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Kinoplakat: Cocktail
Tom Cruise zwischen Mixern,
Geld und Elisabeth Shue
Titel Cocktail
(Cocktail)
Drehbuch Heywood Gould
Regie Roger Donaldson, USA 1988
Darsteller
Tom Cruise, Bryan Brown, Elisabeth Shue, Lisa Banes, Laurence Luckinbill, Kelly Lynch, Gina Gershon, Ron Dean, Robert Donley, Ellen Foley, Andrea Doven, Chris Owens, Louis Ferreira, John Graham, Richard Thorn u.a.
Genre Drama, Romantik
Filmlänge 104 Minuten
Deutschlandstart
12. Januar 1989
Inhalt

Brian Flanagan zieht nach seinem Dienst in der US-Army nach New York. Der will Wirtschaft studieren. Neben dem Studium arbeitet er in einer Bar, in der der erfahrene Barkeeper Douglas Coughlin angestellt ist. Beide werden schnell Freunde und Douglas belehrt seinen Freund mit zynischen Bonmots, die er als „Coughlins Gesetze“ bezeichnet.

Douglas und Brian inszenieren das Mischen der Getränke als Show und werden für ihre Gäste zu Kultfiguren. Sie denken darüber nach, eine Bar zu eröffnen, was eine Investition von 75.000 US-Dollar bedeuten würde. Brian beginnt eine Affäre mit Coral, die ihn auf die Idee bringt, das Geld auf Jamaika zu verdienen, wo Barkeeper höhere Einkommen haben.

Douglas wettet mit Brian, dass Coral in wenigen Tagen einen neuen Liebhaber findet. Kurz darauf verführt er Coral, Brian fühlt sich von seinem Freund hintergangen. Es kommt zu einer Prügelei zwischen Douglas und Brian, der den Job kündigt. Ihre Wege trennen sich.

Erst auf Jamaika treffen sie wieder aufeinander, wo Brian gerade dabei ist, sich in die junge Jordan zu verlieben …

Was zu sagen wäre
Die Legende vom Tellerwäscher, der es zum Millionär schafft als neonbunte Kinoromanze mit der Subtilität eines Sex-on-the-Beach-Cocktails. Roger Donaldsons Film (No Way Out – 1987; „Marie - Eine wahre Geschichte“ – 1985) lädt zu Wortspielen nach der Art ein „They don‘t call it Cock-tail for nothing!“ Seine Protagonisten sind Machos, wie sie Alice Schwarzer als Abschreckung erfinden würde – Tom Cruise und sein Mentor Bryan Brown lassen da nichts anbrennen und haben immer den passenden Vers parat; immerhin das hebt sie aus der Masse der tumben Gigolos heraus: keine Sprüche sondern Verse. Die Frauen in „Cocktail“ sind wahlweise entzückende blondlockige Wesen, die vor allem Mutter werden wollen oder Business-Ladys, denen Autor Heywood Gould Männerverhalten zugeschrieben hat – sie vernaschen Jungs und sind Büro-Machos.

Eine interessante Figur in dem Zusammenhang spielt Lisa Banes als Businessfrau Bonnie, die sich Strahlemann Brian als Toyboy hält. In der Umkehrung der Geschlechterrollen, die Tom Cruise, den Mann, zum Schatz-kannst-Du-meinen-Mantel-halten-Diener degradiert, wird plötzlich deutlich, wie herablassend Hollywood im allgemeinen mit Frauen umgeht, die häufig als liebevolle, schön anzusehende Mantelhalterinnen geschrieben sind, aber sonst wenig zum Film beitragen. Diese emanzipatorische Spitze in einem Film wie „Cocktail“, der seine Charaktere holzschnittartig einer Dramaturgie nach Baukastenprinzip unterordnet, muss Zufall sein.

Artwork: Cocktail„Cocktail“ muss man nicht als kreatives Produkt ernst nehmen. Roger Donaldson („Marie – Eine wahre Geschichte“ – 1985; „Die Bounty“ – 1984), der im vergangenen Jahr mit „No way out“ gezeigt hat, dass er gefällig Genrekino inszenieren kann, hat „Cocktail“ als Vehikel für den gerade sehr angesagten Tom Cruise (Die Farbe des Geldes – 1986; Top Gun – 1986; Legende – 1985; Der richtige Dreh – 1983; Die Outsider – 1983; „Endlose Liebe“ – 1981) angelegt, der nach dem ambitionierten Martin-Scorsese-Projekt „Die Farbe des Geldes“ (1986) seinem Image als charming Zahnpasta-Lächler die Sporen geben will. Das macht er gut. Cruise baut sein Ich-sehe-verdammt-gut-aus-und-mache-mich-trotzdem-gerne-zum-Affen-Appeal aus, das er mit seinem Unterhosen-Tanz durchs leere Elternhaus in „Lockere Geschäfte“ (1983) etabliert hat.

Brians Mentor spielt Bryan Brown, der in seiner Heimat Australien seit zehn Jahren gut im Geschäft ist und über die Miniserie „Die Dornenvögel“ Kontakt mit Hollywood bekommen hat, wo er seither regelmäßig auftritt („Tai-Pan“ – 1986; F/X – Tödliche Tricks – 1986). Sein Douglas Coughlin ist laut, vulgär, die tragische Figur im Drama; auch er ein Abziehbild aus dem Setzkasten.

Die weibliche Hauptrolle, Jordan, spielt die entzückende Elisabeth Shue („Die Nacht der Abenteuer“ – 1987; „Karate Kid“ – 1984), bei der ich nach dem Film nicht sagen kann, ob sie ihre Aufgabe gut gemeistert hat. Ich war abgelenkt: Sie ist (aus männlicher Sicht) auf jeden Fall ein Grund, sich den Film anzuschauen – große braune Augen, blonde Curly-Haare, ausgeprägt weibliche Figur und Heywood Gould hat sie so herzenspatent angelegt, dass jeder Jungen weinen muss, wenn Tom Cruise sie leichtfertig betrügt. Cruise muss das tun, sonst würde das Drama nicht funktionieren – wie gesagt: Baukastenprinzip, geringe Fallhöhe.

Die Storyentwicklung wirkt wie aus dem Drehbuchseminar, Zweite Klasse, mehr Klischee, wenig beobachtet. „Cocktail“ ist, wie so viele seiner Zeitgenossen, ein ordentliches Musikvideo mit Überlänge: schöne Menschen, exotische Schauplätze, Knutschereien unterm Wasserfall, hippe New-Yorker-Künstlerszene, buntes Neon. Ab etwa Minute 10 kann man den weiteren Verlauf vorhersagen.

Wertung: 5 von 10 D-Mark
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