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Plakatmotiv: Der Astronaut – Project Hail Mary (2026)

"E.T." macht auf der "Space Odyssey"
"Contact" mit dem freundlichen Mensch

Titel Der Astronaut – Project Hail Mary
(Project Hail Mary)
Drehbuch Drew Goddard
nach dem gleichnamigen Roman von Andy Weir
Regie Phil Lord + Christopher Miller, USA 2026
Darsteller

Ryan Gosling, Sandra Hüller, James Ortiz, Lionel Boyce, Milana Vayntrub, Ken Leung, Priya Kansara, Mia Soteriou, Annelle Olaleye, Maya Eva Hosein, Bastian Antonio Fuentes, Alice Brittain, Michael Akinsulire, Travis Jay, Geoffrey Lumb, Paul Lambert, Orion Lee, Aaron Neil u.a.

Genre Science Fiction, Abenteuer
Filmlänge 156 Minuten
Deutschlandstart
19. März 2026
Website amazon.com/projecthailmary
Inhalt

Als Ryland Grace erwacht, muss er feststellen, dass er ganz allein ist. Er ist anscheinend der einzige Überlebende einer Raumfahrtmission, Millionen Kilometer von zu Hause entfernt, auf einem Flug ins Tau-Ceti-Sternsystem.

Aber was erwartet ihn dort? Und warum sind alle anderen Besatzungsmitglieder tot? Nach und nach dämmert es Grace, dass von seinem Überleben nicht nur die Mission, sondern die Zukunft der gesamten Erdbevölkerung abhängt …

Was zu sagen wäre

Was wie ein Albtraum beginnt löst sich auf in einer Freundschaft, die gleich zwei Welten rettet. "Project Hail Mary" ist eine Meditation im Sich-aufs-Nötige-Konzentrieren. Im Mittelpunkt stehen ein freundlicher Lehrer von der Erde und ein mehrarmiger, lebender Stein, der Bewohner eines fernen Planeten ist, aber unter denselben Problemen leidet, wie der Mensch von dem anderen fernen Planeten Erde: Außerirdische Mikroorganismen, "Astrophagen" genannt, bilden eine Infrarotlinie zwischen Sonne und Venus, den sogenannten Petrowa-Strahl. Da die Mikroorganismen der Kraft der Sonne widerstehen, vermehren sie sich unkontrolliert und werden im Lauf der Zeit die Sonne verdunkeln, was innerhalb der nächsten 30 Jahren zu einer lebensbedrohenden globalen Abkühlung sowohl auf der Erde als auch auf Eridia führen könnte – "Eridia" nennt Grace, der Mensch im All, den Planeten des außerirdischen Kollegen, welchen er überdies Rocky nennt.

Deshalb wurde der freundliche Lehrer auf diese Mission geschickt, die er nicht freiwillig angetreten hat; sie sieht nämlich keine Rückkehr zur Erde vor, dafür reicht der Treibstoff nicht aus. Warum er? Er hatte vor Jahren in einer molekularbiologischen Dissertation gegen den wissenschaftlichen Mainstream die These vertreten, dass Leben nicht notwendig auf dem Vorhandensein von Wasser basieren müsse. Damals wurde er belächelt, gefeuert, heute unterrichtet er Kinder. Heute könnten seine Ideen hinter dieser These den Durchbruch zur Rettung der Erde bedeuten, denn der bedrohliche Mikroorganismus „überlebt auf der Sonnenoberfläche. Klingt das für Sie nach einer wasserbasierten Lebensform?“ Und weil er nun schon mal hier draußen im Tau-Ceti-System ist, in dem die Astrophagen seltsamerweise keine zerstörerische Wirkung haben, machen sich Grace und Rocky an die Arbeit, um ein Heilmittel für ihre Welten zu finden. Frei nach der erhabenen Haltung des menschlichen Geistes im 21. Jahrhundert: Bin ich nicht für ausgebildet, muss ich aber trotzdem irgendwie hinkriegen – hier ist ja sonst keiner!

Phil Lord und Christopher Miller, die Regisseure (Spider-Man: Across the Spider-Verse – 2023; Spider-Man: A New Universe – 2018; Solo: A Star Wars Story – 2018; The Lego Batman Movie – 2017; The Lego Movie – 2014; 21 Jump Street – 2012; "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" – 2009), springen in ihrem Film in der Zeit vor und zurück. Klar, das vereinfacht die Dramaturgie. Auf der Erde die notwendige Vorgeschichte mit viel Wissenschaft in Laboren mit Reagenzgläsern, Forschung in stockdunklen Kisten oder Fachbegriff-Diskussionen an Konferenztischen. Das inszenieren Lord und Miller unterhaltsam wie eine gehobene Sitcom. Aber der Trailer zum Film verspricht eine Weltraumstory. Für sowas bietet das Tau-Ceti-System mit dem Alien-Forschungsschiff mit Rocky an Bord gegenüber den mit lustigen Dialogen aufgelockerten Laborarbeiten auf der Erde dann doch die höheren Schauwerte.

