Der pensionierte Comedy-Autor Charlie Berns, der langsam aber sicher den Bezug zur Realität verliert, freundet sich mit der talentierten jungen New Yorker Straßensängerin Emma Payge an.
Zusammen bilden sie eine unwahrscheinliche, aber urkomische und berührende Freundschaft, die den Generationsunterschied beiseite schiebt und die Bedeutung von Liebe und Vertrauen neu definiert …
Manchmal tauchen so Filme auf, die einen daran erinnern, dass es – bei aller Begeisterung für Dinosaurier, Superhelden und Killerroboter – mal eine Zeit gegeben hat, in der Filme mit normalen Menschen in normalen Leben die Regel waren und die Filme mit den Killerrobotern die von meinem Teenager-Ich ersehnte Ausnahme. Billy Crystals "Here Today" ist ein Film, den es heute gar nicht mehr geben kann. Und doch gibt es ihn.
Ein bisschen Woody Allen inklusive Herbstlaub in New York, ein bisschen Drama rund um Altersdemenz und ein bisschen charmante Schauspieler in einer charmanten Geschichte in charmanter Umgebung. Die Hauptfigur Charlie wohnt in einem schmucken Appartement in Brooklyn, hat als Comedy-Autor im Leben genug verdient, um sich einen gehobenen Manhattan-Lifesteyle leisten zu können. Geld spielt keine Rolle in diesem Film, der sich so ganz auf seine Figuren konzentrieren kann.
Ein lebenslustige Sängerin lernt Charlie bei einem ersteigerten Date kennen – man konnte das Treffen mit dem einst berühmten Autor ersteigern, ihr Freund bot mit 22 Dollar die höchste Summe, dann trennten sich beide aber und jetzt sitzt Emma, die Sängerin mit dem Idol ihres Ex-Lovers zusammen am Tisch. Während der Autor seinem Lebensabend umgeben von jungen Comedyautoren mit Fäkalwitzen und einer verheimlichten Demenz entgegen taumelt, steht Emma am Anfang ihrer Karriere, die erste Tournee steht an. Der Witzeprofi hat ein angespanntes Familienverhältnis. Er ist Witwer, seine beiden erwachsenen Kinder haben kein gutes Verhältnis zu ihm, weil er immer zu viel gearbeitet hat, statt bei ihnen zu sein. Dass er heute dauernd Termine und wichtige Ereignisse in ihrem Leben vergisst, werfen sie ihm ebenso vor wie den tödlichen Autounfall ihrer Mutter – für den Charlie tatsächlich gar nichts konnte.
Und dann plätschert die Erzählung charmant ihren Weg. In subjektiv gefilmten Rückblenden erleben wir glückliche Zeiten Charlies mit seiner wahrlich entzückenden Frau Carrie und trauern mit Charlie und freuen uns mit Charlle und kämpfen mit Charlie, der nicht verraten will, dass er dement ist. Billy Crystal (The Comedian – Wer zuletzt lacht – 2016; America's Sweethearts – 2001; Reine Nervensache – 1999; City Slickers – 1991; Harry und Sally – 1989; "Schmeiß' die Mama aus dem Zug" – 1987; Die Braut des Prinzen – 1987; Diese Zwei sind nicht zu fassen – 1986) gelingt ein berührendes Porträt eines alternden Mannes, der es qua Beruf noch mit Humor nehmen kann, dass er langsam von der Jugend ausgebootet wird, der aber daran verzweifelt, dass er sein Leben, dass er doch ein ganzes Leben lang gelebt hat, von jetzt auf gleich zu verlieren droht und vermeintliche Fehler nicht korrigieren kann.
Ein schöner Film. Schön auch, weil es noch Produzenten und Studioleute gibt, die solche Filme finanzieren.
