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Plakatmotiv: Die Zürcher Verlobung (1957)

Eine amüsante Boulevardkomödie

Titel Die Zürcher Verlobung
Drehbuch Heinz Pauck + Helmut Käutner
nach dem gleichnamigen Roman von Barbara Noack
Regie Helmut Käutner, BRD 1957
Darsteller

Liselotte Pulver, Paul Hubschmid, Bernhard Wicki, Wolfgang Lukschy, Roland Kaiser, Rudolf Platte, Werner Finck, Erwin Linder, Traute Carlsen, Gisela Peltzer, Peter Franck, Hans Hermann Schaufuß, Maria Sebaldt, Marianne Hediger, Sibylle von Gymnich u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
16. April 1957
Inhalt

Die Schriftstellerin Juliane „Julchen“ Thomas sucht nach einem Streit mit ihrem Freund Jürgen Abstand und Trost bei Onkel Julius in Berlin. In dessen Zahnarztpraxis erscheint ein polteriger Notfallpatient mit dem wohl zutreffenden Spitznamen „Büffel“. Begleitet wird er von seinem Freund, dem charmanten Zürcher Arzt Jean Berner, in den sich Julchen auf der Stelle unsterblich verliebt.

Ohne näheres Kennenlernen geht man auseinander, doch der Zufall hilft, als Julchen wenig später beim Filmverlag ein Drehbuch vorstellt. Sie trifft dort wieder auf Büffel, der in Wirklichkeit Paul Frank heißt und bei der Verfilmung ihres Buches Regie führen soll. Julchen ist er immer noch unsympathisch.

Büffel indes scheint Gefallen an Julchen zu finden. Außerdem durchschaut er ihre Ankündigung, sich zum bevorstehenden Weihnachtsfest in Zürich verloben zu wollen, als glatte Lügengeschichte. Er nimmt sie jedoch zum willkommenen Anlass ihr anzubieten, sie bei dieser Gelegenheit bis Zürich im Auto mitzunehmen, da er, Büffel, zur Feier des Jahreswechsels ohnehin nach St. Moritz fahre.

Plakatmotiv: Die Zürcher Verlobung (1957)In der Hoffnung, über den Umweg Büffel dann endlich ein Wiedersehen mit Jean zu erleben, sagt Julchen zu. Um in Zürich nicht aussteigen zu müssen, erfindet sie während der Fahrt die Geschichte, ihre Verlobung müsse verschoben werden, da der Vater des künftigen Bräutigams unerwartet verstorben sei. Der Weg zu Jean scheint damit frei – scheint frei …

Was zu sagen wäre

Die Kunst imitiert das Leben. Das Leben imitiert die Kunst. Und die Kunst wieder das Leben. Der Film ist eine Dreiecks-Komödie auf zwei Ebenen – der realen und der fürs Drehbuch aufgeschriebenen, die sich zunehmend verweben, wenn „Julchen“ um ein starkes Ende ringt, das sie für sich in ihrer Liebeswirrung noch nicht gefunden hat; wie also eines aufschreiben?

Du bist nichts. Hast nichts. Kannst nichts!“ Dass Juliane, frisch getrennt, schreiben kann, zählt in dieser Wirtschaftswundergesellschaft nicht. Also drängt Onkel Julius, der Zahnarzt, sie in den Job seiner Assistentin, die „gar nichts zu melden hat“ und sie mit jedem Patienten verkuppeln, der wenigstens männlich ist, und am besten auch noch wohlhabend.

Die Welt zwölf Jahre nach Kriegsende ist noch eine wohl geordnete. Jeder weiß, wo sein Platz ist. Nur manche Jede weiß es nicht: Juliane ist eine bemerkenswert selbständige Frau, will Drehbücher schreiben, sieht die ehe nicht als allein selig machenden Zweck. Liselotte Pulver (Ich denke oft an Piroschka – 1955) spielt sie als eine selbstbewusste Frau. Anders als die Rollen, für die sie vor allem im deutschen Kino so geschätzt wird. Statt androgyner Lebensfreude spielt sie eine ernsthafte Frauenfigur – im Rahmen einer Komödie. Hier hat sie als Schriftstellerin für Verwicklungen à la romantisches Kino gar keinen Sinn. Sie lebt zwar in ihren romantischen Fantasien und dort recht pragmatisch, mit den Gefühlen der Männer in der realen Welt aber steht sich lange Zeit in keiner Verbindung.

Juliane macht also aus ihren maximal halbfröhlichen Herzenserlebnissen eine Filmstory und ein Regisseur, der weit weniger Grobian ist, als es zunächst den Anschein hat, findet nicht nur an dem Stoff Gefallen, sondern auch an dessen Autorin. Die Folge sind allerlei Verwicklungen, die zu einem Lustspiel unbedingt dazu gehören und die Helmut Käzner mit dem Mut zur Posse inszeniert.

Bernhard Wicki spielt Paul Frank, einen machtbewussten Regisseur, mit beiden Beinen im Leben, ein prachtvoller Kerl, der mal diabolischen, mal onkelhaften Charme ausstrahlt. Für ihn findet Käutner in einer zentralen Szene schöne, hintergründige Bilder. Er und Juliane besprechen eine erotische Szene in ihrem Drehbuch, die keine explizite ist, weil die Autorin sie eher angedeutet erzählt. Während dieser Argumentation steht nun Paul Frank so, dass hinter seinem Kopf ein an der Wand hängendes Geweih herausschaut – „Seit Tagen versuche in Ihnen klar zu machen, dass diese Beziehung Eva Marias zu dem Dirigenten nicht stimmt. Menschlich nicht und erotisch nicht. Eva Maria ist doch kein Backfisch mehr. Diese ganze Verliebtheit ist doch reiner Kintopp. Das gibt's doch einfach nicht.“ –, als sei Frank selbst ein Elch: „Was sich bei Ihnen auf dieser Berghütte abspielt, das ist weder natürlich, noch besonders ereignisvoll. Das ist einfach himmelblaues oder rosarotes Limonadengesöff.

Drei Minuten später sind die "echten" Protagonisten auf einer Berghütte über St. Moritz und verhindern gegenseitig jegliches Himmelblau und Rosarot. Käutner erweist hier der Erkenntnis seines eigenen Films Referenz: „Das Publikum ist viel vernünftiger, als wir alle glauben!“ „Streichen Sie diese ganze intellektuelle Psychologie aus dem Drehbuch raus. Da muss Herz hinein, Herz und nochmal Herz!

Ganz am Ende, die Dreharbeiten haben begonnen, taucht ein Reporter am Set auf und erfährt, dass Regisseur Frank selber die Hauptrolle spielt. Darauf sagt er „Ich weiß nicht. Ich finde es nicht richtig, wenn Regisseure in ihren eigenen Filmen mitspielen.“ Diesen Reporter spielt Helmut Käutner selbst. Die Kunst imitiert das Leben.

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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