Buchcover: Stephen King – Basar der bösen Träume (2016)

Hartung
liest gerade

Titel Basar der bösen Träume
(The Bazaar of Bad Dreams)
Autor Stephen King, USA 2015
Aus dem Amerikanischen u.a von Ulrich Blumenbach, Bernhard Kleinschmidt, Karl-Heinz Ebnet, Wulf Bergner, Kristof Kurz, Friedrich Mader, Gunnar Kwisinski, Urban Hofstetter, Jürgen Langowski, Gisbert Haefs, Johann Christoph Maass, Jürgen Bürger
Verlag Heyne
Ausgabe E-Book, 768 Seiten
Genre Kurzgeschichtensammlung
Website penguin.de
Inhalt

Stephen King legt eine neue Kurzgeschichtensammlung vor. Von den insgesamt 20 Storys wurden bislang erst drei auf Deutsch veröffentlicht. Die Originale erschienen teilweise in Zeitschriften; andere sind bislang gänzlich unveröffentlicht.

Nicht immer blanker Horror, aber immer psychologisch packend und manchmal schlicht schmerzhaft wie ein Schlag in die Magengrube – Geschichten, die uns einladen, Stephen Kings Meisterschaft im Erzählen aufs Neue beizuwohnen, oder, wie er selbst in seinem Basar der bösen Träume ausruft: „Hereinspaziert, ich habe die Geschichten eigens für Sie geschrieben. Aber seien Sie vorsichtig. Bestenfalls sind sie bissig und schnappen zu" …

(aus dem Klappentext)

Was zu sagen wäre

… work in progress …

Die letzten Tage meines Urlaubs auf La Gomera sind angebrochen. Ich habe sieben Romane gelesen, Thriller, Dramen, Krimis. Zum Ausklang nehme ich mir diesen Stephen King-Ziegelstein vor, der 20 Kurzgeschichten enthält, von denen ich sicher viele erst lesen werde, wenn ich wieder daheim in Mainz bin. Kurzgeschichtenbücher machen den Übergang von Urlaub in Alltag leichter, weil Figuren, Orte und Handlungen in den Seiten nicht andauernd an zurückliegende Tage erinnern.

Gleich die erste Geschichte, "Raststätte Mile 81", beinhaltet alles, mit dem Stephen King mich immer gekriegt hat: Kinder, die, je kleiner sie sind, den klareren Blick auf die wirkliche Essenz der Dinge haben, die große weite Welt im Schrottgelände hinterm Haus, ein unheimliches, grauenvolles Ding, schicksalshaft abgelenkte Nebenfiguren, die das Zeitliche segnen werden und eine Hauptfigur mit ein wenig – mal durch Kopfschmerzen, hier einen Schluck Wodka zu viel – Nebel im Kopf. Ein schlammverkrustetes Auto auf einer eingestellten, leeren Autobahnraststätte frisst Menschen. Eine Erklärung gibt es nicht. Die gibt es in Kings Geschichten, den guten jedenfalls, nie. Dafür aber lauter mit wenigen Strichen sehr genau charakterisierte Figuren, die sich zu dem Ding verhalten und das meistens falsch. Natürlich erinnert ein Menschen mordendes Auto an Kings Klassiker "Christine" und King ist souverän genug, einen State Trooper nicht mehr an Monsterautos glauben zu lassen, „seit er als Teenager den Film Christine gesehen hatte, aber er glaubte wohl, dass Monster manchmal in Autos lauern konnten“.
Dieser erste Storyaufschlag des Buches ist unappetitlich. Und richtig gut!

Ihr folgt mit "Premium Harmony" eine Charakter-Miniatur. Sie spielt in Castle Rock, der weltberühmten, von Stephen King für Klassiker wie Stand by me erfundenen Kleinstadt in Maine, die seit den Ereignissen um Leland Gaunt in Needful Things nie wieder auf die Füße gekommen ist: ein sich bei flirrender Hitze im Auto streitendes Ehepaar mit Hund, eine Story, deren Ende zwei der drei nicht erleben und die dritte Figur sich darob die Chancen auf einen Mitleidfick mit überfetteten Angestellten eines Tankshops ausrechnet. Bitter. Trocken. Den Lesealltag überraschend für ein paar eigene Gedanken unterbrechend.

Jeder seiner Shorts stellt King ein Vorwort voraus, in welchem er die Genese der jeweils folgenden Geschichte ein wenig einordnet. Bei Story #3, "Batman und Robin haben einen Disput" führt das dazu, dass man sich den Verlauf der Handlung dieser nachfolgenden Story nach wenigen Sätzen ausmalen kann. Das macht aber nichts. Im Gegenteil: Auf diese Weise nicht storytechnisch abgelenkt erstrahlt Kings Fähigkeit, in wenigen Sätzen einen Kosmos des Americana zu entwerfen, in dem wir selbst als in einer deutschen Mittelstadt wohnenden Deutschen sofort das große Drumherum vor Augen haben, einen Diner, ein tätowiertes Truckerklischee, ein liebevoll besorgter Mann mit seinem dementen Vater und dessen kleptokratischer Ader, der nahegelegene Turnpike plus der Kunst des Autors, Überraschungen aus dem Ärmel zu schütteln, die er sich vorher möglichst unauffällig in diesem Ärmel platziert hat. King! Kann! Schreiben! Er beweist es hier.

Mit "Die Düne" folgt eine schriftstellerische Fingerübung rund um eine Sanddüne mit Geisterschrift, die Tote vorhersagt. Ein vergleichsweise kurzer Text, in den man sich hineinfläzen kann, wie in einen gemütlichen Sitzsack. Wenn man Gespenstischem Gemütliches abgewinnen kann.

Ich habe mit "Basar der bösen Träume" am 14. Mai 2026 begonnen. #Urlaubslektüre2026 #LaGomera

Meine absoluten King-Favorites