Millie kann ihr Glück kaum fassen, als die elegante Nina ihr die Stelle als Haushaltshilfe inklusive Kost und Logis bei ihrer Familie auf Long Island anbietet. Schließlich hat sie eine Vergangenheit, von der niemand etwas wissen soll.
Doch kaum ist Millie eingezogen, zeigt Nina ihr wahres Gesicht: Sie verwüstet das Haus und unterstellt ihr Dinge, die sie nicht getan hat. Ihre verwöhnte Tochter behandelt Millie ohne jeden Respekt. Nur Ninas attraktiver Mann Andrew ist nett zu ihr. Wäre da nur nicht Ninas wachsende Eifersucht. Hat sie Millie nur eingestellt, um ihr das Leben zur Hölle zu machen? Oder hat auch sie ein dunkles Geheimnis, von dem niemand etwas erfahren darf …
aus dem Klappentext …
Die beiden Männer, die für die Handlung eine treibende Rolle spielen dürfen, müssen sich gefallen lassen, immer wieder auf ihr Äußeres reduziert zu werden. Andrew, der Herr im Haus, und Enzo, der Gärtner, werden, als hätten wir es zwischenzeitlich vergessen, als besonders attraktiv, mit markantem Kinn, süßen Lächeln, T-Shirts wölbender Brustmuskulatur und ordentlichen Bizeps beschrieben, „er hätte jede Frau auf der Welt haben können“, heißt es dann als Abbinder der Schwärmerei. Über die Frauen erfährt man vergleichsweise wenig, schon gar nichts über Figur oder hervorstechende körperliche Merkmale. Die Hauptfigur ist blond, Ende 20. Die Dame des Hauses ist eine blond gefärbte Brünette Ende 30, die bevorzugt weiße Kleider, Blusen und Hosen trägt. Schlagartig wird dem (männlichen) Leser bewusst, dass hier eine Autorin einen Roman mit Frauen in den Hauptrollen schreibt, aus der Sicht dieser Frauen – in Männerromanen, also in Krimis, Spionagethrillern u.a., werden gemeinhin Frauen so ausführlich beschrieben.
Die Männer kommen hier nicht gut weg.
Der aus wechselnden Perspektiven und jeweils in der Ich-Form geschriebene Thriller ist ein Horrorroman aus dem Leben einer Frau, die zehn Jahre im Gefängnis gesessen hat, auf Bewährung draußen ist und sich schwer tut, wieder Fuß zu fassen, also auf jeden – auch Drecks- Job angewiesen ist. Etwa das halbe Buch lang wird sie als Hausangestellte von der Lady des Hauses kujoniert, geärgert, erniedrigt. Und als man sich gerade beginnt zu wundern, wie das jetzt wohl nochmal so lange weitergehen soll – oder erste Ansätze findet, die den Haken hinter dem Erzählten offenbaren, schließlich verkauft der Buchdeckel das Buch als einen Thriller und die haben immer einen doppelten Boden – wechselt die Perspektive. Jetzt sitzt der Leser in der Haut der Hausherrin und erfährt Aspekte der Geschichte, die er vorher nicht wahrnehmen konnte, und erlebt einen anderen Albtraum einer anderen Frau in einer, wie man heute sagt, toxischen Beziehung.
"The Housemaid", der im Deutschen den sinnlosen deutschen Tiel "Wenn sie wüsste" trägt, ist sprachlich keine Erleuchtung. Freida McFadden gleitet mit einfacher Sprache durch die Albträume ihrer Protagonistinnen, erzählt im Präsens und verzichtet auf Schockschleifen, wie sie der deutsche Titel andeutet: Wenn sie gewusst hätte, dass …, wäre sie … – sowas kommt nicht vor. Die sprachliche Zurückhaltung zahlt auf die Überraschungsmomente des Erzählten ein. Mehr als einmal dreht McFadden die Sympathien der Leser und baut zum großen Finale zwei Überraschungseier ein, die uns wohlig vom Hocker ziehen. "The Housewife" ist kein literarisches Wunderwerk, aber ein solide gebauter, reißfester Thriller, der gut auf die Liste der Bücher für den nächsten Urlaub passt.
Ich habe das Buch vom 27. bis 29. April 2026 gelesen. #Urlaubslektüre2026 #LaGomera
Die Autorin:
Freida McFadden ist im Hauptberuf Ärztin. Mit "Wenn sie wüsste" gelang ihr quasi über Nacht der internationale Durchbruch als Autorin. Die Begeisterung der Leser über die unglaublichen Twists in ihrem Thriller war so groß, dass das E-Book in den USA und in Großbritannien innerhalb kürzester Zeit sämtliche Rekorde brach, und zum gefeierten Bestseller wurde. Mit ihrer Familie und einer schwarzen Katze lebt Freida McFadden in einem jahrhundertealten Haus mit knarzenden Treppen und Blick auf das Meer.
