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Kinoplakat: Nothing in Common – Sie haben nichts gemeinsam
Eine müde Familien-Dramödie mit
einem ausgeschlafenen Tom Hanks
Titel Nothing in Common – Sie haben nichts gemeinsam
(Nothing in Common)
Drehbuch Rick Podell + Michael Preminger
Regie Garry Marshall, USA 1986
Darsteller

Tom Hanks, Jackie Gleason, Eva Marie Saint, Hector Elizondo, Barry Corbin, Bess Armstrong, Sela Ward, Cindy Harrell, John Kapelos, Carol Messing, Bill Applebaum, Mona Lyden, Anthony Starke, Julio Alonso, Jane Morris u.a.

Genre Komödie, Drama
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
2. Juli 1987
Inhalt

„Ich weiß, Du magst mich nicht, aber Du musst mir helfen“, sagt Max Basner am Telefon zu seinem Sohn David. Nach 34 Jahren hat Lorraine Basner ihren Mann verlassen.

David Basner arbeitet in Chicago für eine Werbeagentur. Er gilt als beruflich erfolgreich und strebt die Partnerschaft an. Von dem Anruf seines Vaters ist er alles andere als begeistert. In den vergangenen 15 Jahren beschränkte sich das Verhältnis zu seinen Eltern auf Stippvisiten zu den Feiertagen. Mit seinem Vater hater schon gleich gar nichts mehr gemeinsam – der war mal ein sehr erfolgreicher Handelsvertreter, läuft aber seinen vergangenen Erfolgen auch schon länger hinterher; Max‘ Zeit ist vorbei. Als er seinen Job verliert, ist niemand weniger überrascht als er selbst.

Kinoplakat (US): Nothing in CommonDie Agentur, in der David arbeitet, bemüht sich aktuell um den Auftrag der Fluggesellschaft Colonial Airlines. Charlie Gargas, Davids Chef, verspricht, dass David einer der Partner des Unternehmens wird, wenn die Firma den Auftrag bekommt. David entwirft einen Werbefilm und beaufsichtigt die Dreharbeiten; dabei arbeitet er eng mit der Tochter des Chefs der Fluglinie Cheryl Ann Wayne zusammen; eng genug für eine Bettgeschichte, aber nicht eng genug, um über die Bettgeschichte hinaus zu kommen.

Als David spitz bekommt, dass sein Vater schwer an Zucker erkrankt ist, schmeißt er den lukrativen Airline-Auftrag weg. Sein Boss gibt ihm die lange Leine – die Kampagne ist ohnehin so gut wie fertig. Der Chef der Gesellschaft, Andrew Woolridge aber ist sauer, dass David es ablehnt, im Zusammenhang mit der Kampagne nach New York zu kommen. Woolridge will, dass David aus dem Projekt ausgeschlossen wird. David wird gefeuert …

Was zu sagen wäre

Blut ist dicker als Wasser, Wein oder Flugbenzin. Eine Binse, die uns auch diese nette Komödie von Garry Marshall („Flamingo Kid“ – 1984; „Küss mich, Doc“ – 1982) auf den Tisch legt. Wissen wir, hatten wir schon, danke und der Nächste bitte. Man könnte den Film über Beziehungsprobleme in zwei Generationen glatt vergessen, wären da nicht doch ein paar Kleinigkeiten, die der unbedingten Erwähnung Wert wären – der ein oder andere Dialog; und Tom Hanks.

Die Autoren Rick Podell und Michael Preminger haben Davids Mutter Lorraine, die gerade aus der ehelichen Wohnung ausgezogen ist, wunderbar knappe Sätze aufgeschrieben, die das das Innenleben ihrer Ehe beschreiben und wahrscheinlich, so bitter das ist, das Innenleben vieler Ehen: „He came home and there were still nobody to talk to. I checked his Clubchair to see if he was sitting in it. That‘s how I knew he was home. I didn‘t leave because of the yelling. I left because of the silence.“ Ich bin nicht wegen der Schreierei gegangen. Ich bin wegen der Stille gegangen. Eve Marie Saint („North by Northwest – Der unsichtbare Dritte“ – 1959), die große alte Lady des Kinos, holt hier noch mal alles heraus, was ihr die die Rolle erlaubt.

DVD-Cover (US): Nothing in CommonDie eigentliche Show aber ist Tom Hanks („Geschenkt ist noch zu teuer“ – 1986; „Alles hört auf mein Kommando“ – 1985; „Der Verrückte mit dem Geigenkasten“ – 1985; Bachelor Party – 1984; Splash – Jungfrau am Haken – 1984), der hier the best of his early career kulminiert zu einem dreidimensionalen, glaubhaften Charakter – mit dieser leichten Überzeichnung, die zu akzeptieren nur Hollywood gelingt.

Hanks ist als Clown der kreative Antreiber seines Agenturteams, er ist bekommt großäugiger Schlacks mit Sprungschanzen-Nase und der geistreichen Antwort jede Frau ins Bett, er ist als Thirtysomething Getriebener zwischen der Mutter im zweiten Frühling, dem Vater, der seine Erfolglosigkeit im früher erfolgreichen Job im Bier ersäuft und seinem Chef, der mit immer neuen Toupets versucht, jung zu wirken.

Diesen Chef spielt Hector Elizondo. Eine großartige Type. Jovial, verständnisvoll, mit seinen Toupet-Tick etwas albern – aber einer, der seinen Laden noch selber im Griff hat, wenn seine klügsten Köpfe, die getriebenen Thirtysomethings, wieder mal anderweitig getrieben sind. Er weiß noch, dass die kreativen Köpfe kreativ sind, wenn es darauf ankommt.

Jackie Gleason als Macho auf dem Abstellgleis ist hier in seiner letzten Rolle zu sehen; er starb 1987 an Krebs. Man sieht seinem Spiel an, dass er mit Filmen Karriere gemacht hat, die auf die Punchline setzen, den schnellen Joke, in denen der Komiker nur lustig gucken musste, damit die eingespielten Lacher vom Band kamen. Seine Spiel fügt sich nicht ein in die moderne Inszenierung eines Ensemblestücks. Gleason konnte auch anders, unvergessen bleibt sein Auftritt als Minnesota Fats, der Paul Newman in Haie der Großstadt am Billardtisch zeigt, wie man mit einem Queue umgeht. Das war 1961. Da war Gleason 45, fett und ruhte Buddha-gleich in sich selbst. Als gewesener Erfolgsmann, dem die Frau davonläuft und der sich von Tom Hanks ins Gewissen reden lassen muss, schafft er die Zwischentöne nicht mehr, die ihm seine zahllosen Rollen als Lebemann im Sommeranzug an der Seite von, zum Beispiel, Lucille Ball ausgetrieben haben. Es ist fast so, als habe die dicke Schminke, die Gleason in eineigen Szenen deutlich im Gesicht trägt, auch seinen Charakter zugekleistert.

Am Ende haben sich (fast) alle wieder lieb. So rührselig Hollywoodfilme so etwas auch erzählen können, dieser Film hier kommt luftleer und ausgepowert an seinem Abspann an. Tom Hanks hat eine große Zukunft. Die eleganten Gesichtszüge Sela Wards, die business-tough und Negligée-erorisch bieten können, werden wir sicher wiedersehen. Und so war es kein völlig verschenkter Nachmittag im Kino.

Der Film hat 12 Millionen Dollar gekostet – etwa. Allein in den USA spielte er 32,3 Millionen Dollar ein.

Wertung: 5 von 10 D-Mark
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