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Plakatmotiv: The Running Man (2025)

Ein bunter Actionfilm als dünne
Mediensatire mit Erlöser-Phantasien

Titel The Running Man
(The Running Man)
Drehbuch Edgar Wright & Michael Bacall
nach dem gleichnamigen Roman von Richard Bachman (=Stephen King)
Regie Edgar Wright, UK, USA 2025
Darsteller

Glen Powell, Josh Brolin, Katy O’Brian, Daniel Ezra, Colman Domingo, Lee Pace, Karl Glusman, Jayme Lawson, Michael Cera, Emilia Jones, William H. Macy, David Zayas, Alyssa Benn, Sienna Benn, Greg Townley, Joey Ansah, James Frecheville, Alex Hoeffler, Sean Hayes, Julia Cumming, Chris Rogers, Tom Crowhurst, Reomy D Mpeho, Michael Mears, Robert Eades u.a.

Genre Action
Filmlänge 133 Minuten
Deutschlandstart
13. November 2025
Inhalt

In einer nahen Zukunft, ist "The Running Man" die meistgesehene Show im Fernsehen. Ein tödlicher Wettbewerb, in dem die Mitspieler, die man Runner nennt, 30 Tage lang überleben müssen, während sie von Profikillern gejagt werden. Dabei wird jede ihrer Bewegungen einem blutrünstigen Publikum live übertragen. Jeder Tag, den sie durchhalten, wird mit mehr Geld belohnt.

Ben Richards stammt aus der Arbeiterklasse und versucht verzweifelt, seine kranke Tochter zu retten. Daher lässt er sich von Dan Killian, dem charmanten, aber rücksichtslosen Produzenten der Show, als letzte Hoffnung überreden, bei dem Spiel mitzumachen. Bens Trotz, Instinkte und Mut machen ihn bald unerwartet zum Fan-Favoriten – und zu einer Bedrohung für das gesamte System.

Während die Einschaltquoten durch die Decke gehen, steigt auch die Gefahr und Ben muss nicht nur die Jäger überlisten, sondern auch eine ganze Nation, die süchtig danach ist, ihn scheitern zu sehen …

Was zu sagen wäre

Diese Geschichte hat sich überlebt. Stehen King hat sie 1982 unter seinem Pseudonym Richard Bachmann veröffentlicht. Da geht es im Wesentlichen um einen manipulativen Medienkonzern, der mit der Regierung zusammenarbeitet – oder um eine Regierung, die mit dem größten Medienkonzern zusammenarbeitet; wer weiß das schon so genau? Demokratie jedenfalls findet da faktisch nicht mehr statt. Das ist angesichts der aktuellen Vorgänge in den Vereinigten Staaten wieder ein überraschend aktuell gewordenes Thema. Aber das Thema Medien und Staat und Manipulation der Massen haben so viele Bücher und Filme seither durchgekaut, die Geschichte einer Fernsehshow, in der Menschen gejagt und zur Belustigung des Publikums getötet werden, gibt es seit den 1960er Jahren; der Italiener Elio Petri war wohl der erste und drehte 1965 Das zehnte Opfer. Seither gab es zahlreiche Variationen, unter anderem 1970 das Fernsehspiel Das Millionenspiel von Wolfgang Menge oder 1983 Kopfjagd. Kurz gesagt: Die Enthüllungen über manipulative Medien in Stephen Kings brutaler Satire taugen also nur noch für einen bunten Nostalgietrip, wie es 1987 schon die erste Verfilmung mit Arnold Schwarzenegger in der Ben-Richards-Rolle war.

Es sei denn, man entstaubt das ganze und passt es an die Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts an. Edgar Wright (Baby Driver – 2017; The World's End – 2013; Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – 2010; "Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis" – 2007; "Shaun of the Dead" – 2004) hat das getan und als er seine Dreharbeiten im November 2024 abschloss, war Donald Trump gerade zum zweiten Mal ins Weiße Haus gewählt worden. Damals brauchte man noch ein gerüttelt Maß an Phantasie, um sich vorzustellen, wie der neue Mann im Weißen Haus mit seinem Land und der Welt umspringen würde, und so schlimm, wie in Kings Roman ist es noch nicht. Aber die Fake News, mit KI manipulierte Bilder in Sozialen Medien sind bereits real. Plakatmotiv: The Running Man (2025) Und wie passend auch: Kings Roman spielt just im Jahr 2025. Also hat Wright zusammen mit seinem Co-Autor Michael Bacall Kings "Menschenjagd", wie der Roman auf deutsch heißt, durch einen grellbunten Mixer gejagt und mit viel Spaß der heutigen Zeit angepasst.

Die Geschichte im Film spielt zu keiner definierten Zeit. Es gibt auch keine Sozialen Medien, die manipulierte News verbreiten könnten. Wright bleibt meistens nahe an der Romanvorlage und Anfang der 1980er Jahre wusste eben noch keiner was von Instagram, TikTok oder Twitter/X. Der Medienkonzern in diesem Film manipuliert gleich die Fernsehnachrichten und schafft das nahezu live und in Echtzeit. Und das Publikum, unter der Knute eines alles überwachenden Systems, glaubt, was es sieht, solange es gut unterhalten wird. Wer nicht spurt, wer etwa, wie Ben Richards, Missstände im Betrieb an die Leute von der Gewerkschaft meldet, wird gefeuert, kommt auf eine Schwarze Liste und findet nie wieder einen Job. Die sozialen Unterschiede sind zementiert. Wer seine Schäfchen einigermaßen im Trockenen hat, hält sich lieber fern vom System und lebt sein Mittelstandsleben.

Im letzten Drittel entwickelt Edgar Wrights "Running Man" ein erstaunliches Eigenleben. Zunehmend tauchen Ungläubige auf, Menschen, die die Medienmanipulationen durchschaut und satt haben und auf einen wie Ben Richards nur gewartet haben. Sie küren den brandheißen Running Man, der sich gerade anschickt, sogar die gefürchteten Hunter töten zu können, zu ihrem Auserwählten, der das System stürzen wird. Richards hat darauf zwar keine Lust, glaubt immer noch an die Aufrichtigkeit des Teufels und will nur zu Frau und Kind zurück, aber er hat auch keine Wahl. Und so ist das feurige Finale in Kings Romanvorlage im Film Auftakt für die Rache der Couchpotatoe-Zombies.

Der neue "Running Man", furios geschnitten und montiert im schnellen Wechsel zwischen Cinemascope-Leinwand, TV-Bildern und subjektiver Bodycam, funktioniert als Actionfilm mit ordentlichen Explosionen, wild ballernden Hubschraubern und einem knuffigen "Renault 5 Alpine". Er funktioniert als grelle Mediensatire. Und er funktioniert als Drama über einen manipulierten Mann. Ein krachbunter Kommentar mit steifem Mittelfinger auf die heutige Zeit und ein Film, der nicht so im Langzeitgedächtnis bleiben wird, wie der Running Man von 1987. Aber welche Filme bleiben das heute schon noch?

Wertung: 5 von 8 €uro
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