Der zu lebenslanger Haft verurteilte Rain Murphy verbringt seine Tage im Zuchthaus in einer sich selbst auferlegten Isolation. Seine einzige Aktivität beschränkt sich auf das Laufen. Der Gefängnispsychologe Janowski entdeckt, dass Murphy einer der schnellsten Läufer der Welt zu sein scheint.
Diese Entdeckung veranlasst ihn, sich beim Gefängnisdirektor für Murphy einzusetzen, damit dieser an Laufwettbewerben teilnehmen kann. Erst nach dem Tod eines Freundes erwacht Murphy aus seiner Lethargie und nimmt das Angebot, bei Wettkämpfen zu starten, an.
Bald glaubt das ganze Gefängnis, dass Murphy eine Chance hat, bei den Olympischen Spielen anzutreten. So fängt Murphy langsam an, die Teilnahme an den Olympischen Spielen vor Augen, die Mauern einzureißen, die er um sich herum errichtet hat …
Eine in viele Einzelteile zersplitterte Gesellschaft findet durch einen Mann wieder zusammen, der ihnen Hoffnung gibt, Abwechslung, Aufregung bietet.
Dieser Gefängnisfilm von Regisseur Michael Mann ist in den USA fürs Fernsehen produziert worden, ein Erbauungsstück mit harten, in ethnischen Banden organisierten Männern mit großen Muskeln und einem Einzelgänger.
Viel erfahren wir über diesen Rain Murphy nicht. Er hat seinen Vater erschossen, als der seine Stiefschwester verprügelte „und er einfach nicht damit aufhörte. Jemand musste doch etwas tun“. Seine Zelle ist schmucklos. Wo seine Zellennachbarn die Wände mit Fotos von Familie, schmückenden Ornamenten und Heiligenbilder zugepflastert haben, ist Murphys Zelle kahl. Peter Strauss (Der letzte Tycoon – 1976; Das Wiegenlied vom Totschlag – 1970) spielt Murphy als wortkargen, sich nur aufs Laufen konzentrierenden Mann. Kontakt zu anderen Häftlingen meidet er, nur mit seinem direkten Zellennachbarn, dem Afroamerikaner Stiles, der von nichts anderem redet als von seiner Sehnsucht zu Frau und Tochter, pflegt er sowas ähnliches wie eine Freundschaft.
Murphy steht den anderen Häftlingen bei deren Geschäften nicht im Weg, also lassen die ihn in Ruhe seinen Bahnen auf dem Gefängnishof laufen. Aber die Gefängnisleitung interessiert sich. Weil Murphy schneller läuft als die meisten Leichtathleten, erhoffen sie sich Reputation für die eigene Strafanstalt, aber auch die Chance, dass Murphy seine Isolation durchbricht.
Der Film folgt dem Sturkopf-Modell: Der Einzelgänger will keine Wettbewerbe laufen, erst, als sein Freund ermordet wird, erklärt er sich bereit, muss aber gleichzeitig auch den Mord an seinem Zellennachbarn rächen. Das bringt ihn in Konflikt mit den ethnisch organisierten Banden auf dem Gefängnishof, die ihm ordentlich zusetzen. Aber Sturkopf Murphy steckt ein, hält durch, zeigt, dass er für seine Anliegen, seine Freunde kämpft. Und plötzlich ist ihm der Respekt der starken Männer gewiss. Plötzlich steht der Außenseiter im Zentrum, alle arbeiten für ihn, seien ihr Essen mit ihm, bauen ihm eine für die nationalen Ausscheidungskämpfe wichtige Laufbahn in den Gefängnishof. Und dann sind es die ehrenwerten Männer des Olympiakomitees, die Murphy den Antritt bei den Spielen verweigern, weil sie in ihrem sauberen Sport keinen Strafgefangenen haben möchten.
"The Jericho Mile" ist ein ruhig inszeniertes Drama, das viel Zeit mit dem Beobachten der kontemplativen Läufe Murphys verbringt, einen interessanten Blick hinter die Mauern moderner Staatsgefängnisse wirft – der Film wurde unter anderem vor Ort im Folson County Gefängnis gedreht – in seiner Vorhersehbarkeit aber lahm erzählt ist.
