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Kinoplakat (US): Citizen Kane
Eine Montage-Orgie in Licht und Schatten
über den Amerikanischen Traum
Titel Citizen Kane
(Citizen Kane)
Drehbuch Herman J. Mankiewicz + Orson Welles + John Houseman
Regie Orson Welles, USA 1941
Darsteller Orson Welles, Joseph Cotten, Dorothy Comingore, Everett Sloane, Agnes Moorehead, George Coulouris, Ruth Warrick, Ray Collins, Erskine Sanford, William Alland, Paul Stewart, Fortunio Bonanova, Gus Schilling, Philip Van Zandt, Georgia Backus, Harry Shannon u.a.
Genre Drama
Filmlänge 119 Minuten
Deutschlandstart
29. Juni 1962
Inhalt

Charles Foster Kane ist gestorben. Dauergast in den Klatschspalten der zeitungen, zeitweise einer der mächtigsten verleger der USA, heißer Aspirant auf das Gouverneursamt, bis ihn eine außereheliche Affaire aus dem Rennen kegelte.

Die Redaktion der Wochenschau hat eine Special-Bulletin-Fassung seiner Biografie entworfen. Verschiedene Lebensstationen werden beleuchtet: Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, baute Kane ein Imperium auf, das aus 37 Zeitungen sowie zahlreichen Verlagen, Firmen und Immobilien bestand. Er wird als Mensch gezeigt, der stets in der Öffentlichkeit stand und die Massen polarisierte. Die kurze Biografie ist vollständig aber der Produzent ist der Meinung, dass der richtige Aufhänger noch fehle – etwas, das die Privatperson Kane treffend charakterisiere. Er schickt den Reporter Thompson los um herauszufinden, was es mit „Rosebud“ auf sich habe – das war Kanes letztes Wort, bevor er starb.

Im Rahmen seiner Recherche sucht Thompson verschiedene Personen und Orte auf und versucht, sich ein Bild des Verstorbenen zu machen – und, „Rosebud“ zu klären …

Was zu sagen wäre

Woher weiß die Öffentlichkeit, was Kanes letzte Worte waren? Im Film ist klar zu erkennen, dass Kane alleine ist, als er stirbt; seine Krankenschwester kommt erst hinzu, als er schon tot ist, auch sein Butler, der später im Film allerlei Privates über seinen Hausherrn von sich gibt, ist nicht zugegen. Für Puristen scheitert der Film an dieser Frage, denn ohne „Rosebud“ keine Recherche von Mr. Thompson, ohne Recherche kein Spielfilm.

Die 110 Minuten, die auf den Wochenschaubeitrag folgen, erzählen gegenüber dieser Wochenschau wenig Erhellendes über Charles Foster Kane. Es ist die Geschichte des Amerikanischen Traums, die in der interessanten Erkenntnis gipfelt, dass der erfolgreiche Geschäftsmann von denen einen als Kommunist, von den anderen als faschist geschmäht wird, während er sich selbst al „Amerikaner, sonst nichts“ bezeichnet. Erzählt wird Aufstieg und Fall eines Mannes, der früh seine Ideale verrät, darüber (bis auf seinen Reichtum) alles verliert, einsam und verbittert endet. Auf dem Sterbebett trauert seiner verlorenen Kindheit nach, die durch eine Schneekugel symbolisiert wird – und eben durch „Rosebud“.

Das, was die Wochenschau zu Beginn anreißt, breitet der anschließende Film aus; da werden zwei, drei Zusammenhänge deutlich – unter anderem natürlich „Rosebud“ –, aber tiefer in den Charakter der verschiedenen Protagonisten taucht das Script nicht ein. Der Magnat selbst bleibt ein Mysterium – ähnlich im Dunkeln wie der recherchierende Mr. Thompson, dessen Gesicht im ganzen Film nicht ein Mal deutlich zu sehen ist; er steht, sitzt und fragt stets im Halbschatten. Orson Welles' Film glänzt über die Optik, nicht über sein Script.

„Citizen Kane“ ist eine Schwarz-Weiß-Party in Licht und Schatten, in kunstvollen Überblendungen und kreativen Kamerabewegungen. „Das Kino ist noch sehr jung“, ließ Welles während der Dreharbeiten wissen, „und es wäre einfach lächerlich, wenn es einem nicht gelänge, ihm ein paar neue Seiten abzugewinnen“. Und so ist der Film eine Kette von optischen Effekten, deren auffälligster neben dem harten Licht-Schatten-Design einer ist, der erst langsam ins Bewusstsein rutscht. Weil Welles und sein Kameramann Gregg Toland durchgehend mit großer Schärfentiefe arbeiten, wirken die Räume sehr groß und die Menschen darin sehr klein, manchmal wirkt es, als habe Welles seine Figuren in XXL-Möbeln gefilmt – die Menschen als Fremdkörper in herrschaftlicher größer-als-jeder-Mensch-Architektur.

Licht, Schatten, Ausstattung … und die Montage. Welles löst die lineare Erzählform auf und erzählt seine fiktiven Biografie in bauteilen, die vor und zurück in der Zeit springen. Der Zuschauer muss sich Leben und Charakter der Titelfigur wie ein Puzzler selber zusammensetzen. Prompt taucht das Puzzle als eine Art Leitmotiv im Film immer wieder auf, wenn Kanes zweite Frau ein Puzzle nach dem anderen legt, „Rosebud“ als fehlender Stein im Puzzle bezeichnet wird.

 

Wertung: 6 von 7 D-Mark
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