Kinoplakat: Magic Mike
American Dream of Life
als langer ruhiger Fluss
Titel Magic Mike
(Magic Mike)
Drehbuch Reid Carolin
Regie Steven Soderbergh, USA 2012
Darsteller

Channing Tatum, Alex Pettyfer, Cody Horn, Matthew McConaughey, Olivia Munn, James Martin Kelly, Reid Carolin, Avery Camp, George A. Sack, Micaela Johnson, Denise Vasi, Camryn Grimes, Kate Easton, Asher Wallis, Joe Manganiello u.a.

Genre Komödie, Drama
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
16. August 2012
Inhalt

Schnelle Autos, ein luxuriöses Apartment und verfolgt von einer ganzen Schar hübscher Frauen – kein Wunder, dass der 19-jährige Adam von Mike ziemlich beeindruckt ist. Das Geheimnis dessen Erfolgs ist schnell gelüftet: Als erfolgreicher Stripper verdient er sich als Magic Mike im „Xquisite“, dem heißesten Club der Stadt, eine goldene Nase.

Kinoplakat: Magic Mike

Mike nimmt den unerfahrenen Adam unter seine Fittiche und lehrt ihn als The Kid die besten Dancemoves, die Kunst der Verführung auf der Bühne und die Kunst des Sich-Durchsetzens hinter der Bühne, unter anderem gegen den berühmt berüchtigten Clubbesitzer Dallas. Doch auch Mike profitiert von seinem Zögling, als er dessen Schwester Brooke kennenlernt und sie ziemlich gut findet.

Während Adam schnell dazulernt und sich immer mehr für sein Leben als Stripper begeistert, erwägt Mike seinen Rückzug …

Was zu sagen wäre

Der American Way of Life hat viele Gesichter, manchmal bist du Dachdecker und Stripper, um Deinen Traum zu erfüllen, selbst gestaltete Designmöbel zu verkaufen. Stephen Soderberg (Haywire – Trau' keinem – 2011;Contagion – 2011; „Der Informant!“ – 2009; „The Good German“ – 2006; Solaris – 2002; Ocean's Eleven – 2001; Traffic – Die Macht des Kartells – 2000; Erin Brockovich – 2000; Out of Sight – 1998) erzählt diese Du-kannst-es-schaffen-Geschichte mit leichter Hand. Sein Film fließt und eh Du im Kinosessel vor einem Problem, na sagen wir, davonlaufen wolltest, ist es auch schon eingenordet und verarbeitet.

Soderbergh entwickelt eine unglaublich effiziente Art des Erzählens, schafft eine Atmosphäre, in der ich die ganze Zeit gerne zuschaue – Musik, Bilder, Dialog, Sound … alles fließt nahtlos ineinander: 100 Minuten lang erlebe ich einen rhythmisch fließenden Film mit schönen Menschen, existenziellen Dramen und einer Prise Sex, aber ich habe nie den Eindruck, langweilig bekannte Hürden nehmen zu müssen, weil die nun einmal dazu gehören. Im Gegenteil: Soderbergh kennt die Erwartung des Publikums im Kinosessel sehr genau; und spielt mit ihnen. Was die Leute da unten schon wissen, das muss er ihnen nicht mehr weich kauen. Er kann es als bekannt voraussetzen und seine Story vorantreiben. Soderbergh bleibt der King of Cool.

Codie Horn ist Brooke in Magic Mike

Ist er sexistisch? Weil er vermeintlich den Frauen nackte Muskelmänner zum Gucken gibt? Von mir aus. Mir gibt er Cody Horn zum Gucken, die Brooke, die Schwester des neuen Strippers The Kid spielt. Soderbergh weiß genau, was er tut und mit welchen Gesichtern (nicht Charakteren) er seinen Stripper-Film besetzen muss.

In Channing Tatum hat er einen überraschend klaren, nachvollziehbaren Großer-Bruder-Helden gefunden (21 Jump Street – 2012; Für immer Liebe – 2012; Haywire – Trau' keinem – 2011); in Cody Horn findet er ein Gesicht, an dem alle Jungs im Kinosaal kleben. Wunderbar, Menschen bei der Arbeit zuzusehen, die ihr Filmhandwerk so kompromisslos gut verstehen.

Auch Matthew McConaughey, stets verlacht als „The Body“, gibt eine, ‘tschuldigung, extrem gute Figur ab. Sein schmieriger Dallas, der in dieser Wildnis in der Nahrungskette weit oben steht, ist wunderbar eklig. Er ist eines der vielen Mosaiksteinchen, die Soderbergh nutzt, um dem Publikum Vertrautes neu zu erzählen.

Ein anderer Mosaikstein ist Olivia Munn, die eine On-Off-Bettbeziehung zu Mike unterhält und nebenbei dessen gesellschaftliche Stellung deutlich macht. Der Titelheld, die Hauptfigur dieses Films, ist ein Stricher, den die normale Welt hier draußen als Toyboy schätzt – dem man aber keine Gefühle zubilligt. Da ist er gar nicht weit weg von seinem nahen Verwandten, dem American Gigolo (1980).

Freud und Leid liegen in diesem wunderbar leichtfüßigen Film nah beieinander …

 
Wertung: 6 von 8 €uro