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Plakatmotiv: Blaubarts achte Frau (1938)

Kapitalismuskritik im Gewand
einer schnellen Screwballkomödie

Titel Blaubarts achte Frau
(Bluebeard's Eighth Wife)
Drehbuch Charles Brackett + Billy Wilder
nach dem Theaterstück von Alfred Savoir
Regie Ernst Lubitsch, USA 1938
Darsteller

Claudette Colbert, Gary Cooper, Edward Everett Horton, David Niven, Elizabeth Patterson, Herman Bing, Warren Hymer, Franklin Pangborn, Armand Cortes, Rolfe Sedan, Lawrence Grant, Lionel Pape, Tyler Brooke u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 85 Minuten
Deutschlandstart
13. April 1972 (TV-Premiere)
Inhalt

Nicole de Loiselle, Tochter eines verarmten französischen Aristokraten, lernt den amerikanischen Millionär Brandon kennen, der schon bald um ihre Hand anhält. Kurz vor der Hochzeit erfährt sie, dass er bereits siebenmal geschieden ist und sie einen Ehevertrag unterschreiben soll.

Szenenbild: Blaubarts achte FrauObwohl ihr das keineswegs gefällt, lässt sie sich darauf ein – und beschließt, Brandon eine Lektion zu erteilen. Schon bald erkennt Brandon, dass er Nicole unterschätzt hat …

Was zu sagen wäre

Der Film startet mit einer Revolution: Gary Cooper, kerniger Held harter Western und Kriegsfilme, kauft einen Pyjama. Er will aber nur die Jacke, weil, die Hose ziehe ja eigentlich kein Mann gerne an, er tue dies nur, weil er sie nun mal bezahlt habe. Die Verkäufer an der Riviera sehen sich mit einer „revolutionären Frage“ konfrontiert und gehen mit dieser Frage durch alle Instanzen bis ganz nach oben; bis zum Direktor, den sie aus dem Bett holen, in dem der auch keine Pyjamahose trägt, den Kauf nur einer Jacke aber verbietet; das sei ja „Kommunismus“.

Plakatmotiv: Blaubarts achte FrauEine Frau löst den Konflikt um das Beinkleid für den Mann. Keine fünf Minuten, da hat Ernst Lubitsch den Ton seiner Komödie gesetzt, die der Wiener Billy Wilder für ihn mit wunderbaren Dialogen geschrieben hat: „Er hatte das Geld, ich die Erfahrung!“ „Oh, und als die Rennen gelaufen waren, hatten Sie das Geld und er die Erfahrung.

"Bluebeard's Eighth Wife" ist eine Salonkomödie um verarmten europäischen Adel und neureiche Amerikaner, eine flotte Screwballcomedy mit kapitalismuskritischem Einschlag. Da glaubt der Millionär, Ehefrauen mit Abfindungen kaufen zu können und bevor wir uns so recht darüber empören können, verdoppelt die potenzielle Ehefrau Nummer acht einfach die Abfindungssumme auf 100.000 Dollar jährlich – und entzieht sich dann dem Eheleben, auf dass die Scheidung, die achte fällig wird, die sie so reich macht, dass sich beide auf Augenhöhe begegnen und nun endlich verliebt turteln und wieder heiraten können. Diese Idee ist natürlich wohlfeil in ihrer Behauptung, die Frau sei damit selbständig. Wo sie sich das Vermögen ohne Arbeit erschleicht, hat er sein Leben lang dafür gearbeitet.

Claudette Colbert spielt ihre Nicole lustvoll als Frau, die sich dem Männerwunsch entzieht, vor allem das bezaubernde Vorzeige-Luxusgut zu sein – wie das im realen Leben oft genug der Fall ist. Aiuf der Leinwand entwickelt die Neugattin kreative Züge und zahlt es dem Kapitalisten mit gleicher Münze heim. In der Folge sehen wir zwei Stars dabei zu, wie sie sich nach der Eheschließung mit Zwiebelkraut und Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" beharken, belauern und ineinander verlieben; wunderbar, den beiden dabei zuzusehen.

Wertung: 4 von 6 D-Mark
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