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Plakatmotiv: Den Morgen wirst Du nicht erleben (1950)
Personality-Show für James Cagney,
die die Macht der Frauen offenbart
Titel Den Morgen wirst Du nicht erleben
(Kiss Tomorrow Goodbye)
Drehbuch Harry Brown
nach dem Roman „Kiss Tomorrow Goodbye“ von Horace McCoy
Regie Gordon Douglas, USA 1950
Darsteller James Cagney, Barbara Payton, Helena Carter, Ward Bond, Luther Adler, Barton MacLane, Steve Brodie, Rhys Williams, Herbert Heyes, John Litel, William Frawley, Robert Karnes, Kenneth Tobey, Dan Riss, Frank Reicher u.a.
Genre Crime, Film Noir
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
6. September 1957
Inhalt

Vor Gericht: Angeklagt ist eine Gruppe von Personen, die alle mit dem toten Schwerverbrecher Ralph Cotter in Verbindung standen, darunter auch zwei Polizisten, ein Gefängniswärter und ein Anwalt. In mehreren Rückblenden wird erzählt, wie sich ihre Wege mit denen Cotters kreuzten: Mithilfe des bestochenen Wärters Cobbett gelingt dem rücksichtslosen Kriminellen Ralph Cotter die Flucht aus dem Gefängnis. Seinen verletzten, ihn behindernden Mitinsassen Ralph Carleton tötet er kurzerhand selbst.

Plakatmotiv (US): Kiss Tomorrow Goodbye – Den Morgen wirst Du nicht erleben (1950)Cotter macht sich Carletons Schwester Holiday gefügig und erpresst die korrupten Polizisten Weber und Reece, nachdem sie ihn eines Raubüberfalls überführt haben. Cotter heiratet Margaret Dobson, die vermögende Tochter eines mächtigen Industriellen, und schwingt sich zudem zum Kopf einer Wettorganisation auf …

Was zu sagen wäre

Eine Personality-Show für James Cagney („Sprung in den Tod“ – 1949; „Helden der Lüfte“ – 1942; Die wilden Zwanziger – 1939; Oklahoma Kid – 1939; Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern – 1938; Frisco Kid – 1935; „Ein schwerer Junge“ – 1934; „Der öffentliche Feind“ – 1931). Gordon Douglas erzählt uns den American Dream eines Mannes, der aus dem Gefängnis ausbricht, skrupellos Hindernisse seines Aufstiegs aus dem Weg räumt – und dann an den Frauen scheitert.

Gegenüber den Rollen, die ihn berühmt gemacht haben, hält sich James Cagney auffallend zurück. Er hat immer noch eine kurze Lunte. Er schlägt immer noch den blonden Engel, der sich ihm an den Hals gewrfen hat. Aber der Krieg ist vorbei. Die Nachkriegs-Ära ist angebrochen und wartet mit neuer Politik auf. Die Cops sind korrupt wie eh und je. Aber als die Mächtigen treten jetzt die graumellierten älteren Herren auf, die elegante Töcter zu vergeben haben. Darin scheitert das Drehbuch.

Sowohl die blonde Barbara Payton hat in der Rolle der Witwe Holiday keine andere Chance, als sich dem wilden Cagney an den Hals zu werfen. Auch Helena Carter verfällt dem Aufsteiger als elegante Millionärstochter Margaret Dobsen allzu schnell. Da sortieren wir im Kinosessel noch die Klischees, in denen James Cagney Zuhause ist, da hat der schon zwei Frauen um den Finger gewickelt, und die eine ist dann mörderisch sauer auf die andere, woran der große Cagney schließlich scheitert.

Moralisch gesehen hat Cagneys Ralph Cotter alles falsch gemacht; das ist die Grundvoraussetzung, um im American Dream, wie ihn uns Hollywood gerne serviert, Erfolg zu haben. Rein geschäftlich macht er alles richtig. Sein Aufstieg ist schnell und folgerichtig, weil er auf Fische in seinem Teich trifft, die sich immer schon qua DNA vom Hecht haben instrumentalisieren lassen.

Schön, dass die Liebe ihn stoppt. Grässlich, dass Gordon Douglas darauf setzt. Dass sich einer wie dieser Cotter von Frauen einwickeln lässt ist ebenso unglaubwürdig wie, dass Frauen wie die Tochter des einflussreichen Millionärs auf ihn fliegt. Dass sie auf den Unangepassten steht, den Typen, der rohe Gewalt als Charme verkauft, ist ein Klischee, dass in Hollywood nur langsam stirbt. Die Blonde und die Dunkelhaarige, die Berechnung und die Naivität. Man merkt dem Film sein Aus-der-Zeit-gefallen an.

Aber schön, James Cagney nochmal all seine – limitierten – Register ziehen zu sehen. Er hatte seine große Zeit.

Wertung: 3 von 6 D-Mark
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