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Kinoplakat: James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag

Ein Jubiläumsfilm, der mehr an Topfschlagen
erinnert, als an Bond, james Bond

Titel James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag
(Die Another Day)
Drehbuch Neal Purvis + Robert Wade
nach Motiven und mit Charakteren von Ian Fleming
Regie Lee Tamahori, UK, USA 2002
Darsteller Pierce Brosnan, Halle Berry, Rosamund Pike, Rick Yune, Lawrence Makoare, Will Yun Lee, Michael Madsen, Dame Judi Dench, John Cleese, Samantha Bond, Colin Salmon, Toby Stephens, Emilio Echevarría, Rachel Grant, Thomas Ho u.a.
Genre Thriller, Action
Filmlänge 133 Minuten
Deutschlandstart
28. November 2002
Website 007.com
Inhalt

Der nordkoreanische General Moon ist als friedvoller Herrscher bekannt. Sein Sohn, Oberst Moon hingegen ist aus der Art geschlagen – ihn hat der imperialistische Größenwahn gepackt, sein Plan ist, erst Südkorea, dann Japan und schließlich die USA zu überfallen! Aus diesem Grunde muss 007 her, er soll den Generalssohn aufhalten.

Damit er in seiner geheimen Mission nicht gleich erkannt wird, nimmt er einen falschen Namen an. Mit einem Koffer voller Diamanten unterm Arm wird er bei Oberst Moon vorstellig und signalisiert Interesse für illegale Waffengeschäfte. Doch James Bonds Tarnung fliegt auf. Moon und seine rechte Hand Zao müssen mit allen Mitteln verhindern, dass der Top-Spion in die sichere entmilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea entkommt. Auch die spektakulärsten Manöver retten 007 nicht. Der Oberst und sein Scherge fangen ihn – ein Entrinnen aus der Gefangenschaft mit Folter scheint es nicht zu geben.

Viel später entlässt der alte General Moon den Agenten – aber es scheint so, dass Moon und Zao die Zeit der Gefangenschaft Bonds für ihre Pläne genutzt haben und 007 den Vorsprung nicht mehr einholen kann. MI-6 nämlich – in Person der allgewaltigen „M” – schickt Bond, langhaarig zottelig, in den Ruhestand, „Wir haben keine Verwendung mehr für Sie, der Doppel-Null-Status ist aufgehoben!”

Als unfreiwilliger Privatier geht der gelernte Geheimagent fortan der Frage nach, wer ihn bei seinem Nordkorea-Job – und später in Verbindung mit seiner Freilassung – verraten hat. Die Spur führt nach Kuba, in eine Schönheitsklinik, die mit Gentechnik aus Menschen andere Menschen machen kann. Hier lernt Bond Jinx kennen, die erregend hüftschwingend Venus gleich den Fluten entsteigt. Die Amerikanerin ist eindeutig hinter denselben Leuten her. Das wird Bond klar, nachdem Jinx den Leiter der Schönheitsklinik erschossen hat auf der Suche nach Zao, der seit Bonds Nordkorea-Intermezzo mit einem Diamantgesprenkelten Gesicht durchs Leben läuft.

„M” ist beeindruckt, wie schnell ihr ehemaliger BondJamesBond Hintergründe aufklärt, die die Kollegen im Londoner Hauptquartier nicht einmal ansatzweise erkannt haben. Bond wird als Agent reaktiviert und ist schon Gustav Graves auf den Fersen, der im eiskalten Island eine Diamantmine entdeckte, die ihn stinkreich gemacht hat und der jetzt dort der internationalen Society in einem eigens dafür errichteten Eispalast einen Satelliten zur Weltbeglückung vorstellt.

Das Gerät kann via Laserbündel Sonnenlicht zu jeder Tages- und Nachtzeit liefern, kann gleichermaßen Urlaubsfreuden und Landwirtschaft beflügeln. Das Gerät kann aber auch noch ganz andere Sachen – zum Beispiel Graves dabei helfen, die Welt zu erobern …

Was zu sagen wäre

007

Pierce Brosnan, die Vierte: BondJamesBond im 21. Jahrhundert. Die Zielgruppe, die er anpeilt, sind eindeutig nicht die mit Bond älter gewordenen Jahrgänge ab 1945; es ist eher die gerne mit Schmährufen verbundene MTV-Generation, die die Bilderflut gar nicht schnell und laut genug haben kann – wenn es rummst im neuen Bond, und das tut es oft, dann bleibt mindestens ein Krater Marke Meteoriteneinschlag zurück. Leider funktioniert das Hollywood-Prinzip „Starte den Film mit einem Erdbeben und steigere dann langsam das Tempo” nicht. Noch vor dem traditionellen Titelvorspann explodiert die Leinwand und von da ab helfen Lee Tamahori nur noch Action-Effekte aus dem Computer über die Runden.

