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Plakatmotiv: Barbarian (2022)

Ein raffiniertes Gruselstück, das
den Erwartungen zuwider läuft

Titel Barbarian
(Barbarian)
Drehbuch Zach Cregger
Regie Zach Cregger, USA, Bulgarien 2022
Darsteller

Georgina Campbell, Bill Skarsgård, Matthew Patrick Davis, Richard Brake, Kurt Braunohler, Jaymes Butler, Sophie Sörensen, Rachel Fowler, JR Esposito, Kate Nichols, Kate Bosworth, Brooke Dillman, Sara Paxton, Will Greenberg, Derek Morse, Trevor Van Uden, Zach Cregger u.a.

Genre Horror
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
28. Dezember 2022 (Streaming)
Inhalt

Eine Frau bucht für ein Vorstellungsgespräch eine Wohnung in Detroit. Doch als sie spät nachts ankommt, sieht sie, dass das Haus doppelt belegt ist und ein fremder Mann bereits dort wohnt.

Wider besseres Wissen beschließt sie, den Abend dort zu verbringen, stellt aber fest, dass es mehr zu befürchten gibt als nur einen unerwarteten Gast im Haus …

Was zu sagen wäre

Dieses düstere Grusel-Potpouri gehört in die Kategorie Vielleicht lieber nicht in einer Spätvorstellung gucken, wenn dann gegen 1 Uhr nachts der Heimweg zu Fuß noch lang ist.

Das Mulmige schleicht sich erst langsam ins Bild. Zunächst ist da nur der regnerische Abend, an dem unsere beiden einander fremden Hauptfiguren Tess und Keith feststellen, dass sie wohl die Nacht im selben gemieteten Haus verbringen sollen. Innen ist das Haus gewöhnlichster Durchschnitt. Einbauküche, ein Schlafzimmer, ein Sofa im Wohnzimmer, kaum Einrichtung – klassischer AirBnB-Standard. Während man noch überlegt, ob Tess einem leid tun müsse, allein mit dem ihr fremden Keith, da haben sich die beiden schon freundlich angenähert. Plakatmotiv (US): Barbarian (2022) Erst auf der Fahrt zu ihrem Vorstellungsgespräch am nächsten Tag erkennt Tess, dass ihr AirBnB in einer Gegend liegt, die aussieht, wie die Welt aus "The Walking Dead" im dritten Jahr – überwucherte, verfallene, ausgebrannte Einfamilienhäuser, die von schon lange ausgestorbenem Leben zeugen. Später fällt eine Kellertür zu und öffnet sich eine weitere, die ein Verließ mit vergammelter Matratze plus Videokamera offenbart.

Bis dahin haben wir uns im Kinosessel schon ein paar Reime auf das Ganze gemacht, die wir dann schnell wieder streichen mussten. Auch nach der Hälfte des Films, der bis hierhin ohne akustische oder visuelle Schockeffekte ausgekommen ist, lässt uns Autor und Regisseur Zach Cregger im Unklaren über das, was da ist … oder kommt. Er hatte für seinen Film irgendwas um die viereinhalb Millionen Dollar Produktionskosten zur Verfügung (also genau genommen Nichts), die er effektiv für seinen Zweck genutzt hat. Sein Zweck, diesen Film zu machen, war: Die Zuschauer zu ängstigen.

Nicht zu schocken. Nicht zu erschrecken. Nicht zu ekeln (na gut, vielleicht ein bisschen). Nicht kreischen zu lassen. Nein, er will, dass sie im Kinosessel oder dem heimischen Sofa Angst bekommen.

Cregger kehrt mit "Barbarian" zum Wesenskern des Horrorfilms zurück. Wörtlich übersetzt bedeutet Horror "Grauen" oder "Schaudern". Dafür führt er seine Zuschauer in einen Ort, an dem Menschen zuverlässig Angst empfinden: in die engen Gänge eines Kellers, in dem die Lampe kaputt ist. Und unter diesem Keller ist noch etwas, in dessen Schwärze steinerne Stufen führen. Vorbei die Zeiten, in denen das Grauen entstand, weil sich Hauptfiguren die eigenen Gliedmaßen absägen müssen, weil wohlproportionierte Studentinnen auf mit Hammer und Skalpell bewaffnete Gruselkerle stoßen. In "Barbarian" verlieren selbst abgebrühte Horrorfilmfans ihre fröhliche Selbstgewissheit, weil nicht passiert von dem, was sie erwarten.

Zach Cregger wechselt die Erzählperspektiven und bietet dem Ursprung des Schauderns mehr Raum. Da öffnet das klassische Gruselkabinett bald den Blick auf die Folgen groß angelegten Arbeitsplatzabbaus, auf menschliche Abgründe und Mitleid erregende Dramen. Während man als Zuschauer davor sitzt und sich kaum zu bewegen traut. Cregger erzählt mit ruhiger Kamera ohne effektheischende Schnitte. Pech (oder für den Gruselfan prickelndes Glück), dass die Kamera im schwarzen Keller halt nichts sieht.

Cregger hat mit seinem kleinen Meisterwerk in Sachen Filmhandwerk das Zehnfache der Produktionskosten wieder eingespielt. Das lässt vom sequelbegeisterten Hollywood das Schlimmste befürchten. Wobei im Fall eines Horrorfilms das Schlimmste bedeutet, dass der Schrecken in Fortsetzungen nur verwässert werden könnte.

Wertung: 6 von 8 €uro
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