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Plakatmotiv (US): The Phantom (1996)

Ein buntes Dschungelabenteuer
mit lila Maske statt Fedora-Hut

Titel Das Phantom
(The Phantom)
Drehbuch Jeffrey Boam
mit Charakteren aus den Comics von Lee Falk
Regie Simon Wincer, Australien, USA 1996
Darsteller

Billy Zane, Kristy Swanson, Treat Williams, Catherine Zeta-Jones, James Remar, Cary-Hiroyuki Tagawa, Bill Smitrovich, Casey Siemaszko, David Proval, Joseph Ragno, Samantha Eggar, Jon Tenney, Patrick McGoohan, Robert Coleby, Al Ruscio u.a.

Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
20. April 1998 (Videopremiere)
Inhalt

Vor langer Zeit im 16. Jahrhundert wurde ein Handelsschiff von Piraten der Singh-Bruderschaft und dessen Anführer, dem Bösen Kabai Singh, überfallen. Ein kleiner Junge musste hilflos mitansehen, wie sein Vater und die gesamte Mannschaft getötet wurde. Er sprang über Bord und wurde auf der Insel Bengalla an Land gespült. Dort traf er auf den Stamm der Touganda, die ihm in einer Zeremonie einen Ring in der Form eines Totenkopfes überreichten. Der Junge verstand, dass er auserwählt war, den Tod seines Vaters zu rächen, indem er Piraterie, Gier und Grausamkeit in allen Formen bekämpft. Als der Junge zum Mann geworden war, wurde er Das Phantom.

Der auch als „Der wandelnde Geist“ bekannte maskierte Rächer wird geachtet und gefürchtet, da er nun schon seit Jahrhunderten für die Gerechtigkeit kämpft und also als unsterblich gilt. Tatsächlich übernahmen jedoch seit Generationen die männlichen Nachkommen der Familie Walker die geheime Identität des Phantoms. Im 20. Jahrhundert verkörpert nun Kit Walker den wandelnden Geist. Er lebt in einer Höhle auf der Insel mit seinem treuen Diener Guran und seinem Wolfshund Devil.

Im Bengalla-Dschungel des Jahres 1938 sind vier Männer um den Verbrecher Quill auf der Suche nach einem silbernen Schädel. Sie zwingen einen kleinen einheimischen Jungen, ihnen als Führer zu dienen. Dem Phantom gelingt es, den Jungen zu befreien und die Begleiter Quills an die Jungle Patrol zu übergeben. Quill jedoch gelingt es, sich mit dem Schädel in die USA abzusetzen, wo er den Schädel an den zwielichtigen Geschäftsmann Xander Drax übergibt. Dieser sucht seit einiger Zeit nach den drei Schädeln von Touganda: einer aus Silber, einer aus Gold und einer aus Jade. Der Legende nach entfalten sie, wenn sie zusammenkommen, eine unvorstellbare Macht.

Drax’ Suche ist dem Zeitungsverleger Dave Palmer aufgefallen. Diesem fällt ein Symbol in Form eines Spinnennetzes in die Hände, das er jedoch nicht deuten kann. Er schickt seine Nichte Diana nach Bengalla, um sich dort mit Captain Horton von der Jungle Patrol zu treffen und mehr darüber zu erfahren. Dianas Flugzeug wird von zwei Jagdflugzeugen zur Landung gezwungen und sie selbst wird entführt. Als sie unter Deck eines Frachtschiffs von Quill und der Pilotin Sala verhört werden soll, taucht das Phantom auf und befreit Diana. Bei einer abenteuerlichen Flucht schaffen sie es, sich per Flugzeug und zu Pferd ihrer Verfolger zu entledigen. Zurück in der Totenkopfhöhle erfährt er, wer hinter den Ereignissen steckt. Diana zeigt ihm das Spinnennetzsymbol, das er als das Kennzeichen seiner Erzfeinde identifiziert: die Singh-Bruderschaft …

Was zu sagen wäre

Ein schöner Abenteuerfilm nach Indiana Jones-Muster – Dschungel, alte Geheimnisse, kostbare Schätze und ein Typ, der sich mittels des Schatzes die Weltherrschaft greifen will. Sein Gegenspieler trägt keinen Hut sondern ein lila Kostüm und ist selbst so eine Art Legende. Seit 400 Jahren unsterblich.

Kit Walker ist als Bekämpfer von Piraterie, Gier und Grausamkeit in guter Gesellschaft. Nur besonders originell ist er nicht. Und Der Mann, der ihn hier spielt, ist ähnlich unoriginell. Billy Zane im lila Dress stakst steif durch diesen Film und wenn er es mal zur Seite legt, bleibt der ölige Charme eines Mannes mit pomadisiertem Scheitel. Da strahlt null Personality von der Leinwand, seine Partnerin Kristy Swanson kann einem beinah leid tun, irgendwie Gefühle für diesen Plastikmann zu spielen. Billy Zane bleibt da der Vorlage treu und ist zweidimensionale Comicfigur. Originell an ihm ist sein Kostüm: lila im Dschungel, der vor allem Grün und Braun gefärbt ist, da steht der Faktor Tarnung zumindest nicht an erster Stelle. "Phantom", ausgestattet mit zwei übergroßen Handfeuerwaffen, sah sich weniger als Tarzan mit Maske, eher als Actiondetektiv, der bei Mondlicht auf Streife geht – und da ist das lila nicht die schlechteste Wahl. 

Und um der Ehre Genüge zu tun: Die Handlanger, die in Hut und Nadelstreifen durch den Dschungel laufen, sind ähnlich originell kostümiert. Schauspielerisch der Tiefpunkt ist dann der Auftritt von Cary-Hiroyuki Tagawa, der Phantoms Erzfeind, den Großen Kabai Sengh spielt. Tagawa wird nie als Oscar-Kandidat besetzt, er spielt Killer, Verschwörer und andere Gangmitglieder (Die Wiege der Sonne – 1993; James Bond 007 – Lizenz zum Töten – 1989). Da hat er häufig auch nicht viel zu sprechen. Hier hat er viel Text und presst jedes einzelne Wort zwischen den Lippen hervor, dass es beim Zuschauen graust.

Bunt ist die Action im Film. Da wird herzhaft geprügelt und (daneben) geschossen, da springen Held und seine Herzdame aus einem Doppeldecker auf einen galoppierenden Schimmel und wenn der Held schließlich aus seinem Heimatdschungel versetzt wird in den Dschungel der Großstadt, dann galoppiert er auch da hoch zu Ross die 5th Avenue hinunter. Der Spannungsbogen insgesamt bleibt flach, der Ausgang der Totenschädelhatz steht nie in Frage, und die Spannungsbögelchen von Szene zu Szene sind so verspielt, wie einst die Cliffhan Ger in den Abenteuerserien im Kino: Wenn das Phantom im Fahrstuhlschacht an zwei Fingern häng und von oben der Fahrstuhl heruntersaust, ist immer klar, Phantom schafft es in letzter Sekunde. Das ist nicht hyperspannend. Aber unterhaltsam anzuschauen.

Wertung: 5 von 11 D-Mark
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