Aber da ist noch die zweite Ebene bei diesen Zeitsprüngen: Der Film erzählt zwei Geschichten. In den Rückblenden erzählt er eine Geschichte über Mut und über die Grenzen des menschlichen Geistes. Ryland Grace will! nicht!! auf!!! diese!!!! Reise!!!!! Er wird in sie hinein getreten letztlich mit dem Argument, es sei doch egal, ob er hier unten binnen weniger Jahre sicher sterben werde – weil die Ressourcen knapp würden und die Weltgemeinschaft aus acht Milliarden Homo Sapiens einfach nicht in der Lage sei, zusammenzurücken – oder im All, aber mit der Ahnung, vielleicht seinem Heimatplaneten eine zweite Chance gegeben zu haben. Da zirkuliert im Kinosessel kurz die Frage, ob man denn eine solche Heimat von acht Milliarden Egoisten wirklich retten muss, und prompt hat einen der Film bei den Testikeln. Kunst soll zum Nachdenken anregen, im besten Fall verstören. Das besorgen diese Rückblenden.
Und als man gerade dabei ist, ein Nein, so einen Planeten muss man nicht retten zu rufen, erzählt der Film auf der Jetzt-Ebene die Geschichte einer interstellaren Freundschaft, die sich irgendwo zwischen E.T. und Abbot und Costello aus Denis Villeneuves Arrival (2016) gründet, weil Menschen (und Außerirdische) hier in der Lage sind, kollegial, kumpelhaft, freundschaftlich, emotional eng zusammenzuarbeiten. Kurz: Es gibt Hoffnung für die Menschheit – da draußen!

Der Film in seinem menschlichen Pragmatismus erinnert nicht zufällig an Ridley Scotts Der Marsianer (2015), in dem Matt Damon als Astronaut auf dem Mars vergessen wird, wo er sich dann mit den Gegebenheiten arrangiert und sich häuslich einrichtet. Die Romanvorlage damals stammt wie jetzt bei "Der Astronaut" von dem US-amerikanischen Science-Fiction-Schriftsteller Andy Weir.

Drew Goddard hat daraus ein Drehbuch destilliert, das überraschend, unterhaltsam und klug geschrieben ist mit wissenschaftlichen Dialogen, die die Frauen und Männer in weißen Kitteln zu Menschen wie Dich und mich auch noch in hinter Glaswänden luftdicht abgeschotteten Laboren machen: „Bitte analysieren Sie die Petrowa Probe. Eins noch: Der ganze Raum ist mit Argon gefüllt, machen Sie keinen Riss in Ihren Anzug.“ „Äh … bin ich entbehrlich? Wollen Sie mich deswegen?“, fragt der verunsicherte Schullehrer. „Das ist nicht der einzige Grund“, erwidert die wissenschaftliche Leiterin Eva Stratt. „Ist fast so, als sei es Ihnen egal, wenn ich draufgehe“, zögert der freundliche Lehrer hinter Glas. Auf diese Bemerkung folgt eine kurze Beratung der vor dem Glaslabor wartenden Militärs, die den Lehrer im undurchlässigen Laboranzug verunsichert. „Sekunde … müssen Sie das erst besprechen??“ Dann meldet sich die wissenschaftliche Leiterin wieder über das Mikrofon: „Der allgemeine Konsens hier ist, dass es besser wäre, wenn Sie nicht sterben.Plakatmotiv: Der Astronaut – Project Hail Mary (2026) In diesem kurzen Dialog, in dem sich die Kunst amerikanischer Drehbuchautoren bündelt, werden nach knapp 15 Filmminuten zwei der drei zentralen Charaktere hinreichend beschrieben.

