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Plakatmotiv: Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)

Eigenwillig geschnitten,
visuell verrätselt erzählt

Titel Wenn die Gondeln Trauer tragen
(Don't look now)
Drehbuch Allan Scott + Chris Bryant
nach einer Erzählung von Daphne du Maurier
Regie Nicolas Roeg, UK, Italien 1973
Darsteller

Julie Christie, Donald Sutherland, Hilary Mason, Clelia Matania, Massimo Serato, Renato Scarpa, Giorgio Trestini, Leopoldo Trieste, David Tree, Ann Rye, Nicholas Salter, Sharon Williams, Bruno Cattaneo, Adelina Poerio u.a.

Genre Drama, Horror
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
29. August 1974
Inhalt

Nachdem ihre geliebte Tochter Christine in einem Teich ihres englischen Landsitzes ertrank, kommen der Restaurator John Baxter und seine Frau Laura nach Venedig. Hier leitet John die Restaurierung der Kirche San Nicolò dei Mendicoli, beider Sohn Johnny bleibt in England auf einer Internatsschule.

Plakatmotiv (UK): Don't look now – Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)In einem Restaurant lernen sie die Schwestern Wendy und Heather kennen. Heather ist blind und erkennt tiefe Trauer in Laura und sagt, ohne darauf hingewiesen worden zu sein, Lauras Tochter sei sei um Laura herum und glücklich, und sie trage einen glänzenden roten Mantel –einen solchen hatte Christine getragen, als sie ertrank. Heather hat augenscheinlich das zweite Gesicht.

Die unverhofften Informationen helfen Laura in der Trauer über den Verlust des Kindes. Heather vermutet, dass auch John die Begabung der Vorausschau hat. Während Laura weiterhin den Kontakt zu den Frauen sucht, steht John ihnen skeptisch gegenüber und lehnt die Parapsychologie ab. Beim Besuch Lauras bei den beiden Schwestern verfällt Heather in eine Trance. Aus diesem Zustand heraus prophezeit sie ein Unglück, sollte sich John weiterhin in Venedig aufhalten.

Als der Sohn der Baxters im Internat einen Unfall erleidet, reist Laura am nächsten Morgen zu ihm. Am selben Tag sieht John in Venedig auf dem Kanal Laura in Trauerkleidung und in Begleitung der Schwestern auf einer Trauergondel vorüberfahren …

Was zu sagen wäre

Ein Film für den zweiten Blick. Ein Film, der beim ersten Blick eher mit langweilig oder wirr beschrieben werden kann, der erst beim zweiten Hinschauen Muster erkennen lässt. Auf den ersten Blick handelt er von einem Ehepaar, das ein Kind verliert, dann in Venedig eine Kirche restauriert, irren Sex hat in eine bemerkenswert geschnittenen Sequenz hat, und schließlich ein Schwestern kennenlernt, von denen eine blind ist und voraussagt, dass Ehemann John in Venedig den Tot findet. Der Rest des Films handelt davon wie Laura aus Venedig weg möchte und John den „Hokuspokus“ nicht glaubt, aber immer wieder einen kleinen Menschen in rotem Umhang sieht.

Plakatmotiv (UK, Wiederaufführung): Don't look now – Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)Auf den zweiten Blick handelt der eigenwillig montierte Film von Visionen, vom zweiten Gesicht. Denn tatsächlich hat auch John diese Gabe, ohne es zu ahnen. Erst im Finale versteht er – und verstehen wir – dass er sein Schicksal in Vorahnungen vorweg gesehen hat. Dafür, dass der Film nicht mit einer komplexen äußeren Handlung anstrengt, erwartet er von seinem Zuschauer erhöhte Aufmerksamkeit bei den Bildern.

Wir sehen Julie Christie ("McCabe & Mrs. Miller" – 1971; Fahrenheit 451 – 1966; "Doktor Schiwago" – 1965) und Donald Sutherland durch Venedig gondeln oder gehen und verfallen dem morbiden Charme der Stadt, an der jede Ecke an den Tod gemahnt. Todesfratzen an steinernen Göttern, Ratten, jene Vorboten des Todes, im Kanal, ein Lineal, das aussieht, wie das Kreuz auf Golgatha, Leichen werden aus dem Kanal geborgen und jede Menge schwarze Schlagschatten; als Laura einmal Venedig verlässt, sieht das aus, als reise sie ans Licht zurück, hinaus aus der Dunkelheit der todgeweihten Stadt.

Die Autorin der Vorlage ist die britische Schriftstellerin Daphne du Maurier, die Kinogänger womöglich kennen, weil drei ihrer Geschichten Alfred Hitchcock verfilmt hat ("Jamaica Inn" – 1939; Rebecca – 1940 und Die Vögel – 1963). Ihre Geschichten erzählen vordergründig Abenteuer und Romanzen, zeichnen sich aber durch Spannung und psychologische Tiefe aus. Zu ihrer Zeit (1907 – 1989) galten sie als melodramatisch. Hitchcock hat das wohl erkannt und aus seinen Verfilmungen spannende oder gruslige Suspense-Stücke gemacht. Nicolas Roeg tut das nicht.

Seine eigenwillige Schnittarbeit bei "Don't look now" lässt zwar aufmerken und interessiert hinschauen, sie fesselt aber nicht. In den ersten Wochen nach Erscheinen des Films sprechen die Zuschauer auch eher über die explizit geschilderte Sexszene mit Christie und Sutherland ("Klute" – 1971; Stoßtrupp Gold – 1970; M.A.S.H. – 1970; Das dreckige Dutzend – 1967), von der medial kolportiert wurde, die sei gar nicht gespielt. Roeg schneidet sie mit Bildern gegen, in denen wir den beiden beim Ankleiden nach dem Sex zuschauen, bevor sie zum Abendessen das Hotel verlassen. Es sagt was über den als Psychothriller gehandelten Film, wenn im Anschluss vor allem die interessante Montage einer Sexszene in Erinnerung bleibt.

Wertung: 5 von 8 D-Mark
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