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Plakatmotiv: Is' was, Doc? (1972)

Einer der lustigsten
Filme aller Zeiten

Titel Is' was, Doc?
(What's Up, Doc?)
Drehbuch Buck Henry + David Newman + Robert Benton + Peter Bogdanovich
Regie Peter Bogdanovich, USA 1972
Darsteller

Barbra Streisand, Ryan O'Neal, Madeline Kahn, Kenneth Mars, Austin Pendleton, Michael Murphy, Philip Roth, Sorrell Booke, Stefan Gierasch, Mabel Albertson, Liam Dunn, John Hillerman, George Morfogen, Graham Jarvis, Randy Quaid u.a.

Genre Komödie, Musik
Filmlänge 94 Minuten
Deutschlandstart
21. September 1972
Inhalt

Dr. Howard Bannister, von Beruf Musikprofessor, besucht mit seiner versteiften Verlobten Eunice den Kongress für Amerikanische Musikwissenschaft in San Fransisco, weil ihm eine Förderung in Höhe von 20.000 Dollar in Aussicht steht.

Die Begegnung mit Judy Maxwell, einer richtungslosen aber geistvollen jungen Frau, die von einer Bildungseinrichtung nach der anderen vor die Tür gesetzt wird, stellt sein Leben auf den Kopf. Für Judy ist es Liebe auf den ersten Blick.

Ein komischer Zufall sorgt für weitere Komplikationen: Nicht nur Howard und Judy, sondern auch die reiche Mrs. Van Hoskins und der Reporter Mr. Smith haben alle mit roten Koffern mit Schottenkaro im Hotel eingecheckt. Mrs. Van Hoskins wird schon bald ihre kostbaren Juwelen vermissen und Mr. Smith Geheimdokumente der Regierung.

Plakatmotiv (US): What's up, Doc? – Is' was, Doc? (1972)Zu allem Überfluss interessieren sich für die Kofferinhalte weit mehr Personen als nur ihre vier Besitzer …

Was zu sagen wäre

Liebe auf den ersten Blick bringt alles aus dem Gleichgewicht. Für diesen wilden Ritt auf der Komödienklinge hätte der Begriff MacGuffin erfunden werden müssen. Tatsächlich gibt es ihn seit den frühen Thrillern von Alfred Hitchcock: Es handelt sich um ein Etwas, das alle handelnden Figuren haben wollen, als Objekt selbst aber völlig unwichtig ist; es kann ein Koffer sein, eine verräterisch leuchtende Schatulle, vielleicht ein Federschmuck, völlig egal, Hauptsache, alle machen mörderische Jagd darauf.

In Peter Bogdanovics Film ist alles MacGuffin, selbst die Personen. Der eine ist Musikwissenschaftler, der anhand von prähistorischen Steinen beweisen will, dass …, aber ist egal, ein anderer will Staatsgeheimnisse aufdecken, eine ältere Dame ihren Schmuck zurückhaben, und Judy einfach nur ihre Klamotten. All diese Personen besitzen jeweils identisch aussehende Koffer – rot mit Schottenkaro. Diese Koffer werden verwechselt. Und jetzt beginnt das, weswegen Peter Bogdanivich diesen Film inszeniert hat. Er wollte eine chaotische Verwechslungskomödie mit Maschinengewehr-Dialogen, exaltierten Frauen und schüchternen Bücherwürmern. Bogdanovich ist mit Howard Hawks befreundet und verehrt dessen Leoparden küsst man nicht (1938) mit Katherine Hepburn und Cary Grant.

"What's up, Doc" ist Bogdanovichs quasi Neuverfilmung, zwar mit anderer Handlung, aber Barbra Streisand interpretiert die Hepburn-Rolle der energischen, zielstrebigen Frau und Ryan O'Neal die Grant-Rolle des gutaussehenden verträumten Wissenschaftlers mit dicker Brillen. Und dann geht auch eigentlich schon die Post ab, in der die beiden das "Leoparden"-Vorbild immer wieder zitieren. Es ist Bogdanovichs tiefe Verbeugung vor den Screwballkomödien der 30er und 40er Jahre – und der Film ist sehr lustig … präziser kann ich das nicht beschreiben: lustig, witzig, komisch, auf charmanter Weise ein Brüller.

Nicht nur sind das Drehbuch und die straffe Montage ausgeklügelt, offensichtlich ist es Bogdanovich auch gelungen, seinen Cast am Set in gute Laune zu versetzen. Die Spielfreude der Schauspieler ist spürbar. Barbra Streisand, große Diva der Unterhaltungsbranche ("Die Eule und das Kätzchen" – 1970; "Hello, Dolly!" – 1969; "Funny Girl" – 1968), ist hier ganz das charmante, zielstrebige Mädchen mit dem Hang zur Katastrophe – aber liebenswert. Ryan O'Neal, dieser gut gebaute Prachtkerl für die neuen Männerrollen des New Hollywood, geht auf in der Rolle des linkischen Bücherwurms und lässt sich hingebungsvoll von der Chaoten verführen: „Helfen Sie mir nicht! Und gehen Sie jetzt, bitte!“ Ryan O'Neal ist da sehr bestimmt, nur will Barbra Streisand einfach nicht hören. Würde sie hören, gäbe es das ganze Chaos nicht. Denn das nimmt seinen Anfang nicht mit einem der vier Schottenkaro-Koffer. Es nimmt seinen Anfang, weil sich Judy Hals über Kopf – Stichwort: Liebe auf den ersten Blick – in Howard verknallt. Liebe kann ganz schön anstrengend sein.

Und auf dem Höhepunkt sagt Judy zu Howard: „Lieben bedeutet, niemals um Verzeihung bitten zu müssen.“ Das ist das große Zitat aus Ryan O’Neals ersten Film, dem gigantisch erfolgreichen Schmachtfetzen "Love Story" (1970). Heute stutzt Howard einen Moment, dann sagt er: „Was Dümmeres habe ich noch nie gehört.“.

Wertung: 8 von 8 D-Mark
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