Schritt für Schritt, unterbrochen von Rückblenden in jene Zeit auf der Erde, in der Lehrer Grace rekrutiert wurde und ein mögliches Gegenmittel fand, schauen wir Grace und Rocky zu, wie sie eine gemeinsame Sprache entwickeln, wie sie sich in ihren unterschiedlichen Atmosphären miteinander austauschen, wie sie der Lösung ihres doppelten globalen Problems näher kommen. Lord und Miller sind beide 1975 geboren, zwei Jahre, bevor Star Wars das Kino in eine neue Richtung trieb. In George Lucas' Weltraumoper spielte John Williams' Score mit dem London Symphony Orchestra eine treibende Rolle. Lord und Miller sind damit aufgewachsen, haben die lockere Sprache der Weltraumabenteurer von dort hier und da zu platt übernommen, aber übersehen, dass ihr "Project Hail Mary" keine herausgehobene Rolle für Filmmusik braucht. In dieser faszinierenden Geschichte über fremde Freunde wäre Stille der weitaus schönere Klang gewesen. Daniel Pembertons poppig-sphärische Musik lenkt ab von epochalen Begegnungen und interstellarem Austausch im lautlosen All.

Zu zweit ist man weniger allein, sagen der Volksmund und auch dieser Film, in dem dann Rocky die erlösende Idee für Graces individuelles Treibstoffproblem hat – und später dann Grace eine für Rockys Problem, von dem der noch gar nichts weiß. Es sind die ewig gültigen Gesetze der Physik, die die beiden unterschiedlichen Forscher der Lösung ihres interstellaren Problems näher bringen. Aber um überhaupt soweit zu kommen, brauchen die beiden ihren unangepassten Geist, um so weit zu kommen, dass sie sich aufeinander einlassen, der Mensch und der sechsgliedrige Stein.

Ryan Gosling in der Rolle des freundlichen, bescheidenen Lehrers ist ein Match. Gosling, der Komödie ebenso kann wie Action oder Drama und Machos genauso glaubhaft verkörpert, wie den fluffig besten Freund der Nachbarin (The Fall Guy – 2023; Barbie – 2023; The Gray Man – 2022; Aufbruch zum Mond – 2018; Blade Runner 2049 – 2017; Song to Song – 2017; La La Land – 2016) spielt den Lehrer in seiner prekären Lage auch in den ärgsten Situationen als unaufgeregten Pragmatiker. Er bleibt immer ruhig, neugierig, zugewandt und wird umstandslos zum großen Sympathieträger auf der Leinwand. Souverän überspielt er den Status als Superstar und erinnert an seine frühen Tage, als er schon ein guter Schauspieler, aber noch kein Superstar – und deshalb so menschlich geerdet rüberkam – war (The Nice Guys – 2016; The Big Short – 2015; Only God Forgives – 2013; Gangster Squad – 2013; The Place Beyond the Pines – 2012; The Ides of March – 2011; Crazy, Stupid, Love. – 2011; Drive – 2011; Blue Valentine – 2010; Lars und die Frauen – 2007; Wie ein einziger Tag – 2004; Mord nach Plan – 2002).
Seine Partnerin Sandra Hüller ("Vaterland" – 2026; "Anatomie eines Falls" – 2023; "The Zone of Interest" – 2023; Ich bin Dein Mensch – 2021; In den Gängen – 2018; Fack ju Göhte 3 – 2017; Toni Erdmann – 2016), die seine Chefin, die ESA-Projektleiterin Eva Stratt spielt, die ihn schließlich auf diese Mission zwingt, hat da nicht nur deshalb zunächst einen schweren Stand. Sie ist kühl, ganz auf das Ziel der Mission fokussiert, und geht, wie wir ja sehr bald erfahren, über Leichen. Aber dann singt die Missionschefin beim gemeinsamen Karaokeabend eine Coverversionen von Harry Styles' "Sign of the Times" („Hör auf zu weinen, es ist ein Zeichen der Zeit / Wir müssen weg von hier. wir müssen weg von hier. / Hör auf zu weinen, es wird alles gut. Mir wurde gesagt, das Ende naht.“) und wir merken, diese Frau ist eine Meisterin darin, Gefühle in sich einzukapseln und Entscheidungen zu treffen, die niemand wirklich fällen kann. Hollywood, diese Meisterin der Oberflächlichkeit, hebt Hüller auf ein neues Level; dass sie Menschen spielen kann, wissen wir ja schon. Hier zeigt sie, sie hat die Ausstrahlung für Bigger than Life.

Ein dem Leben und dem Menschen zugewandter Film, der die besten Eigenschaften solcher Klassiker wie 2001 – A Space Odyssey (wo zu den Klängen eines Wiener Walzers angedockt wurde, während hier ein Tango den Rhythmus des Manövers vorgibt), E.T., Contact und Arrival in sich vereint.

Wertung: 6 von 8 €uro
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