Plakatmotiv: Leoparden küsst man nicht (1939)
Komplett durchgeknallt.
Wahnwitzig komisch!
Titel Leoparden küsst man nicht
(Bringing Up Baby)
Drehbuch Dudley Nichols + Hagar Wilde
nach einer Geschichte von Hagar Wilde
Regie Howard Hawks, USA 1939
Darsteller Katharine Hepburn, Cary Grant, Charles Ruggles, Walter Catlett, Barry Fitzgerald, May Robson, Fritz Feld, Leona Roberts, George Irving, Tala Birell, Virginia Walker, John Kelly u.a.
Genre Komödie, Romantik
Filmlänge 94 Minuten
Deutschlandstart
18. März 1966
Inhalt

Dr. David Huxley ist ein vergeistigter, etwas verwirrter Paläontologe. In den letzten vier Jahren arbeitete er an der Rekonstruktion eines Brontosaurus, für die ihm jetzt nur noch ein einziger Knochen fehlt. Huxley steht außerdem kurz vor der Hochzeit mit seiner Assistentin Alice Swallow.

Für die dominante und ernsthafte Alice zählt Karriere und Wissenschaft mehr als Liebe und Familie, sie will kein Kind mit David, sondern sieht den Brontosaurus als „gemeinsames Kind“ der beiden. Am Tag vor der Ankunft des Knochens und der Hochzeit wird er von seiner Verlobten zu einem Golfspiel mit dem Anwalt Peabody geschickt. Peabody ist der Anwalt der Millionärin Mrs. Carlton Random, welche überlegt, Davids Museum eine Million US-Dollar zu spenden. David soll einen guten Eindruck bei dem renommierten Anwalt erwecken und damit dem Museum zur Spende verhelfen.

Dieser Vorsatz scheitert, als David auf dem Golfplatz die äußerst temperamentvolle Susan Vance trifft. Sie hält Davids Golfbälle und zum Schluss auch sein Auto für ihr Eigentum. Am Abend trifft er sie in einem Restaurant wieder, wo es durch Susans Eingreifen zu allerlei komischen Vorfällen kommt, die David in der Gunst von Mr. Peabody sinken lassen. Unter anderem sorgt ein Missgeschick von Susan dafür, dass der Psychiater Dr. Lehman David beschuldigt, die Handtasche seiner Frau gestohlen zu haben.

Susan hält David für einen Zoologen und bringt ihn am nächsten Tag dazu, auf den zahmen Leoparden „Baby“ aufzupassen, ein Geschenk ihres Bruders an ihre Tante. Sie bringen den Leoparden in das Landhaus der Tante in Connecticut. Auf dem Weg zum Landhaus stiehlt Susan das Auto von Dr. Lehman, damit sie keinen Strafzettel erhält, weil sie mit ihrem eigenen Auto vor einem Hydranten geparkt hat. Susan beschließt, dass sie sich in David verliebt hat, und versucht, ihn so lange wie möglich im Haus zu halten, um seine bevorstehende Hochzeit zu sabotieren …

Plakatmotiv (US): Bringing up Baby – Leoparden küsst man nicht (1939)

Was zu sagen wäre

Dieser Film ist völlig absurd … durchgeknallt … bar jeder … achwassolls: Der Film behandelt die Schwierigkeiten der freien Forschung, Forschungsgelder zu generieren; es geht um den Gegensatz von brotlos-trockener Wissenschaft und den Lebemann-leicht-verdienten Millionen, die es an Glaubensbrüder – also Gleich an Gleich – zu verteilen gilt, nur dass halt Millionäre nie in Labors arbeiten und forschen, es also ein Gleich zu Gleich nie geben kann. Und weil also die trockene Laboratte und der Golfplatz-Lebemann sich per se nicht verstehen, kann Howard Hawks Turbulenzen inszenieren, wie es sie in diesem Film gibt.

Plakatmotiv (US): Bringing up Baby – Leoparden küsst man nicht (1939)

Labor – Golfplatz – Abendgesellschaft im Ritz Carlton … Howard Hawks schafft in 15 Minuten soviel Chaos, dass ich gar keine Zeit habe, zum Beispiel darüber nachzudenken, wie unglaublich auf den Wecker mir diese impertinente Susan Vance geht und wie sie eigentlich auf den fehlgeleiteten Gedanken kommt, Huxleys Auto für das ihre zu halten – Auftakt aller kommenden Verwicklungen; ich komme einfach nicht zum Luft holen – nachzuvollziehen, was da vor unserem Auge passiert, ist sinnlos. „Nicht, dass ich Sie etwa nicht mag, Susan“, gesteht Dr. Huxley, „In gewissen ruhigen Augenblicken fühlte ich mich sogar, seltsamerweise, zu Ihnen hingezogen. Aber ruhige Augenblicke gab es ja überhaupt nicht. Unsere Ein-Tag-Beziehung war eine ununterbrochene Folge von Missgeschicken. Vom Anfang bis zum Ende!“ Atemberau … buchstäblich. Später übrigens, spätestens im Landhaus der Großmutter, geht mir Ms. Vance nicht mehr auf den Wecker. Da hat Katharine Hepburn, die diese Chaosfrau mit unvergleichlicher Chuzpe durchspielt, längst mit einer kleinen Kopfbewegung klar gemacht, dass sie in diesen komischen Professor verknallt ist – da verzeihnt man(n) gerne manches unverständliches Chaos. Selbst so komische Sätze wie ihren „Er ist der einzige Mann, den ich je geliebt habe!“ – im Howard-Hawks-Kino verlieben sich Frauen ja immer schnell und unerklärlich. Die Hälfte der Dialoge kann man zudem auch kaum verstehen, weil die Sätze sich dauernd überlappen; die Kunst ist, dass die Hälfte der Dialoge auch gar nicht wichtig ist – sie dienen nur der Vergrößerung des Chaos' (und gelten als Grundstein für das Subgenre Screwball Comedy).

Letztlich können wir uns dem Treiben nur ergeben, oder das Kino vorzeitig verlassen. Das würde uns aber einen un-glaub-lich lustigen Nachmittag versauen. Sie hat halt einen Köder geschluckt, als David sie im Ritz einfach stehen ließ – „Sie sind immer noch böse auf mich. Was kann ich nur tun?“ „Weg gehen.“ „Oh nein, ich war zuerst hier.“ „Dann gehe ich eben weg.“ – und seitdem ist sie hinter ihm her. Hepburn changiert von einer Sekunde zur anderen zwischen Nervbratze und Hilflos-vom-Lande – es ist eine wahre Freude.

Wertung: 5 von 6 D-Mark