Nach 15 Jahren der Trennung führt das Schwert der Macht Prinz Adam zurück nach Eternia. Entsetzt stellt er fest, dass seine Heimat unter der heimtückischen Herrschaft von Skeletor in Trümmern liegt.
Um seine Familie und seine Welt zu retten, muss sich Adam mit seinen engsten Verbündeten zusammenschließen – Teela und Duncan alias Man-At-Arms – und sein wahres Schicksal als He-Man annehmen, den mächtigsten Mann des Universums …
Die Mattel-Studios machen Ernst. Nach dem Filmstart von Barbie kündigten die Produzenten an, ihr gesamtes Spielfigurenarsenal für Spielfilme auf die Leinwand zu bringen. Jetzt ist also – zum zweiten Mal "Masters of the Universe" dran, als Actionfiguren-Set ab 1982 immer wieder neu im Umlauf, 1987 schon einmal verfilmt, 1987 mit Dolch Lundgren als He-Man.
Prompt sieht der Film auch aus, wie aus den 1980er Jahren.
Die Handlung ist dünn, die Schauspieler überfordert, die Special Effects mau, das Setting abgemalt aus anderem Fantasy-Allerlei, ergänzt um eine graue Schädelburg. Und das Drehbuch kann sich nicht entscheiden, ob es einen vor Pathos triefenden Heldenfilm oder die Parodie eines solchen hervorbringen soll. Dass die Handlung dünn ist, darf den geneigten Kinobesucher nicht überraschen. Die Produzenten der Actionfiguren haben diesen eben nur einen sehr begrenzten Spielraum gegeben.
Wo die MARVEL-Helden wenigstens noch die Gegner wechseln können, sind die Masters of the Universe immer an den bösen Skeletor als Schurken gekettet, der immer die Macht an sich reißen will – und so eckig, wie die Actionfiguren sich im Spiel bewegen lassen, so eckig ist auch die Dramaturgie im Spielfilm: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.
So gesehen ist es eine angenehme Überraschung, dass Jared Leto als Skeletor das Schurkische seiner Rolle unterläuft und die Figur des dröhnenden Ich werde Euch alle vernichten!!!!-Schurken zu einer ironisch gebrochenen Figur macht. Wenn er sein Lachen des Wahnsinns erschallen lässt, verschluckt er ich daran, weil keiner mitlacht. Das macht den Bösewicht zu einer erfrischenden Erscheinung, die Dramaturgie aber kaputt. Auf der einen Seite sind da all diese irgendwie gebrochenen, eindimensionalen Kämpfer für das Gute, die immer auf die nächste Schlacht warten, auf der anderen Seite ein Dämon, der sich bisweilen selbst nicht über den Weg traut.
Und mittendrin Adam im grauen Großraumbüro eines Konzerns in Oklahoma City. Nicht New York. Nicht San Francisco. Nicht mal Seattle. Nein, es ist das graue Oklahoma, in das es ihn als kleinen Prinzen auf der Flucht vor Skeletor vor 15 Jahren verschlagen hat – wobei er blöderweise dieses wuchtige Schwert verloren hat, das er zwingend braucht, um wieder nach Hause zu kommen. Als der Film beginnt, ist er seit 15 Jahren auf der Suche danach. Wie er es als verwaister Junge ohne Papiere damals bis in das Großraumbüro geschafft hat, lässt der Film außen vor, es gibt kein Ehepaar Kent, das sich heimlich um den Kleinen gekümmert hat. Das wäre auch nicht so wichtig, wenn der junge Mann nun nicht fortwährend junge Frauen, die ihn daten, mit einer wirren Geschichte erschreckte, wonach er eigentlich Prinz und Thronfolger von Eternia sei, dem schönsten Planeten im All, und man sich im Kinosessel unweigerlich fragt, in welchem Sanatorium der Junge realistischerweise eigentlich hätte landen müssen; stattdessen lebt er in einer Jungs-WG, hat einen langweiligen Job und also irgendwie Kindheit, Jugend und Ausbildung ohne Elternhaus rumgekriegt.
Da kann man aber auch mal ein Auge zudrücken, weil es sich ja schließlich um Fantasy handelt und Fantasyhelden nicht die Grundschule besucht haben müssen. Im weiteren Verlauf des Films muss man dann allerdings noch häufiger ein Auge zudrücken, um Schwächen in Regie und Drehbuch auszublenden. Als Actionfilm legt der Film ein Tempo vor, als sei er direkt aus den 80ern hierher gebeamt worden. Tatsächlich erinnern sich Zeitzeugen, dass Actionfilme damals in den 80ern viel langsamer und viel schwerfälliger waren als heute, allein, weil die Akteure noch alle Kämpfe selbst erledigen mussten, ohne dass ein Computer nachhelfen konnte. Aber Regisseur Travis Knight gibt sich alle Mühe, dem Film das Tempo vorzuenthalten. Dauernd wird irgendwas erklärt. Dauernd entschuldigt sich einer für die Fehler von damals. Dauernd muss Skeletor einen Unterling bestrafen, um seine Bösartigkeit zu beweisen. Die Handlung, der eigentliche Kampf gegen das Böse, tritt auf der Stelle – und das, wo der Film trotzdem 2 Stunden, 20 Minuten dauert.
Skeletors Strafen fallen übrigens ebenso unblutig aus, wie die martialischen Kämpfe, die die Helden irgendwann bestreiten. Der Film ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben, 6-Jährige dürfen in Begleitung der Eltern rein, schreibt die FSK auf ihrer Website.
Mattels Barbie-Film wurde als fröhliches Female Empowerment gefeiert. Mittels "Masters of the Universe" jetzt wird vielleicht gefeiert als die perfekte Symbiose von Actionfigur und Kino: Hölzerne Figuren stehen rum, brabbeln Sätze und machen Bumm.
