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Kinoplakat: Terminator – Dark Fate

Zurück auf Los und der T-800
hat plötzlich ein Familienleben

Titel Terminator: Dark Fate
(Terminator: Dark Fate)
Drehbuch David S. Goyer + Justin Rhodes + Billy Ray + James Cameron + Charles H. Eglee + Josh Friedman
mit Charakteren von James Cameron + Gale Anne Hurd
Regie Tim Miller, USA 2019
Darsteller

Linda Hamilton, Arnold Schwarzenegger, Mackenzie Davis, Natalia Reyes, Gabriel Luna, Diego Boneta, Edward Furlong, Jude Collie, Brett Azar, Fraser James, Hadrian Howard, Björn Freiberg, Peter Schueller, Pedro Rudolphi, Steven Cree, Tom Hopper, Enrique Arce, Tristán Ulloa, Alicia Borrachero, Cassandra Starr, Tábata Cerezo u.a.

Genre Action, Abenteuer
Filmlänge 128 Minuten
Deutschlandstart
24. Oktober 2019
Inhalt

Über zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit Sarah Connor den Tag der Abrechnung verhindert, die Zukunft verändert und das Schicksal der Menschheit neu geschrieben hat.

In Mexiko City greift eine Maschine, die aussieht wie ein Mensch Dani Ramos an. Er ist unzerstörbar wie der T-1000, sieht unter seinem lebenden Gewebe aber anders aus. Dani wird in höchster Not von Grace gerettet, einer Frau aus der Zukunft deren Körper mit Upgrades verbessert wurde, so dass sie es sogar mit einem Terminator aufnehmen kann. Beide können knapp entkommen, werden aber Minuten später von dem Wesen wieder gestellt, das Grace als "Terminator" bezeichnet, Modell Rev-9. Er sei programmiert, sie, Dani, zu töten. Ihre Mission sei es, sagt Grace, Dani zu beschützen, komme, was da wolle.

Nach einer wilden Jagd über mexikanische Freeways im Berufsverkehr landen Grace und Dani im Straßengraben. Als der Rev-9 zum letzten Schlag ansetzt, springt eine Frau aus einem Auto und feuert aus allen Rohren. Es ist Sarah Connor, die ein Jahr, nachdem sie den Judgment Day verhindert hat und „drei Milliarden Menschen das Leben gerettet hat“, ihren Sohn John an einen weiteren Terminator verloren hat. Skynet hatte, bevor es von Sarah in die Nichtexistenz versetzt worden war, noch mehrere T-800 in die Vergangenheit geschickt, um John zu töten. Sarah hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Terminatoren, die der Programmierung einer Entität folgen, die es gar nicht geben wird, auszuschalten. Dabei hat sie einen geheimnisvollen Informanten, der sie über die Aufenthaltsorte der Maschinen per SMS informiert. Beendet werden diese Nachrichten stets mit „Für John“. Wer das ist, weiß Sarah nicht.

Mit ihren besonderen Fähigkeiten gelingt es Grace, den Aufenthaltsort dieses Informanten aus Sarah Connors Handydaten zu ermitteln. Sie wundert sich, dass die Koordinaten dieses Ortes ihr vor Missionsantritt auf die Haut tätowiert worden sind. Sie müssen nach Texas. Unter Umwegen kommen sie über die schwer bewachte Grenze zwischen Mexiko und den USA, wo der Rev-9 sie beinahe einholt und dabei ein Blutbad anrichtet.

Als die drei Frauen schließlich vor einem Haus im texanischen Wald stehen, öffnet ihnen Carl die Tür. So nennt sich der T-800 heute, der damals John Connor ermordete …

Was zu sagen wäre

Die Frage stand ja eigentlich seit 1991 im Raum; 1984 vielleicht noch nicht, als die Begeisterung über dieses innovative Stück Kinokunst, das James Cameron mit Terminator geschaffen hatte, noch alle Fragen überwog. Aber 1991, nach Camerons genialischem zweiten Terminator-Streich, waberte die Frage dann doch durch die Post-Kino-Kneipe: Was wäre eigentlich, wenn der T-1000 John Connor gekriegt hätte? Dann hätten da zwei hochgerüstete Maschinen ohne weitere Programmierung in der Stahlfabrik gestanden und … was? Gehen die in die Kneipe und stoßen an, bis ihre Brennstoffzellen nach rund 120 Jahren leer laufen?

Die Idee einer Antwort lieferte 2015 Terminator: Genisys, der sich zur Trilogie auswachsen sollte, dann aber wegen Erfolglosigkeit von den Produzenten fallen gelassen wurde. Da vertreibt sich T-800 – Cyberdine-System 101 – die 30 Jahre, die er auf Sarah Connor und Kyle Reese warten muss, die mit der Zeitmaschine auf dem Weg zu ihm sind, unter anderem damit, Ironie der Geschichte, als Bauarbeiter am pompösen Bau der Firmenzentrale von Cyberdine mitzuarbeiten. Aber natürlich folgte der T-800 da ja immer noch seiner Programmierung: Sarah Connor schützen, die, während er halt 30 Jahre rumkriegen muss, in einem Zeitstrahl sicher vor jedem Angriff von außen ist.

