IMDB
Plakatmotiv: Ein Singkle kommt selten allein (1984)
Eine melancholische Komödie
die sich in Slapstick auflöst
Titel Ein Single kommt selten allein
(The Lonely Guy)
Drehbuch Neil Simon + Ed. Weinberger + Stan Daniels
nach dem gleichnamigen Roman von Bruce Jay Friedman
Regie Arthur Hiller, USA 1984
Darsteller Steve Martin, Charles Grodin, Judith Ivey, Steve Lawrence, Robyn Douglass, Merv Griffin, Joyce Brothers, Candi Brough, Randi Brough, Julie Payne, Madison Arnold, Roger Robinson, Dan Hannafin, Joan Sweeny, Nicholas Mele u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 90 Minuten
Deutschlandstart
12. Dezember 1985
Inhalt

Als er seine Freundin mit einem anderen Mann im Bett findet, heißt es für den schüchternen Larry, mit Unterstützung seines Kumpels Warren ein neues Leben als Single anzufangen.

Die Schwierigkeiten, denen er sich dabei ausgesetzt sieht, verarbeitet er in einem Buch, das zum Bestseller wird und ihn über Nacht reich und berühmt macht. Zu guter Letzt gelingt es ihm auch noch, nach mehreren vergeblichen Anläufen bei seiner Traumfrau zu landen …

Was zu sagen wäre

Hi Larry, hier ist Warren. Ich kann leider morgen nicht mit Dir ins Kino gehen, da ich mich entschlossen habe, mit allem Schluss zu machen. Mein Leben erscheint mit so leer, so bedeutungslos, dass ich keinen Sinn mehr darin sehe, weiterzumachen. Ich wünsche Dir viel Spaß bei dem Film. Lebe wohl.“ Klick, und der Anrufbeantworter schaltet sich ab. Aber da ist Matt schon zur Tür raus und eilt zur Manhattan Bridge, „die Brücke war ziemlich In bei Singles, die Selbstmord begehen wollten.

Plakatmotiv (US): The lonely Guy – Ein Singkle kommt selten allein (1984)Und richtig, als er die Brücke erreicht, findet er Warren erst, nachdem schon vier Männer, den Namen ihrer Verflossenen auf den Lippen, in den Fluss gesprungen sind. Und dann? Was soll er dem Lebensmüden sagen? „Es gibt so viel, wofür es sich lohnt zu leben.“ „Nenn mir drei Gründe.“ und Larry findet nicht mal einen Grund.

Arthur Hiller kennt sich aus in Herzschmerz jund in New York. Der Regisseur so unterschiedlicher Klassiker wie Nie wieder New York oder „Love Story“ (beide 1970) oder „Trans America Express“ (1976) mixt hier beides zu einer herzigen Komödie. Ganz Manhattan ist die Spielwiese, durch den er den zunehmend verzweifelten Larry schickt, der gerade die ersten Schritte als Single lernen muss; als Single in der Großstadt Manhattan, in der Psychater einen nicht auf die Couch bitten, sondern an die Gegensprechanlage an der Haustür.

Die schönste Szene spielt in einem Restaurant, in dem Larry einen Platz erfragt und als er angibt, er sei allein, ersterben alle Gespräche, die Köpfe aller Restaurantgäste wenden sich ihm zu und ein Spotlight folgt ihm durchs Lokal. Single sein ist wie eine seltene Krankheit zu haben. Es ist nicht modern, es ist Ausdruck einer möglichen Schwäche – sonst hätte man doch bestimmt eine/n Freund/in.

Erst als Larry ein Buch schreibt, in dem er sein Leben als Single schonungslos offenlegt, landet er einen Bestseller, weil es vielen Millionen Menschen ebenso geht wie Larry.

Nur es spricht niemand darüber. Singles verstecken sich, fühlen sich unkomplett, kaufen sich einen Farn für die ansonsten leere Wohnung, den sie „Freund“ nennen; sie werden unsichtbar für die Gesellschaft – es sei denn, jemand richtet einen Spot auf sie – und erkennen sich nur untereinander. Und so finden sich Larry und Warren.

Warren wird gespielt von Charles Grodin („Der Himmel kann warten“ – 1978; King Kong – 1976; „Rosemaries Baby“ – 1968), der mit dauernd schief sitzender Brille und Polunder eine grandiose Performance als sanfter Loser serviert. Schwer vorstellbar, dass dieser Warren eine Ehe hinter sich hat, so grau, wie er durch den Alltag schlurft.

Videocover: Ein Singkle kommt selten allein (1984)Mit Steve Martin („Der Mann mit zwei Gehirnen“ – 1983; Tote tragen keine Karos – 1982; „Reichtum ist keine Schande“ – 1979) in der Hauptrolle wechseln sich liebevolle Miniaturen über das Singleleben wie die Unmöglichkeit, eine ordentliche Wohnung zu finden oder Anbahnungsversuche im Park mit Hund an der Leine, ab mit grobem Slapstik und Film-im-Film-Humor.

Das Drehbuch nach einer Originalvorlage hat Neil Simon adaptiert, Spezialist für romantisch-melancholische Romanzen in New York (Nie wieder New York – 1970; Ein seltsames Paar – 1968; Barfuß im Park – 1967). Man könnte seiner Erzählung noch stundenlang zuschauen, allerdings braucht so ein Film ja eine Dramaturgie und – in Fällen wie diesen – auch ein Happy End. Das oll auch nicht fehlen.

Larry verliebt sich in Iris. Iris verliebt sich in larry. Sie war schon sechs Mal verheiratet, hat für den jeweiligen Mann nie etwas empfunden, aber so musste sie wenigstens nicht allein sein und auch keine Angst vor dem Monent haben, wenn er sie wieder verlässt/betrügt/den Alkohol ihr vorzieht. Larry liebt sie, auch, weil er ihr ihren ersten Orgasmus beschert – indem er niest.Weil sie aber Larry so sehr liebt, kann sie ihn nicht heiraten – sie hätte zu viel Angst vor dem Ende der Gewchichte. Dieses Problem beherrscht die zweite Hälfte des Films und ist nicht spannend.

Es sprüht kein Funke, wenn sie geht und er frustriert Trübsal bläst, auch nicht, wenn man diese dramaturgie zweiumal hintereinander durchzieht und lediglich mit Slapstickmomenten und Steve-Martin-Nummern auffüllt. Manches von dem, was der charmante Film in der ersten Hälfte errichtet, reißt die romantische Gagrevue in der zweiten Hälfte wieder ein.

Wertung: 6 von 9 D-Mark
IMDB