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Kinoplakat: James Bond 007 – Der Spion, der mich liebte

Mit Curd Jürgens schafft
Roger Moore den Durchbruch

Titel James Bond 007 – Der Spion, der mich liebte
(The Spy who loved Me)
Drehbuch Christopher Wood + Richard Maibaum
nach Motiven und mit Charakteren von Ian Fleming
Regie Lewis Gilbert, UK 1974
Darsteller Roger Moore, Barbara Bach, Curd Jürgens, Richard Kiel, Caroline Munro, Walter Gotell, Geoffrey Keen, Bernard Lee, George Baker, Michael Billington, Olga Bisera, Desmond Llewelyn, Edward de Souza, Vernon Dobtcheff, Valerie Leon u.a.
Genre Thriller, Action
Filmlänge 125 Minuten
Deutschlandstart
25. August 1977
Website 007.com
Inhalt

Ein britisches U-Boot der Polaris-Flotte ist spurlos verschwunden und alle taktischen Atomwaffen an Bord mit ihm. Die Spur führt James Bond nach Kairo und nach Sardinien.

Doch anders als sonst, bereiten ihm nicht nur die Schurken Probleme. Vielmehr sieht sich 007 zum ersten Mal in einer Konkurrenzsituation: er muss sich mit einem weiteren Agenten messen. Einem russischen, weiblichen und sehr attraktiven noch dazu. Als erschwerender Klotz zwischen ihnen steht die Tatsache, dass Bond bei einem früheren einsatz den Geliebten seiner sowjetischen Partnerin getötet hat und diese nun schwört, Bond nach abschluss der Mission ihrerseits zu töten.

Die Spur der Mission führt zum größenwahnsinnigen Schiffsmagnaten Stromberg, der die Menschheit ausrotten und gleichzeitig dazu zwingen will, unter Wasser neu anzufangen. Und er hat mächtige Helfer. Allen voran Beißer, ein riesigen Killer mit Stahlgebiss …

Was zu sagen wäre

007

Zweieinhalb Jahre sind vergangen nach Roger Moores zweitem Doppel-Null-Auftritt. Das ist eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass die Bond-Abenteuer bislang nahezu im Jahrestakt in die Kino gekommen sind. Die Produzenten hatten sich ein Brainstorming verordnet, nachdem Der Mann mit dem Goldenen Colt Film-und Stunt-technisch zwar Erster unter tausend war, inhaltlich aber die Massen nicht in die Kinos zog.

Curd Jürgens ist ein großartiger Schurke

In „The Spy, who loved Me“ setzt man wieder auf die alte Tradition: Ein Oberschurke will die Welt verändern, indem er die Atommächte gegeneinander ausspielt; er lebt und arbeitet in imposanter Ken-Adam-Umgebung – und wird von einem Deutschen gespielt; Curt Jürgens gibt mit Brummbass und rollendem R einen diabolisch arroganten Stromberg, ganz das Gegenteil seines Landsmannes, des hibbeligen Gerd-Goldfinger-Fröbe und deshalb besonders bedrohlich. Von Ian Fleming freilich kommt nur der Titel des Films.

Mit seinem Roman war Fleming nicht zufrieden und hatte bestimmt, dass lediglich der Titel für einen Film benutzt werden dürfe, nicht jedoch Teile der Handlung. Nachdem sich viele Autoren an einem Filmscript versucht hatten, war es schließlich der Bond-beschlagene Richard Maibaum, der ein Drehbuch entwarf, das von einer Gruppe Terroristen handelte, die durch die Absetzung Blofelds und Übernahme der Organisation SPECTRE eine neue Weltordnung erschaffen wollen. Albert Broccoli lehnte das ab; das war ihm zu politisch. Die Endfassung, nach der dann gefilmt wurde, entwickelte Christopher Wood, den Regisseur Lewis Gilbert ins Spiel gebracht hatte.

Roger Moore festigt seinen Status

„The Spy who loved Me“ festigt Roger Moore in der Rolle des 007, die Serie hat sich auf ihren neuen Titelhelden eingestellt. Nie zuvor waren die Gadgets so im Vordergrund, wie hier. Der Spruch auf dem Plakat ist Programm: „1.000 neue Gags – 10.000 PS-Tempo – 100.000 Volt Spannung“. Moores dritter Bond hat von der Grundstory her gewisse Ähnlichkeiten mit Man lebt nur zweimal (auch unter der Regie von Lewis Gilbert), dazu allerdings eine Fülle neuer Einfälle und die Lust, sich selbst zu übertreffen. „The Spy …“ ist die perfekte Symbiose aus Roger Moore und James Bond. Hier sind beide Eins. Die Haciendas des Schurken, entworfen von Kulissen-Legende Ken Adam, waren selten größer und bizarrer. Die Handlung ist over the edge. Sie basiert auf dem Wahnsinn eines Superreichen, der die Welt verbessern will; nie sagt er, er wolle die Welt beherrschen, nur verbessern – nach seinem Blick verbessern allerdings, das moralisch ummantelte Wort für herrschen. Aber dieser hier möchte tatsächlich über Fische, Wale und Muscheln herrschen; der Wahnsinn erst macht solche Figuen für das Bondfranchise interessant.

Und auf dem Höhepunkt diese Tauwetters zwischen Ost und West – wann arbeiten schon mal Agenten des KGB und des British Secret Service zusammen? – wenn aus der gleichberechtigten Frau mit Agenten- und kann-James-Bond-das-Wasser-reichen-Status wieder das wimmernde aus der Haft des Drachen zu befreiende Prinzesschen geworden ist, darf James Bond, wie der Prinz auf weißem Pferde, auf einem Wassermotorschlitten (weiß) zum Showdown reiten. Klar, dass da alle weiteren Tötungsabsichten weiblicher Beteiligter dahinschmelzen wie Butter in der Sonne.

Wertung: 9 von 9 D-Mark
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