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Kinoplakat: Die Ritter der Kokosnuss
Gehobener Flachsinn
in britischem Humor
Titel Die Ritter der Kokosnuss
(Monty Python and the Holy Grail)
Drehbuch Terry Gillian + Terry Jones + Graham Chapman + John Cleese + Eric Idle + Michael Palin
Regie Terry Gilliam & Terry Jones, UK 1975
Darsteller
Graham Chapman, John Cleese, Eric Idle, Terry Gilliam, Terry Jones, Michael Palin, Connie Booth, Carol Cleveland, Neil Innes, Bee Duffell, John Young, Rita Davies, Avril Stewart, Sally Kinghorn, Mark Zycon u.a.
Genre Komödie, Abenteuer
Filmlänge 91 Minuten
Deutschlandstart
13. August 1976
Inhalt

England im Jahre 932. König Artus zieht mit seinem Diener Patsy durch Britannien, um die feinsten und vornehmsten Ritter des Landes für die Tafelrunde zu finden. Auf seinem Weg, den er zwar reitend, aber ohne Pferd zurücklegt, begegnet ihm als erster Bedevere, den er wegen seiner „Klugheit“ (er weiß, wie man „Hexen“ erkennen kann) als Ritter der Tafelrunde aufnimmt. Darauf folgen noch Sir Lancelot, Sir Galahad und Sir Robin (nicht ganz so tapfer wie Sir Lancelot) und der „Herr, der in diesem Film nicht erscheint“.

Von Gott persönlich erhalten die Ritter den Auftrag, den Heiligen Gral zu suchen, um ein Zeichen in diesen finsteren Zeiten zu setzen. Beseelt von ihrem göttlichen Auftrag begeben sie sich auf die Suche und kommen an die Festung eines Franzosen, der aus seiner Meinung über Engländer kein Geheimnis macht. So ziehen sie unverrichteter Dinge weiter und beschließen, sich zunächst zu trennen und einzeln den Gral zu suchen.

Leider handelt es sich bei Artus‘ Truppe um eine Ansammlung irrer Trottel und sein Unternehmen erleidet schnell zahlreiche Rückschläge …

Was zu sagen wäre

Im Kino gewesen. Am Boden gelegen vor Lachen. Die britische Komikertruppe Monty Python pflegt ihren Ruf, komödiantische Hintersinnigkeiten für den gehobenen Bildungsstand zu inszenieren – man kann einfach auch sagen: britische Meister des britischen Flachsinns. Natürlich hat der über ein Land, das sich zu einem Land noch gar nicht so recht bekennen will, zu regierende König kein Geld, also keine Pferde, also aber selbstverständlich Kokosnuss-Hälften, die, aneinanandergeklappert, ähnlich klingen wie Hufgetrappel – die Inszenierung des Ganzen hat am britischen Königshaus seit jeher einen hohen Stellenwert. Die Pythons haben den inszenierten Mangel für cleveres Marketing genutzt und behauptet, sie selbst seien es, die nicht genug Geld gehabt hätten. Aufgrund akuter Budgetprobleme sei es nicht möglich gewesen, Pferde zu mieten und teure Reitstunden zu bezahlen. 

Kinoplakat: Die Ritter der Kokosnuss

Die Republikaner unter den Briten feiern hier Party, dauernd wird die Autorität des Königs, die der Herrschenden Klasse in Frage gestellt („Nur, weil irgend so eine Tümpelnixe sagt, Du Bist König! heißt das doch noch lange nicht, dass ich Dich als Herrscher anerkenne!“). Die Franzosen, den Briten von altersher in inniger Feindschaft verbunden, dürfen hier mal alles rauslassen, was sie immer schon über die Nachbarn auf der Insel sagen wollten. Und das weiße Kaninchen als böser Wächter vor dem Eingang der Höhle zum Aaaaaaaaaarrrrrrggghhhh …“ beißt so manchen Stahlritter tot. Respekt ist die Sache der Pythons nicht.

Das Schlimme an diesem Film ist, dass er nicht altert, ich ihn mir also immerzu wieder angucken und an anderen Stellen lachen kann. Sagt man auf einer Party „Die Ritter der Kokosnuss“, nahezu jeder kann einen Witz aus dem Film beisteuern. Sowas muss man wohl Kult nennen.

Ob der Schwarze Ritter – beider Arme und beider Beine beraubt – im Zweikampf immer noch auf einem Unentschieden beharrt, ob die Ritter vom Nie ihre Umgebung mit dem bösen Wort terrorisieren, ob drei Fragen beantwortet werden müssen, bevor man die Schlucht überqueren darf oder ob Gott seinen Wolkenbalkon öffnet und als grobe Trickfigur seine mit unchristlichen Verbalinjurien geschmückten Gebote verkündet; dieser Film ist eine Aneinanderreihung guter Witze, gut gespielter guter Witze.

Da könnten die Pythons doch ihr Bühnenprogramm auch gleich als Bühnenprogramm verfilmen. Das kommt sicher später noch. Mit Terry Bedford haben die Pythons sich aber einen Kameramann ans Set geholt, der mehr kann, als eine Bühne auszuleuchten. Sein nebelverhangenes England, seine nasskalten Bilder gehören auf die große Leinwand.

Ihr Timing beherrschen Terry Gilliam & Terry Jones sowieso perferkt und John Hackney, ihr Cutter, macht dann den Rest. Alles in allem ist diese verfilmte Sketchrevue ein überraschend gut gelungener Spielfilm geworden.

Wertung: 8 von 9 D-Mark
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