen herum und rattern ihre Dialoge ohne Gespür für Timing runter.

Die perfekte Bewerbungsmappe für Tinseltown-Bosse

Erschreckend an dem Film ist einzig die Erkenntnis, wie egal einem jungen Regisseur sein eigener Film sein kann – Hauptsache, die Special-Effects sehen irgendwie so aus, wie ihre US-Vorbilder. Dabei ist deutlich sichtbar, dass sie nur ein Zehntel der US-üblichen Summen verschlungen haben; und wenigstens das gibt dem Film im Nachhinein Charme: Da bewirbt sich einer in Hollywood, der  auch mit dem kostengünstigen Effekt leben kann, solange er einen auf Regisseur machen darf – solche Inhaltslosen Gesellen suchen sie in Tinseltown dauernd. Für diese Leute ist „Joey” die perfekte Bewerbungsmappe.

Wertung: 2 von 9 D-Mark
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