Kriegssommer 1944. Bereits seit elf Jahren treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Kurz vor Kriegsende gelingt es dem ermittelnden Kommissar, den Täter, einen geistig zurückgeblieben Mann, zu überführen.
Zunächst soll der Prozess den Nazis dazu dienen, ein neues "Schandgesetz" zu begründen. Dann aber kommen Zweifel auf, ob es angesichts der prekären Lage im Land wirklich schlau wäre, den Bürgern in einem Aufsehen erregenden Gerichtsverfahren das Gefühl zu geben, die deutsche Polizei sei elf Jahre lang bei der Aufgabe gescheitert, einen debilen Mörder zu fassen. Also wird der Täter ohne Verfahren hingerichtet.
Nun muss jedoch ein anderer "Täter" her, der an Stelle des wahren Mörders der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Als der zuständige Kommissar Skrupel bekommt und die Wahrheit ans Licht bringen will, wird er degradiert und als Soldat an die Front geschickt …
Dies ist die Verfilmung einer wahren Geschichte, die sich Jahre später als eine unwahre Geschichte entpuppte. Drehbuch und Regie hatten aufgrund einer Artikelserie in der Zeitung und von Polizeiakten die Geschichte eines Massenmörders verfilmt mit dem Ziel, die das Unrechtssystem der Nationalsozialisten mit Paragraphen nach politischer Großwetterlage zu verdeutlichen.
Der junge Mario Adorf spielt den Serienmörder Bruno Lüdke; die Rolle verhilft ihm zum Durchbruch als Schauspieler. Lüdke ist polizeibekannt wegen lauter kleinerer Delikte, nach Paragraph 51 damals aber nicht schuldfähig. Adorf spielt ihn als in knappen Sätzen sprechendes Kraftpaket, das gern mit seinen Muskeln prahlt.
Dass dieser Lüdke nun zahlreiche Morde gesteht, für die zum Teil bereits andere Männer einsitzen, gefällt SS-Gruppenführer Rossdorf. Denn nach der nationalsozialistischen Rassentheorie gilt Lüdke als als minderwertig und Rossdorf sucht ein öffentlich abschreckendes Beispiel für die Richtigkeit dieser Rassenlehre. Ein solches Beispiel soll sein Anliegen untermauern, ein Gesetz zur Eugenik zu lancieren. Hannes Messemer spielt der SS-Gruppenführer als sarkastisch zischelnden Opportunisten, der in seiner Villa große Feste feiert und zwischendrin Todesurteile unterzeichnet. Ihm ist einzig wichtig, dass das Deutsche Reich gut und sauber dasteht. Wenn er dafür ein Gesetz verbiegen oder unterlaufen muss, soll ihm das recht sein. Als im klar wird, dass der Fall Lüdke weniger sein Eugenik-Gesetz fördern würde, sondern dem Reich schaden könnte – wie würde das aussehen für den einfachen Mann, wenn die Polizei elf Jahre lang einen geistesschwachen, debilen Mörder nicht besetzen kann? –, schickt er ohne zu zögern Unschuldige in die Todeszelle und lässt Lüdke hinterrücks und anonym töten.
Claus Holm fällt die vergleichsweise undankbare Rolle des Guten Gewissens zu. Er spielt den leicht verletzten Kommissar, der Lüdke auf die Spur kommt und auf Freiersfüßen wandelt. Er hat ein gutes Herz, träumt von Gerechtigkeit für Jedermann und übersieht, dass die Polizei in einem Unrechtsstaat keine unabhängige Funktion mehr bekleidet, sondern Erfüllungsgehilfe der Regierung ist.
Regisseur Robert Siodmak ("Die Ratten" – 1955; "Der rote Korsar" – 1952) erzählt in dunklen Bildern, die die Beklemmungen der Situation verdeutlichen, verzettelt sich aber auch in einer für ein Drama dieser Schwere im Kino wohl notwendigen Liebesgeschichte, die zu nichts führt, im Finale aber ein paar Drehbuchwendungen zu erklären hilft. Dem Nachkriegsgeborenen zeigt Siodmak deutlich auf, wie ein Unrechtsregime mit einer willfährigen Justiz eine Gesellschaft unterdrückt und im Zaum hält.
Knapp 40 Jahre nachdem der Film 1956 in die deutschen Kinos kam, verdeutlichten Forschungsergebnisse, dass Bruno Lüdke keineswegs der Massenmörder war, als der er über Jahrzehnte hingestellt worden war. Lüdke sei bewusst als Serienmörder aufgebaut worden und der Film entspreche nicht den Tatsachen. Der niederländische Hauptkommissar J. A. Blaauw legte 1994 dar, dass dem geistig behinderten Bruno Lüdke unaufgeklärte Morde in die Schuhe geschoben wurden. Er habe eine ganze Serie von Morden gestanden, wahrscheinlich auch solche, die nie stattgefunden hätten und die er erfunden habe. Bruno Lüdke habe möglicherweise nie jemanden ermordet.
Aufgrund der Forschungsergebnisse distanzierte Mario Adorf sich vom Film. 2020 sagte er, er „möchte mithelfen, dass dieser Mann rehabilitiert wird“. Mit Unterstützung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erreichte Adorf, dass zum Gedenken an Lüdke ein Stolperstein verlegt wurde. Dieser wurde am 28. August 2021 von Gunter Demnig in Anwesenheit von Adorf und Steinmeier vor Lüdkes Elternhaus in Berlin-Köpenick gesetzt.
