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Plakatmotiv: Herzen in Flammen aka Marokko (1930)

Ein Liebesdreieck zwischen
drei angehenden Weltstars

Titel Marokko
(Morocco)
Drehbuch Jules Furthman
nach dem Roman "Amy Jolly, die Frau aus Marrakesch" von Benno Vigny
Regie Josef von Sternberg, USA 1930
Darsteller

Gary Cooper, Marlene Dietrich, Adolphe Menjou, Ullrich Haupt, Eve Southern, Francis McDonald, Paul Porcasi, Louise Ali, Fay Allen, Allegretti Anderson, Daisy Boone, Emile Chautard, Juliette Compton, Albert Conti, Hazel Cox, Edith Crain, Thomas A. Curran, Lucille Forby u.a.

Genre Drama, Romanze
Filmlänge 92 Minuten
Deutschlandstart
9. Oktober 1931
Inhalt

Amy Jolly kommt als junge Nachtclubsängerin in Marokko an. Der reiche Gentleman La Bessière hat bereits auf der Überfahrt ein Auge auf sie geworfen und bietet seine Hilfe an, die sie aber ablehnt. Sie kann sich ein Engagement ergattern und wird vom Publikum stürmisch gefeiert.

Amy lernt den einfachen Fremdenlegionär Tom Brown kennen, der als Frauenheld gilt. Ihn findet sie anziehend und abstoßend zugleich: ein verwegener Mann, ohne Geld. Während gleichzeitig La Bessière sie mit freundlichem Charme und wertvollen Geschenken umwirbt.

Tom, überzeugt, keine Chance gegen den wohlhabenden La Bessière zu haben, zieht sich zurück und rückt mit seiner Einheit aus. Enttäuscht von Toms Verschwinden, akzeptiert Amy La Bessières Heiratsantrag. Doch während der Verlobungsfeier erfährt sie, dass Tom in Gefahr sein könnte. Die Sängerin bricht sofort auf, um ihre wahre Liebe zu finden …

Was zu sagen wäre

Das kleine Städtchen Mogador in Marokko hat zwei Höhepunkte: den Ein- und Ausmarsch der hier stationierten Fremdenlegionäre und den örtlichen Nachtclub, in dem seit Neuestem Amy auftritt, eine Europäerin mit rauchiger Stimme, die die Männer wild macht. Um sie entspinnt sich eine Dreiecksgeschichte mit dem feschen, aber immer klammen Legionär Brown und dem freundlichen Lebemann Le Bessière.

Es ist ein Liebesdreieck ohne Unsympathen. Gary Cooper spielt seinen Fremdenlegionär als jungen Filou, der nichts anbrennen lässt und erst bei Amy einen Hafen findet. Seinen Kontrahenten La Bessière spielt Adolphe Menjou (Namensgeber des gleichnamigen Oberlippenbärtchens) als freundlichen, schlagfertigen, fairen und korrekten Sportsmann, dessen Charakter nie ins Ölige abrutscht.

In seinem ersten Film mit Marlene Dietrichs in den Vereinigten Staaten, nachdem er zuletzt in Deutschland mit ihr Der blaue Engel (1930) gedreht hat, lässt Josef von Sternberg Dietrich gleich mal in ihrem Engel-Outfit auftreten – Zylinder, Frack, schwarze Hose. So küsst die Sängerin eine Frau im Publikum, was die Filmzensoren beinahe gestrichen hätten. Sternberg überzeugte die strengen Moralwächter damit, dass Amy eine Rose von der Geküssten annehme, die sie an Legionär Brown weiterreichte. Der Film macht keinen Hehl daraus, wie die Sympathien verteilt sind. Tom Brown wäre für Amy schon der richtige. Aber der ist ihr männliches Spiegelbild. Mit Frauen auf was Festes einlassen ist ihm so wenig geheuer, wie ihr mit Männern.

Ein Missverständnis treibt sie in die Arme des reichen Mannes im fortgeschrittenen Alter. Und erst, als es fast schon zu spät ist, erkennen alle, wo sie stehen und Sternberg inszeniert eine Schlusseinstellung, die lange nachwirkt: Amy folgt den abmarschierenden Fremdenlegionären und stapft neben anderen Legionärsfrauen mühsam durch den Wüstensand. Damit ist die Herzensangelegenheit in der erwarteten Konstellation entschieden, das Ende aber ganz offen. Früher im Film wird erwähnt, dass manche dieser Frauen im Wüstensand zurückbleiben, oder, wenn sie die Legionäre wieder eingeholt haben, nur noch ihren toten Mann vorfinden. Großes Melodrama.

Sternberg inszeniert seine Bilder im Nachtclub, aber vornehmlich in den Gassen des marokkanischen Städtchens, was die Abenteuerlust seines Publikums befriedigt. Über der spannungsarmen Erzählung, in denen die jeweiligen Paarkonstellationen wortkarge Dialoge führen, liegt dennoch eine fiebrige Spannung, erzeugt durch die schwüle Enge in den Gassen Mogadors. Ein Eifersuchtsdrama innerhalb der Legion sorgt für Thrill, wenn Tom Brown, der mit der Frau seines vorgesetzten Offiziers ins Bett gestiegen ist, von eben diesem Offizier auf eine gefährliche Mission geschickt wird.

Marlene Dietrich wurde für ihren ersten Auftritt in einem amerikanischen Film gleich für einen Oscar nominiert. Insgesamt erhielt "Marokko" vier Nominierungen (auch Regie, Kamera, Ausstattung), ging in der Oscarnacht am 10. November 1931 letztlich aber leer aus.

Die Uraufführung erfolgte am 14. November 1930 im Rivoli Theatre, New York, die deutsche Erstaufführung am 9. Oktober 1931 im Gloria-Palast, Berlin. Der Film gelangte 1931 als "Herzen in Flammen" in die deutschen Kinos und wurde im Juli 1935 verboten. Daraufhin tauchte der Film erst 1981 in einer neu synchronisierten Fassung als "Marokko" im Fernsehen wieder auf.

Wertung: 5 von 6 D-Mark
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