Seiner niederen Herkunft zum Trotz träumt William Thatcher davon, einmal an einem großen Ritterturnier teilnehmen zu können. Blöderweise befinden wir uns im 14. Jahrhundert, in dem es nur Männern von edlem Geblüt gestattet war, den vornehmsten aller Wettkämpfe zu bestreiten.
Doch als William eines Tages unverhofft in den Besitz einer Rüstung gelangt, fordert er sein Schicksal heraus. Hoch zu Ross macht er sich auf, die Welt zu verändern und den Lauf der Sterne zu beeinflussen. Unter falschem Namen legt William auf dem Turnier-Parcours eine aufsehenerregende Siegesserie hin und avanciert als Ulrich von Lichtenstein zu einem Superstar seiner Zeit, der nicht nur das Herz der noblen Lady Jocelyn erobert, sondern auch die Massen begeistert.
Dennoch muss William bald einsehen, dass es gar nicht so einfach ist, seinen vorherbestimmten Bahnen zu entkommen …
Das Kino hat schon viele Häutungen und Veränderungen durchgemacht. Sie waren immer nach oben gerichtet. Vom Stummfilm zum Tonfilm zum Farbfilm zum Cinemascopefilm gegen das Aufkommen des kleinen Fernsehens zu allerlei Großbildereignissen mit immer noch neuerer Tonqualität. Jetzt tritt das Kino einen Schritt zurück und vermählt sich mit der Musikvideobranche: Hollywood meets MTV. Wobei MTV als Abspielstation für Musikvideos auf ähnlich verblassendem Terrain agiert wie der ehrbare Herr Ritter, der für seine Prinzessin gegen Drachen in den Kampf zieht. Der Ritter im heutigen Kino ist ein Star seines Sports. Er reist von Turnier zu Turnier, sammelt goldene Kelche, Statuetten und anderes ein, lässt es einschmelzen und bestreitet davon seinen Lebensunterhalt und den seiner Helfer.
Super Bowl im Mittelalter mit PR-Berater
Drehbuchautor und Regisseur Brian Helgeland (Payback – Zahltag – 1999; L.A. Confidential – 1997) definiert mit "A Knight's Tale" ein neues Genre: Den "Ritter meets Rock'n'Roll"-Film. Die Karriere des jungen William von Sieg zu Sieg wird in der Tradition großer Sportlerfilme erzählt mit einer Art Super Bowl des Lanzenreitens in London. Darin übernimmt Geoffrey Chaucer, den William nackt auf der Straße aufgelesen hat, die Rolle eines mittelalterlichen PR-Managers, der den Leuten in der Arena haarsträubende Heldengeschichten über seinen Herrn auftischt, die den im Umkreis eben jener Arenen zu einem frühen Superstar der Menschheitsgeschichte macht.
Das Publikum der insgesamt 27 Ritter-Wettkämpfe klatscht den Takt zum dröhnenden Queen-Hit "We will rock you". Helgeland ist es wurst, ob die Musik zur erzählten Zeit passt – diese Zeit wird nicht näher definiert, lässt sich aber aufgrund von Dialogen im Film als nach 1343, vor 1376 einschränken. Die Härten und Beschwerlichkeit von Williams Ausbildung werden von "Low Rider" von War begleitet. Bachman-Turner-Overdrives "Takin' Care of Business" ertönt, als William sich als wahrer Anführer und echter Freund erweist. David Bowies "Golden Years" erinnert das Publikum daran, dass die erste Liebe ein magisches Erlebnis ist – egal in welchem Jahrhundert man sie erlebt. "Get Ready" von Rare Earth unterstützt William dabei, für die launische Jocelyn alles zu riskieren. Und ihren großen Einmarsch in London, wo der Super Bowl der Ritterturniere stattfindet, haben William und seine Gang zum Sound von "The Boys are back in town" von Thin Lizzy.
Brian Helgeland sagt: „Wir versuchen nicht, die Sequenzen einfach beliebig mit Popsongs zu bestücken. All die modernen Anspielungen, vor allem die Musik, sollen sich organisch in den Film fügen.“
In seiner historischen Fehlerhaftigkeit der richtige Film für den Geschichtsunterricht
Geschichtslehrer sollten aufhorchen und überlegen, ob es sich wirklich lohnt, ob der geschichtsklitternden Verwahrlosung dieses Films einen Bann über ihn auszusprechen. Die Zielgruppe von "A Knight's Tale" sind genau seine Schüler, die im Unterricht gelangweilt mit dem Kuli spielen, während er vorne brotlos versucht, das Rittertum zu erklären, wohl wissend, dass die großen Ritterfilme Hollywoods (Ivanhoe – Der schwarze Ritter – 1952; Die Ritter der Tafelrunde – 1953; "Liebe, Tod und Teufel" – 1955) als mediale Unterstützung nicht mehr taugen, weil sie so lange zurück liegen, dass die Schüler bei deren Aufscheinen in den sofortigen Tiefschlaf verfallen. Im vorliegenden Film kommt ihm die MTV-Ästhetik entgegen: Musik dominiert Bild, die Schüler wachen auf und stellen Fragen zu jener Zeit. Die der Geschichtslehrer dann nutzen kann, um ausführlich Korrekturen am historischen Bild anzusetzen.
