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Plakatmotiv: Moulin Rouge (2001)

Liebe währet dramatisch ewig
in einem knallbunten Musical

Titel Moulin Rouge
(Moulin Rouge)
Drehbuch Baz Luhrmann & Craig Pearce
Regie Baz Luhrmann, USA, Australien 2001
Darsteller

Nicole Kidman, Ewan McGregor, John Leguizamo, Jim Broadbent, Richard Roxburgh, Garry McDonald, Jacek Koman, Matthew Whittet, Kerry Walker, Caroline O'Connor, Christine Anu, Natalie Mendoza, Lara Mulcahy, David Wenham, Kylie Minogue u.a.

Genre Drama, Musik
Filmlänge 127 Minuten
Deutschlandstart
18. Oktober 2001
Inhalt

Das Jahr 1900: Die Welt dreht sich um Paris – und alles in der Stadt der Liebe dreht sich um den berühmtesten Nachtclub der Stadt, das Moulin Rouge. Auch der junge Schriftsteller Christian kann sich der explosiven Atmosphäre und der Sinnlichkeit des Cancan nicht entziehen.

Vor allem aber fasziniert ihn Satine, der Star des Moulin Rouge, die unnahbare Kurtisane mit dem großen Traum von einer Karriere als Schauspielerin. Indem Satine sich einem reichen englischen Duke hingibt, soll die Finanzierung eines aufwändigen Theaterstücks im Moulin Rouge gesichert werden. Doch dann tritt Christian in Satines Leben und erobert ihr Herz im Sturm.

Sie muss eine Entscheidung treffen: zwischen ihrem Traum und der wahren Liebe, zwischen dem Moulin Rouge und Christian …

Was zu sagen wäre

Imitiert das Leben die Kunst? Oder spiegelt die Kunst das Leben? In Baz Luhrmanns grellbuntem Musical verwischen die Grenzen zwischen Leben und Kunst in einer Liebe zwischen einem, der singt „All You need is Love“ und einer, die antwortet „Diamonds are a Girls Best Friend“. Dichter trifft Dirne. Ihre Liebe währet ewiglich über alle Grenzen, Miesepeter und reiche Schnösel mit Geld und Karriere hinweg. Und hinaus sogar über den Tod.

Es sind Shakispearsche Dimensionen, in die Luhrmann hier wieder vordringt (William Shakespeares Romeo & Julia – 1996; Strictly Ballroom – 1992), erzählt ein Drama, das visuell in den kräftigsten Farben blüht und auf der Tonspur einen Soundtrack aufbereitet, der das vergangene Jahrhundert abdeckt. Songs von Freddy Mercury wechseln mit denen von Elton John, Madonna, den Beatles, Dolly Parton, David Bowie, The Sweet, Chris Isaac, Kiss, U2, The Communards, dazu Jacques Offenbach und andere, meistens neu interpretiert von den beiden Hauptdarstellern, die dabei eine erstaunliche Stimmbandbreite unter Beweis stellen und manchen der Songs, für die man daheim nicht mehr unbedingt die CD einlegen würde, um sie hören zu können, kehren via Leinwand in sehr frischem Gewand zurück in unser Ohr.

"Moulin Rouge" ein waschechtes Musical, das keinen Wert auf Realität legt. Gedreht wurde ausschließlich im Studio. Die Künstlichkeit, die dort entstand, lässt sich nie mit realen Drehorten verwechseln, die Figuren nie mit echten Menschen, die Geschichte nie mit echtem Leben. Plakatmotiv: Moulin Rouge (2001) Das aufgeführte Musical entwickelt sich von luftiger Romanze zum schweren Melodram, das opernhafte Züge bekommt und so laut, bunt over the edge endet, dass die Filmemacher ihren Abspann sicherheitshalber mit dem Hinweis schließen: „Diese Geschichte handelt von Wahrheit, Schönheit, Freiheit und vor allem von der Liebe.

Im Mittelpunkt stehen eine brotloser Schriftsteller und eine Kurtisane, die als Tänzerin von mehr als Boulevard träumt, sie sehnt sich, als die nächste Sarah Bernard gefeiert zu werden. Die Australierin Nicole Kidman spielt sie als auf Knopfdruck verführerisch, sehr auf den reichen Gönner fixiert (Eyes Wide Shut – 1999; Projekt: Peacemaker – 1997; "The Portrait of a Lady" – 1996; Batman Forever – 1995; Malice – Eine Intrige – 1993; In einem fernen Land – 1992; "Billy Bathgate" – 1991; Tage des Donners – 1990; "Todesstille" – 1989); die plötzlich aufstrahlende Sehnsucht nach der wahren Liebe mag man dieser Figur mit immer wieder groß in Szene gesetzten großen blauen Augen nicht ganz abnehmen, weil sie, siehe oben, eher künstlicher Natur ist. Im Musical, in der Oper ist Liebe und Leidenschaft halt, wenn laut gesungen wird. Das ist auch so bei dem jungen Schriftsteller. Den spielt Ewan McGregor als naiven Ambitionierten, der zu Beginn von Liebe keine Ahnung hat, am Ende dafür umso mehr (Das Auge– 1999; Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung – 1999; Lebe lieber ungewöhnlich – 1997).

Der Schriftsteller, Christian, verliebt sich Hals über Kopf in die Kurtisane, Satine, und entwickelt eher zufällig ein großes Bühnenstück über die Gier eines Maharadschas zu einer Tänzerin, die heimlich einen integren, aber mittellosen Sitharspieler liebt. Bezahlen soll die Aufführung als Mäzen ein nur als Duke bekannter, sehr reicher Mann, der Satine, die heimlich den integren aber mittellosen Schriftsteller liebt, für sich beansprucht. So überblenden Kunst und Leben zunehmend, bis zum bitteren Ende, das man andeuten darf, weil der Off-Text es früh verkündet – zum Drama wird das Wie, nicht das Dass.

Kidman und McGregor liefern innerhalb der Schranken ihrer künstlichen Figuren ein hinreißendes Liebespaar ab, singen sich leidenschaftlich an, funkeln einander hinterher und geben sich einfach nicht verloren. Hinreißend auch das Ensemble, das Luhrmann um sie gebaut hat mit Jim Broadbent (Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück – 2001; Mit Schirm, Charme und Melone – 1998; Fräulein Smillas Gespür für Schnee – 1997; Bullets Over Broadway – 1994; "The Crying Game" – 1992; Erik der Wikinger – 1989; Superman IV – Die Welt am Abgrund – 1987; Brazil – 1985; Time Bandits – 1981) als undurchsichtig funkelnder Chef des Hauses mäandern zwischen ständiger Sorge nach der Finanzierung und der väterlichen Fürsorge für seine Truppe aus Tänzerinnen, Sängern, Kulissenbauern und all den anderen Künstlern. Neben ihm Richard Roxburgh als der böse Duke, John Leguizamo als Toulouse-Lautrec, fröhlicher Antreiber einer bunten Künstlertruppe, in der der unter Narcolepsie leidende Vortänzer in den unmöglichsten Momenten einschläft, und sogar Popsängerin Kylie Minogue hat einen kleinen Auftritt als Grüne Fee.

Baz Luhrmann galoppiert in seiner Sehnsucht nach Bunt und Laut mit Verve über Kitschgrenzen hinweg und entfaltet ein Universum, dem man sich am einfachsten staunend aussetzt und vielleicht an Stellen, die man kennt, leise mit summt – alles weitere, denken etwa, wäre vergeudete Kinozeit.

Wertung: 4 von 6 €uro
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