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Kinoplakat: Who Am I
Die Welt der virtuellen Täuschung
wird durch Tom Schilling physisch
Titel Who Am I – Kein System ist sicher
Drehbuch Jantje Friese + Baran Bo Odar
Regie Baran Bo Odar, Deutschland 2014
Darsteller

Tom Schilling, Elyas M'Barek, Wotan Wilke Möhring, Antoine Monot Jr., Hannah Herzsprung, Stephan Kampwirth, Trine Dyrholm, Leopold Hornung, Katharina Matz, Leonard Carow, Arndt Schwering-Sohnrey, Matthias Neukirch, Nils Borghardt, Alexander Hauff, Antonia Putiloff u.a.

Genre Thriller
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
25. September 2014
Website WhoAmI-film.de
Inhalt

Für seine Umwelt ist der schüchterne Benjamin ein Niemand, weshalb er sich oft in die Tiefen des Internets stürzt. Denn dort kann er sein, was er will und niemand weiß, wer sich wirklich hinter seinem Pseudonym verbirgt. Benjamin fällt der digitale Maskenball leicht, er ist ein Meister-Hacker.

In dem charismatischen Max findet er einen Gleichgesinnten. Gemeinsam mit dem temperamentvollen Stephan und dem paranoiden Paul gründen sie die Hackergruppe "CLAY" (kurz für "Clowns Laughing @ You"). Mittlerweile interessiert sich sogar im echten Leben eine Frau für Benjamin, die attraktive Marie, sodass er sich zum ersten Mal wichtig fühlt.

Kinoplakat (US): Who Am IDoch aus dem Hacker-Spaß wird plötzlich ernst, als BKA und Europol die Ermittlungen gegen CLAY aufnehmen. An der Spitze: Cybercrime-Expertin Hanne Lindberg …

Was zu sagen wäre

Kino auf Droge. Baran Bo Odar zieht für seinen Thriller aus der virtuellen Welt alle Gewerke heran und mixt einen unwiderstehlichen Thrill. Bild, Montage, SFX, Sound Effects, Soundtrack … alles fließt ineinander, ummantelt eine Geschichte um mögliche und unmögliche Identitäten.

Der Schwachpunkt dieses Film ist schnell offenbar: Die Story entwickelt sich ausschließlich auf der Basis der Zeugenaussage eines zwar irgendwie sympathischen (er ist ja die Hauptfigur), aber dennoch fragwürdigen Charakters. Darin ist dieser harmlos wirkende Benjamin einer großen Figur des zeitgenössischen Kinos nicht unnähnlich. Auch der tumb wirkende Verbal Kint brachte einst Polizei und Zuschauer um den Verstand mit seiner Zeugenaussage, aber 1995, als Die üblichen Verdächtigen dieses Muster abzogen, war diese Form des Storytelling seit Alfred Hitchcocks seligen Zeiten ausgestorben. Hier hängt von Anfang an dieser Verdacht in der Luft; das ist nicht Baran Bo Odars Schuld oder Fehler … es nur einfach störend.

Ich werde nämlich abgelenkt von einem smarten Film mit lauter Twists. Odar hat gut aufgepasst in seiner Lehre: Du kannst den Zuschauer nur überraschen, wenn Dein Twist nur der Twist eines Twists ist. Daran hat er sich gehalten und eine Welt entworfen, in der das Virtuelle tatsächlich Teil der physischen Welt geworden ist – ein düsterer U-Bahn-Waggon symbolisiert das Dark Net, in dem sich maskierte Hacker zum Meinungsaustausch treffen. Damit wird dieser Thriller aus dem Cyberspace sehr physisch – es wird gerannt, geprügelt und ein Porsche Cabrio findet auf den nächtlichen Straßen Berlins auch seine Anwendung. Dabei ist bis zum letzten Bild nicht klar, wer und was hier eigentlich echt und wer und was hier nur Erfindung eines genial spinnerten Geistes ist oder sein könnte; eine Frage, die den Spaß am Film nicht stört, aber beim anschließenden Talk in der Kneipe durchaus zu interessanten Diskussionen führen kann. Komplex erzählt, klug montiert und wunderbar besetzt.

Tom Schilling ragt heraus („Unsere Mütter, unsere Väter“ – TV 2013; „Hai-Alarm am Müggelsee“ – 2013; „Der Baader Meinhof Komplex“ – 2008; „Elementarteilchen“ – 2006; „Napola – Elite für den Führer“ – 2004; Crazy – 2000), der mittlerweile zu der deutschen Hoffnungsriege im Schauspielergenre zählt, wobei „Hoffnung“ hier meint, dass er länger durchhält als die paar Jahre, die so viele Hoffnungen nur durchhielten, um dann im französischen Kino oder im Vorabendprogramm zu versanden.

 

Wertung: 7 von 8 €uro
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