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DVD-Cover: Gemeinsam stärker – Personal Effects (2009)
Ermüdend durchkonstruiertes Drehbuch
mit einer nur eingebildeten Dramatik
Titel Gemeinsam stärker – Personal Effects
(Personal Effects)
Drehbuch David Hollander
nach der Kurzgeschichte „Mansion of the Hill“ von Rick Moody
Regie David Hollander, USA, Deutschland, Kanada 2009
Darsteller Michelle Pfeiffer, Ashton Kutcher, Kathy Bates, Spencer Hudson, John Mann, David Lewis, Rob LaBelle, Aleks Paunovic, Brian Markinson, Sarah Lind, Ali Skovbye, Kyle Toy, Dean Wray, Brock Johnson, Mary Black u.a.
Genre Drama
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
19. März 2009 (DVD-Premiere)
Inhalt

Der 24-jährige Ringer Walter verlässt sein Nationalteam in Iowa, um zurück in seine Heimatstadt zu reisen und seine Mutter Gloria und seine Nichte zu unterstützen, die noch dem Mord von Walters Zwillingsschwester Annie nachtrauern.

Als er mit seiner Mutter den Therapeuten besucht, lernt Walter die Witwe Linda kennen, deren alkoholkranker Ehemann von seinem Freund in einer Bar ermordet wurde. Clay, Lindas taubstummer Sohn, vermisst seinen Vater und verdrängt seine Aggression gegen den Mörder seines Vaters. Linda arbeitet in dem Southside Community Center, wo sie Hochzeiten für Menschen in Not organisiert.

Walter und Linda befreunden sich während der Gerichtsverhandlungen und Walter lädt Clay zu einem lokalen Ringertraining ein. Während man auf ein Urteil des Richters wartet, beginnen Walter und Linda eine Affäre miteinander …

Was zu sagen wäre

Der Film wirkt wie eine verfilmte Depression: Die Bilder blaugrau, jder warmen Farbe entsättigt, die familiären Schicksale dramatisch, die individuelle Hoffnung auf Erlösung nahe Null. So ist das, wenn man einen geliebten Angehörigen durch einen Akt der Gewalt verliert. Da ist es egal, ob der Täter Lebenslänglich bekommt oder mangels Beweisen frei gesprochen wird. Der Angehörige bleibt tot.

David Hollander macht aus dieser schmerzhaften Tatsache einen Film, der keine Überraschung bietet, der alle Klischees abarbeitet und so präzise konstruiert ist, dass jede Wende in der handlung erklärbar ist. Lindas Sohn Clay ist taub. Das spielt den ganzen Film über keine Rolle, außer, dass der nette Ex-Ringer, der seine Zwillingsschwester auf grausame Art verloren hat, mit ihm nicht kommunizieren kann – und da fragen wir uns bald, warum eigentlich nicht: Wenn er so hilfsbereit ist, den tauben Außenseiter zu integrieren, wäre er wahrscheinlich auch gerne bereit, sich von der erotisch aufgeladenen Mutter ein paar Geböärden beibringen zu lassen. Tut er aber nicht. spielt auch keine Rolle, weil die Gehörlosigkeit des Jungen erst beim erwartbaren Höhepunkt die Logik der Situation sicherstellen soll; als hätte David Hollandewr das Drehbuch während eines strengen Drehbuchseminars geschrieben. Er war von 1995 bis 2000 beim Screenwriting Master Programm der University of Southern California aktiv, vielleicht rührt die enervierende Fehlerlosigkeit des Drehbuchs daher; sie macht jede Wendung vorhersehbar. da ist nichts mehr dramatisch. Nichts mehr ergreifend, mitfühlend. Hollander vergewaltigt menschliches (Mit)Gefühldas, indem er es zu einem Funktionsstein in einem Script degradiert.

Plakatmotiv (US): Personal Effects (2009)Ashton Kutsher („Love Vegas“ – 2008; „Jede Sekunde zählt – The Guardian“ – 2006; „Butterfly Effect“ – 2004; Wild Christmas – 2000) passt sich dem Script bald an: Er hat wenig zu tun außer grimmig zu gucken, seinen trainierten Oberkörper nackt in die Nahaufnahme zu halten – und anständig zu sein; zwischendurch läuft er für einen Burger-Laden in einem Giockelkostüm auf der Straße herum, das wiederum nur ein Funktionsstein im Drehbuch ist – es soll die Drasmatik des jungen Mannes zeigen, der wegen seiner toten Schwester eine vielversprechende Karriere fallen ließ, und jetzt im Gockelkostüm dasteht.

Michelle Pfeiffer spielt mit. Warum sie das tut, bleibt Spekulation, ihrem Ruf als großer Künstlerin tut der Film keinen Abbruch – tapfer spielt sie gegen die leblose Storykonstruktion an. Aber der Film bietet ihr keine Möglichkeit, wie einst zu glänzen (Schatten der Wahrheit – 2000; An deiner Seite – 1999; Tage wie dieser … – 1996; Aus nächster Nähe – 1996; Dangerous Minds – 1995; Batmans Rückkehr – 1992; Frankie und Johnny – 1991; Das Russland-Haus – 1990; „Die fabelhaften Baker Boys“ – 1989; Tequila Sunrise – 1988; Die Mafiosi-Braut – 1988; „Die Hexen von Eastwick“ – 1987; Kopfüber in die Nacht – 1985; Scarface – 1983).

Pfeiffers Karriere bekam in den 1990er Jahren einen Knick, weil sie bei der Auswahl ihrer rollen sehr zurückhaltend agierte. Sie lehnte Hauptrollen ab, in denen Kolleginnen dann Oscars oder große Schlagzeilen holten – etwa die der Clarice Starling in Das Schweigen der Lämmer, oder den der Catherine Tramell in Basic Instinct. Ihren letzten großen Erfolg hatte Pfeiffer 2000 an der Seite von Harrison Ford in dem Thriller Schatten der Wahrheit, für den sie eine Rekordgage von über 10 Millionen US-Dollar erhielt. In dem Mutter-Tochter-Drama „Weißer Oleander“ (2002) spielte Pfeiffer zum ersten Mal eine verbitterte, seelisch beschädigte Individualistin, die darin aufgeht, anderen ebenfalls körperliche oder seelische Schäden zuzufügen.

Sieht man es positiv, versucht der Film, jenen eine Lobby zu bieten, die durch einen Schicksalsschlag allein zurückbleiben. Um das aber nachhaltig zu schaffen, hätte es einer radikaleren Autorenschaft und Regie bedurft, Anarchie statt Konvention. So, wie der Film nun ist, ist schon nach zehn Minuten, die aus dem Off mit der Message des Films zugetextet werden, klar, was ausgesagt werden soll. Danach kann man das Kino verlassen.

Wertung: 2 von 7 €uro
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