Die eigentliche Antwort ist viel simpler: Wenn die Mission abgeschlossen ist, zieht der Terminator sich zurück, nennt sich "Carl", lernt eine alleinerziehende Mutter kennen, deren Problemsohn eine väterlich strenge Hand braucht und macht einen Gardinengeschäft auf, mit dem er qua guter Beratung – „Nehmen sie fürs Kinderzimmer nichts Einfarbiges, nehmen sie was mit Blumen oder Schmetterlingen.“ – ein ordentliches Auskommen für die Kleinfamilie erwirtschaftet. Es sei „nichts Körperliches“ mit der Frau, sagt die Maschine, als Sarah sich wundert, wie sie denn ihr Gewicht von rund 200 Kilogramm erkläre. Und später erklärt "Carl" noch, was Sarah schon vor 27 Jahren in der tief stehenden Sonne New Mexikos erkannt hatte: Er sei der richtige Mann zur richtigen Zeit gewesen. Er könne zuhören, sei zuverlässig und könne außerdem Getränkekisten tragen und Lampen reparieren.

Der vorliegende Film beantwortet noch eine zweite Frage, die zwar keiner gestellt hat, aber wichtig für den Umsatz ist: Was passiert, wenn man ein Menschen mordendes Cyberunternehmen ausradiert? Es entsteht ein neues Menschen mordendes Cyberunternehmen. Naja klar: Jetzt kann man sagen, wo James Cameron wieder an Bord ist, als Autor und Produzent (Avatar – 2009; Titanic – 1997; True Lies – 1994; Terminator 2: Tag der Abrechnung – 1991; Abyss – Abgrund des Todes – 1989; Aliens – Die Rückkehr – 1986; Terminator – 1984), das ist sein kritischer Blick darauf, dass der militärisch ambitionierte Mensch nicht, nur weil eine Cyberidee schief ging, einfach aufhört, Killermaschinen mit „KI“ zu entwerfen; nur weil Skynet 1997 nun nicht existiert (den Judgement Day damit also nicht inszenieren kann), heißt das ja nicht, dass die Menschen nicht blöd genug sind, knapp 50 Jahre später, 2048, "Legion" zu starten, eine Künstliche Intelligenz zur Verteidigung der Menschen, die dann den Menschen als größten Feind des Menschen ausmacht und an Tag Eins ihrer Existenz weltweit den Strom abstellt, an Tag Zwei die atomare Verwüstung entfacht und an Tag Drei die Menschen direkt angreift. Same Procedure as every Year, MyLady? Same Procedure as every Year, James!

Ich mag einem Wirtschaftsunternehmen nicht vorwerfen, sein Produkt für eine neue Käufergeneration schmackhaft der Zeit anzupassen. In diesem Sinne erinnert "Terminator: Dark Fate" an Star Trek: Generations, jenen siebten Film, in dem 1994 die Generation Kirk im Kino an die Generation Picard übergab. Aktuell übergeben Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton das Terminator-Franchise an Natalia Reyes ("Dani") und Gabriel Luna ("Rev-9") und Mackenzie Davis. Aber Produzenten und Autoren tun das auf dem Niveau einer mittelguten Netflix-Serie. Nicht auf Kino-Niveau, nicht auf Judgment Day-Niveau.

Dritte Frage also: Was tut man mit einem erfolgreich eingeführten "Kult"Charakter, dessen Verwesungsgeruch vor sich hin gammelnder Fortsetzungen das Publikum schon drei Filme lang aus den Kinos getrieben hat? Man geht zurück auf Los und erzählt die Geschichte von Teil zwei weiter, eben jenes Klassikers namens Judgment Day, und ignoriert einfach, dass es einen Teil drei, vier und fünf gegeben hat. Und man setzt auf Diversität: Nach Marvel, DC und Star Wars sind jetzt auch die Helden des Terminator-Franchise ausnahmslos Heldinnen. Und die Hauptheldin ist nicht nur eine Latina, sondern zudem eine, „vor deren Gebärmutter die Zukunft Angst hat“, ein Glaube, den sonst Feministinnen über Männer hegen. Der alte weiße Mann hat sowohl als Retter als auch als Killermaschine ausgedient – Rev-9 wird gespielt von Gabriel Luna, einem Texaner mit mexikanischen Wurzeln.

