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Plakatmotiv: Prey (2022)

Ein Predator-Film, der auf
die harten Kerle verzichtet

Titel Prey
(Prey)
Drehbuch Patrick Aison & Dan Trachtenberg
mit Charakteren von Jim Thomas & John Thomas
Regie Dan Trachtenberg, USA 2022
Stimmen

Amber Midthunder, Dakota Beavers, Dane DiLiegro, Stormee Kipp, Michelle Thrush, Julian Black Antelope, Stefany Mathias, Bennett Taylor, Mike Paterson, Nelson Leis, Tymon Carter, Skye Pelletier, Harlan Blayne Kytwayhat, Corvin Mack, Samuel Marty, Ginger Cattleman, Seanna Eagletail, Samiyah Crowfoot u.a.

Genre Action, Abenteuer
Filmlänge 99 Minuten
Deutschlandstart
5. August 2022 (Streaming)
Inhalt

Es ist der Beginn des 18. Jahrhunderts: Naru gehört dem Stamm der Comanchen an. Naru wird eine Kriegerin, obwohl das in ihrer Kultur für Frauen untypisch ist. Für sie steht außer Frage, dass sie genau so gut, wenn nicht sogar besser als die jungen männlichen Krieger ist.

Ihr Bruder Taabe soll der neue Anführer des Stammes werden und lernt eine Menge von seiner Schwester. Als der Stamm bedroht wird, macht sich Naru auf, die Bedrohung auszuschalten. Plakatmotiv (US): Prey (2022) Es wird ihre größte Prüfung, denn es stellt sich heraus, dass hochentwickelte außerirdische Wesen ihr Unwesen treiben, die technisch ausgeklügelte Waffen mitgebracht haben …

Was zu sagen wäre

"Prey" von Dan Trachtenberg ist nicht einfach der nächste Action-Horrorfilm. Es ist der fünfte Predator-Film und quasi ein Prequel zu den ersten vier Filmen. Also, weil er schon 1719 spielt, in den Great Plains. Die Produzenten verzichten, was für Hollywood-Verhältnisse höchst ungewöhnlich ist, darauf, dem Film den werbewirksamen Predator-Stempel aufs Plakat zu drücken. Ihr "Prey" ("Beute") soll für sich wirken und über seine Hauptfiguren. Nicht nur sind es Comanchen in einer Zeit, als von großen weißen Siedlertrecks auf dem Kontinent noch nicht die Rede war. Auch spielt die Hauptfigur eine Frau, die 25-jährige Amber Midthunder. Damit ist der Predator, bislang mörderischer Gegner heute alter weißer Männer, jetzt eine Sache für die Frau. Das Gesetz der Diversity, dem sich die Disney-Studios (zu denen die 20th Century Studios seit einigen Jahren gehören) in erklärter Weise verpflichtet sehen, lässt 40 Jahre alte Stoffe neu aufleben. Arnold Schwarzenegger war 1987 der erste, der sich mit dem Außerirdischen anlegen musste, der seine Crew muskelbepackter Kerle ausgeschaltet hatte und nun Schwarzenegger töten wollte. Der ehemalige Mr. Universum drehte den Spieß um. Heute sind die Männer in diesem Film entweder Angeber oder woke Zeitgenossen, die den Primat ihrer kleinen Schwester in Sachen auf-die-Jagd-gehen anerkennen.

In den ersten 45 Minuten erweckt wenig den Eindruck, dass hier ein Action-Horrorfilm entstehen soll. Dan Trachtenberg lässt sich viel Zeit, schweift mit Naru und deren Hund durch Wälder und weite Landschaften, er inszeniert prachtvoll Panoramen und die Emanzipationsgeschichte des jungen Mädchens, das in Zwischenschnitten deutlich macht, dass es besser mit Beil, Pfeil und Bogen umgehen kann, als alle Jungs im Dorf. Plakatmotiv (US): Prey (2022) Dass dem Mädchen in einem Comanchendorf des Jahres 1719, das auf die Jagd geht, statt sich den Frauen im Dorf und deren Arbeiten anzuschließen, niemand die Leviten liest, ist wahrscheinlich eine Verfälschung des damaligen Zusammenlebens im Dorf amerikanischer Ureinwohner. Andererseits waren wir nicht dabei und gleich greift ein außerirdischer Jäger an; warum soll ich mich da um sozialhistorische Genauigkeit sorgen? Hier hat das Comanchenmädchen Naru tolle Freiheiten, verständnisvolle Eltern und einen klugen älteren Bruder, der auf seine kleine Schwester hört.

Naru ist die einzige, die Aufmerksamkeit die Spuren im Wald liest und schnell ahnt, dass dort etwas ist, was gefährlich werden kann. Sie kann es aber natürlich nicht beschreiben oder gar erklären, also machen sich die Jungs über sie lustig und die Männer nehmen sie nicht ernst. Also zieht sie alleine los; ein Coming-of-Age-Thema in etwas anderer Umgebung. Naru wird in der Natur erwachsen und lernt schnell. Und landet dann im Käfig einer Horde französischer Fallensteller; dies vor allem, um zu zeigen, dass sie keine Superheldin ist, die ohne andere zurecht kommt. Sie ist zwar cleverer als die Männer, aber dennoch auf die Gemeinschaft angewiesen – zumindest hin und wieder.

Nach 45 Minuten packt Trachtenberg sein Drehbuch dann bei den Hörnern. Genug der woken, wunderschön gefilmten Comanchenidylle. Auch wenn nicht "Predator" auf dem Filmplakat steht, steht da doch "Beute". Also lässt er den geheimnisvollen Außerirdischen von der Leine, der ordentlich schlitzt, zerteilt, häutet, Menschen explodieren lässt und jene charakteristischen Schnattergeräusche macht, an denen sich schon Schwarzenegger entlang hangelte. Im finale heißt es Er oder Sie und „Er kann mich nicht sehen!“ Auch Naru hat, wie ihr berühmter Vorgänger, eine Möglichkeit gefunden, sich für den fremden Jäger unsichtbar zu machen. Streng genommen ist "Prey" lediglich eine Neuinterpretation des Stoffes, den John McTiernan vor 35 Jahren erstmals verfilmt hat.

Sie ist den Bedürfnissen ihrer Zeit und ihres Publikums angepasst, unterhaltsam und mit ein paar wunderschönen Totalen, wie wir sie aus den besten der alten Western kennen.

Wertung: 5 von 8 €uro
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