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Kinoplakat: Die Outsider
Eib buntes Nostalgie-Drama,
dem es an Substanz fehlt
Titel Die Outsider
(The Outsiders)
Drehbuch Kathleen Rowell
nach dem gleichnamigen Roman von Susan Eloise Hinton
Regie Francis Ford Coppola, USA, Frankreich 1983
Darsteller
C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Emilio Estevez, Tom Cruise, Glenn Withrow, Diane Lane, Leif Garrett, Darren Dalton, Michelle Meyrink, Tom Waits, Gailard Sartain, William Smith u.a.
Genre Drama, Crime
Filmlänge 91/113 Minuten
Deutschlandstart
16. Juni 1983
Inhalt

Es ist 1966 und wir befinden uns in Tulsa, einem gottverdammten Kaff in Oklahoma. Hier pflegen die „Greasers“, eine Gruppe verwahrloster Rumtreiber, ihre Feindschaft mit den Socs, gelangweilten Upperclass-Boys.

In einem Autokino lernen Ponyboy Curtis und sein bester Freund Johnny Cade die älteren Mädchen Cherry und Marcia kennen – eine aussichtslose Freundschaft; neben dem Altersunterschied (zwei Jahre vielleicht) spielt eine viel wichtigere Rolle ihre jeweilige Herkunft: Ponyboy und Johnny gehören zur Gang der „Greasers“ aus dem Arbeiterviertel, die Mädchen zu den „Socs“ aus dem mondänen Südteil Tulsas. Aber allein, dass sie miteinander sprechen, reicht zur Katastrophe.

Die Socs-Freunde der Mädchen finden es gar nicht gut, dass die mit den schmierigen Arbeiterjungs sprechen. Sie bringen sie nach Hause und stellen die beiden jungs dann in deren Revier. Es kommt zu einem unfairen Handgemenge Fünf gegen Zwei, das damit endet, dass Johnny einen der „Socs“ in Notwehr ersticht. Daraufhin entschließen sich Ponyboy und Johnny auf Dallas’ Anraten hin, in eine Kirche nahe Windrixville zu fliehen und sich dort versteckt zu halten.

Als sie von einem kurzen Abstecher zurückkehren, sehen Dallas, Johnny und Ponyboy Feuer in der Kirchenruine, in der sie zuvor Zigaretten geraucht haben. Sie retten die dort spielenden Kinder, aber Johnny wird dabei von einem herabfallenden Holzbalken getroffen und schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht …

Was zu sagen wäre

Der deutsche Verleih hat dem Film den etwas abseitigen Untertitel „Rebellen ohne Grund“ gegeben. Das soll natürlich an James Dean und seinen Klassiker „Rebel without a cause“/„Denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Nicolas Ray – 1955) gemahnen, mit dem dieser Film des Großregisseurs Francis Ford Coppola („Einer mit Herz“ – 1981; Apocalypse Now – 1979; „Der Dialog“ – 1974; Der Pate – 1972) aber lediglich das Milieu der Underdogs und Straßengangs teilt. Ich will auch lieber gar nicht ernsthaft vergleichen, denn dann würde „The Outsiders“ als schöner Nostalgie-Trip gegen Nicolas Rays Jugend-Drama verlieren. Und es würden all die weiteren Paten auffallen, die der Film anruft – „American Graffiti“, „West Side Story“ etwa.

Coppola taucht sein Drama, das er mit lauter aufstrebenden Jungstars besetzt, in die satten Farben des Indian Summer. Er erzählt die Geschichte einer Gesellschaft, die keine Chance hat und diese weidlich nutzt. Es werde alles bleiben, wie es ist, sagt in einem seltenen Anflug von vertrauter Klarheit einer der „Socs“ zu einem der „Greasers“, egal, wie der große Kampf auf der wiese am Abend ausgehe, sie, die „Greasers“ würden immer unten bleiben während den „Socs“ die Welt offen stehe. Und Diane Lane als Cashmere-Pulli tragendes „Socs“-Sweetie Cherry macht mit bedauernder Grausamkeit dem Greaser Ponyboy deutlich, „und wenn ich Dich in der Schule nicht beachte, nimm es mir bitte nicht übel“. Coppola lässt keinen Zweifel, zeichnet sein Gesellschaftsbild mit ähnlich knalligen Primärfarben, wie die Bilder seines Kameramannes Stephen H. Burum.

Die knalligen Farben und die knalligen sozialen Gräben offenbaren, dass Coppola so sehr auf einen bestimmten Sechziger-Jahre-Look fixiert scheint, dass seine Figuren lediglich wie Darsteller in einem Bilderrahmen wirken. Das ist schon bemerkenswert, dass Francis Ford Coppola sich nach seinen großen Mafia-Opern und seinem Vietnam-Trauma sich nun der Probleme der Heranwachsenden annimmt, aber nicht den zunehmend von Arbeitslosigkeit bedrohten 80er-Jahre-Kids, sondern denen, deren spezifische Probleme schon andere Regisseure in Cinemascope-Farben gegossen haben. Und viel mehr habe ich im Kinosessel leider nicht, als schöne Menschen in schönen Bildern.

Das Drama als solches läuft ab wie ein Uhrwerk: Wer tötet (aus welch hehrem Grund auch immer), muss sterben. Wer sich von Anfang an als breitbeiniger Outlaw geriert, muss – egal, welche hehre Taten er zwischenzeitlich begeht – sterben. Die anderen Schicksale sind vorhersehbar. Im Kino habe ich den Jungs (und dem Mädchen) gerne zugeschaut; aber im Tageslicht nach dem Kino blieben nur die bunten Farben noch eine Weile hängen, während die Story, das Drama rasch im Nachmittagshimmel diffundierte.

Gleich im Anschluss an diesen Film drehte Coppola Rumble Fish, auch in Tulsa, auch ein Jugenddrama, aber in Schwarz-Weiß. Zusammen mit „The Outsiders“ bietet dieses Double Feature eine interessante Werkschau eines interessanten Regisseurs.

Wertung: 5 von 9 D-Mark
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