Zwischen ihnen steht mit "Grace" eine neue Art Kampfmaschine: Ein junge Frau, die nach einer schweren Kriegsverletzung quasi zur Maschine aufgerüstet wurde, worin sie an die Figur des Marcus aus Terminator: Erlösung (2008) erinnert, der als Mensch ähnlich aufgerüstet worden war. Gespielt wird diese Grace von Mackenzie Davis, die bisher im Independentkino auffiel (Tully – 2018; The F-Word – 2013) und im Kommerzfilm (Blade Runner 2049 – 2017; Der Marsianer – 2015) mit prägnanten Nebenrollen auf sich aufmerksam machte. Die zierliche Blonde mit den großen Mangaaugen spielt die Grace als entschlossene Kämpferin, die sich an eine wie Sarah Conner erst gewöhnen muss.

Connor, die sich ihrer verschiedenen männlichen Kombattanten mittlerweile entledigt hat und als Einzelkämpferin gegen die Invasion aus der Zukunft in 50 US-Staaten zu den Most Wanted Criminals gehört, läuft angemessen pissed durch den Film. Nichts dreht sich mehr um sie. „Du hast vielleicht die Zukunft geändert, aber nicht unser Schicksal!“, faucht Grace sie an. Die ehemals pausbäckige Kellnerin, die drei Milliarden Menschenleben gerettet und damit ihr Leben an eine dauernde Flucht verloren hat, spielt keine Rolle mehr. Linda Hamilton, die diese Ikone des Kinos 1984 und 1991 vor der Kamera erschaffen hat, spielt das hier mit einer für den eitlen Hollywood-Botox-Betrieb wunderbar uneitelen Faltigkeit. Sie ist alt geworden. Na und?? Ihr Job ist es, Killermaschinen wegzuballern? Okay. Also ballert sie Killermaschinen weg und macht das Beste draus. Die Sarah Connor unter Tim Millers Regie (Deadpool – 2016) hat wenig Entfaltungspotenzial.

Und Arnold? Arnie?? Schwarzenegger???

Fremdbestimmt. Überall. Innerhalb der Story hat ein Familienleben die Terminator-Programmierung außer Kraft gesetzt, es kennt „so etwas Ähnliches“ wie Gefühle. Durch seine Funktion als väterlicher Zeigefinger versteht die Maschine nun Sarah Connors Schmerz über den Verlust ihres Sohnes. Sie fühlt so etwas wie Liebe. Dabei hatte Skynet diese Lern-Funktion – siehe Judgment Day – ausdrücklich für seine Terminatoren abgeschaltet; die Killermaschinen sollten eben nicht die Möglichkeit haben, sich mit dem Opfer gemein zu machen. Außerhalb der Story ist die T-800-Figur erkennbar eine Wie-kriegen-wir-Schwarzenegger-in-den Film-Figur. Keiner braucht sie, aber Schwarzenegger ist halt ein Verkaufsargument für das Franchise an der Kinokasse.

Macht er seinen Job schlecht? Ja, weil er mittlerweile zu gut spielen kann. Der 84er- und der 91er-Schwarzenegger-Terminator bewegte sich tatsächlich wie ein Roboter. Weil er einfach die Schauspielerei nicht beherrschte und er – passend dazu – wenig Text hatte. Modulation in seinen wenigen Sätzen oder komplexe Mimik in seinen Szenen war Schwarzeneggers Kunst nicht. Ein einsilbiges „I'll be back!“ wurde sein Markenzeichen (das er jetzt, 35 Jahre später, melancholisch beendet). Davon ist nichts mehr übrig, weder bei Schwarzenegger noch bei Gabriel Luna. Das klingt nach einer lässlichen Kleinigkeit? Ist es nicht: Auch 2019 braucht das Kino Ikonen in Text und in Bild, um wie 1984 und 1991 zu fesseln.

An diesem Film fesselt nichts. Die Action so ein bisschen, die für das Franchise untypisch zu viel aus dem Computer stammt. Ikonen sind in diesem Film nicht vorhanden. Der Handlungsstrang, der die Frauen, den Rev-9 und Arnold Schwarzenegger zusammenbringen soll ist ermüdend; der weitere Verlauf dann more of the same, jetzt in einem abstürzenden Flugzeug und rund um einen Staudamm.

Anders formuliert: Wären 1991, nachdem John Connor also tot gewesen wäre, T-800 und T-1000 damals dann einfach stehen geblieben in der Stahlfabrik? Wie hätten die Sicherheitskräfte dieser Fabrik reagiert? Was hätten die Wissenschaftler mit diesem bombastischen Techno-Material unternommen? Würden die Maschinen sich gegen die Menschen auflehnen? Wären die Terminatoren gemeinsam in den Sonnenuntergang geritten? Hätten sie eine Bar aufgemacht? Was macht eine Maschine in Freiheit, welche ihr nichts bedeutet? Das wäre die interessante Frage gewesen. Statt dessen macht ihr Erfinder James Cameron sie zum Gardinenverkäufer mit Frau und Kind.

Wertung: 2 von 8 €uro
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