Madonna kann es eigentlich besser

Und traditionell ist der Titelvorspann nur noch als Institution – erstmals wird die Story darin nach den Titeln weiter erzählt und erstmals fehlen dem Titel-Song alle Bond-Elemente – mindestens Monty Normans klassisches Bond-Theme war immer irgendwie eingebaut. Die Qualität des Songs allgemein ist wie immer Geschmackssache – ich persönlich finde ihn schlecht: Indiskutabel für James Bond und langeweilig als Stück an sich. Madonna kann es eigentlich besser.

Der Film markiert Bonds zwanzigstes (offizielles) Abenteuer und seinen 40. Geburtstag. Dass also sein Agenten-Auto unsichtbar werden kann, ist halt ein weiteres Gadget à la BondJamesBond. Albern, aber eben akzeptabel.

Kinoplakat: James Bond 007 – Stirb an einem anderen TagZum runden Geburtstag ein paar Selbst-Zitate

Diamantbewehrte Satelliten sind Reverenzen an Klassiker aus der Serie (Diamantenfieber) ebenso wie Halle Berrys Auftritt aus den Fluten (Ursula Andress in Dr. No) oder die Laserstrahlen-Folter, die schon Auric Goldfinger beherrschte. Kurz: Heute mal keine Klagen über „Nichts Neues” oder „Aufgewärmtes”. Als „Reverenzen” haben es die Macher es verkauft – wobei ich den Verdacht habe, dass ihnen schlicht zu wenig eingefallen ist und sie aus der Not eine Tugend gemacht haben.

Die Story nämlich ist, wie schon in The world is not enough, zwar vielschichtig, aber was Gustav Graves eigentlich so genau will, bleibt unklar – Nord- und Südkorea mittels Super-Laserwaffe zwangsvereinen, dann die USA entmachten …und dann? Curd Jürgens hatte in Der Spion, der mich liebte als Supertanker-Kapitän Stromberg wenigstens noch die Vision einer heilen, friedvollen, von Menschen befreiten Welt. Robert Davis Drogenkönig Sanchez in Lizenz zum Töten wollte wenigsten weltweite Drogengeschäfte sichern. Gustav Graves scheint eher seinen Vaterkomplex wegstrahlen zu wollen.

Überhaupt der Weltraum-Laser: Wo er hintrifft, reißt er die Erde in gewaltigen Explosionen auf – lediglich das Flugzeug, in dem der Showdown Bond gegen Graves stattfindet, fliegt sauber durch ihn hindurch, um anschließend nicht zu explodieren, sondern sich spannungssteigernd Schicht für Schicht zu entblättern. Schon seltsam.

Die Stunts aus dem Computer sind lächerlich

So sind die Storyelemente ähnlich undurchdacht, wie die Action. Unglaubwürdig sind Bond-Geschichten und -Stunts schon lange, aber doch wenigstens in sich (im BondJamesBond-Universum) einigermaßen schlüssig. Und wenn der Agent früher bei einer Skitour von einer Klippe sprang und sich mit Union-Jack-Fallschirm rettete, war da wenigstens noch ein Stuntman, dessen Live-Aktion einem den Atem raubte. Was Bond in „Stirb …” veranstaltet, können nicht einmal Stunt-Leute leisten – und die Bondmacher holen sich immer die Besten ihres Fachs. Heute macht es der Computer: Irgendein Licht-Double stellt sich auf eine Blechplatte und die SFX-Screen-Designer basteln tosende Wellen und Bewegungen hinzu, um einen Surf-Stunt zu illustrieren. Da macht nur die Unvollkommenheit schwindelig – ansonsten ist das einfach nur ärgerlich und schlecht gemacht – Bond als Snowboard-Gleitschirm-Recke auf der Flucht vor der Lawine ist lächerlich.

Pierce Brosnan ist auch im vierten Einsatz makellos. Die Rolle des knallharten Kerls beherrscht er perfekt. Hier erweitert er sie mit dem knurrigen Unterton des klassischen Loners, der seine Rolle der Welt, „die sich weitergedreht hat”, neu definieren muss. Es gibt eine Degen- und Schwertkampf-Szene gegen Gustav Graves, die klassisch und gut ist. Halle Berry kann sich nicht bewegen. So augenschmauslich ihr Auftritt aus den Fluten ist, so peinlich sind ihre Kampfszenen. Den Combat-Walk mit vorgehaltener und entsicherter Waffe vollführt sie, als trage sie eine Tasse Tee mit der Angst, sich die Finger zu verbrühen.

Hoffen wir auf die Zukunft

Ich hoffe, dass dieser Bond in der Historie ähnlich wirkt, wie einst Moonraker, dem die Fans nicht folgen wollten und dem dann mit In tödlicher Mission einer der besten Bonds der Serie folgte. Fazit also: Lassen wir dem Geburtstagskind sein an kindliches Topfschlagen erinnerndes Gelärme und freuen wir uns daran, dass das Kind ansonsten ja einen guten Charakter hat und – egal wo – Charme versprüht. Der nächste – dann auch wieder unrunde – Geburtstag kommt bestimmt.

Wertung: 5 von 11 D-Mark
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