Frauen beispielsweise bewegen sich durch diese mittelalterliche Filmkulisse, als seien sie damals gleichberechtigtes Geschlecht gewesen. Sie sind schlagfertig, handwerklich geschickt und zufällig auch noch schön. So war es natürlich nicht, aber das lässt sich in einem Film an der Schwelle zum 21. Jahrhundert ja nicht mehr verkaufen. Auch William sagt im Frust, Frauen seien zu nichts zu gebrauchen, die Männer hätten schließlich die wichtigen Aufgaben zu erledigen, weshalb sich die Frauen nach den Männern richten müssten und nicht umgekehrt. Es ist dann einer der Spannungsbögen des Films, dass William eines romantisch Besseren belehrt wird, indem er auf die Härte seiner Lanze zugunsten schöner Dichterworte verzichten soll. Ihm gegenüber übernimmt Rufus Sewell (Dark City – 1998) als Graf Adhemar die Rolle des damals schon ewig gestrigen Chauvinisten. Für ihn sind Siegestrophäen und Pferde mehr wert als Frauen – und Siege in Ritterspielen mehr wert als Siege in echten Schlachten, in denen er zum Ruhme nur der Anderen zu kämpfen hat. Ähnlichkeiten mit dem Schulhofbully oder mit dem berüchtigten Büroschläfer, der erst in der Konferenz laut auf sich aufmerksam macht, drängen sich auf.
Ein Jungsfilm mit schönen Burgfräulein und Rock ’n Roll
Trotz des für Mädchen angeblichen so interessanten Film-Beaus Heath Ledger (Der Patriot – 2000; 10 Dinge, die ich an dir hasse – 1999) ist "A Knight's Tale" ein typischer Jungsfilm: Ritter, schöne Burgfräuleins und schurkisches Gemüt. Weil Ledger die Position des Leading Man noch nicht ausfüllt, hat man ihm mit Mark Addy ("The Full Monty"), Paul Bettany ("Gangster No. 1") und Alan Tudyk ("28 Tage") ausgesuchte Charakterköpfe an die Seite gestellt. Die sorgen für lockere Sprüche, Situationskomik und emotionale Unterstützung, während der blonde Held genug damit zu tun hat, zu lernen, wie man mit einer Frau umgeht.
Das Rahmen bildende Drama drumrum – wird die wahre Identität des Recken aufgedeckt, wird er Count Adhemar bezwingen können? – erledigt sich beizeiten von selbst. Irgendwann sitzt der Held ganz der Richtlinien eines Dramas folgend, so tief in der Patsche, dass auch die originellsten Sprüche der Knappen und die schönsten Tränen der Geliebten nicht mehr helfen. Da springt aber, beinahe wie Kai aus der Kiste, der rettende Mann aus den Kulissen, der Thronfolger himself, der im Film weiter vorne mal eine kleine Szene hatte, die so auffällig war, als würde sie schreien, Ich werde nochmal wichtig, ich komme wieder! Es ist eindeutig nicht Helgelands Ziel, einen spannenden Historienfilm vorzulegen. Ein großes, buntes Musikvideo aber hat er geschafft.
Die schöne Shannyn und ihre noch schönere Zofe
Das erste Mal ihr Gesicht vor die Spielfilmkamera hält Shannyn Sossamon als Love Interest Jocelyn. Angeblich ist sie einer Besetzungsagentin bei einer Party von Gwyneth und Jake Paltrow aufgefallen und hat dann beim Casting alle anderen, namhafteren Schauspielerinnen ausgestochen. Die erste tragende Rolle hatte Sossamon ein Jahr nach den Rittern, 2002 neben Josh Hartnett in "40 Tage und 40 Nächte". Neben ihr als Zofe steht aufreizend charmant Bérénice Bejo. Bejo wird zehn Jahre später, 2011, für einen Oscar nominiert für ihre Nebenrolle in dem französischen Stummfilm The Artist.
