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Plakatmotiv: Der Löwe zeigt die Krallen (1980)

Der amtierende Superstar des Actionkinos lässt
es charmant als eleganter Diamantendieb angehen

Titel Der Löwe zeigt die Krallen
(Rough Cut)
Drehbuch Francis Burns
nach dem Roman "Touch the Lion's Paw" von Derek Lambert
Regie Donald Siegel (+ Peter R. Hunt + Robert Ellis Miller), USA 1980
Darsteller

Burt Reynolds, Lesley-Anne Down, David Niven, Timothy West, Patrick Magee, Al Matthews, Susan Littler, Joss Ackland, Isabel Dean, Wolf Kahler, Andrew Ray, Julian Holloway, Douglas Wilmer, Geoffrey Russell, Ronald Hines, David Howey, Frank Mills, Roland Culver u.a.

Genre Krimi, Romanze
Filmlänge 112 Minuten
Deutschlandstart
31. Oktober 1980
Inhalt

Chefinspektor Cyril Willis von Scotland Yard steht kurz vor seinem wohlverdienten Ruhestand. Als Abschluss seiner Laufbahn möchte der Gesetzteshüter unbedingt noch Juwelendieb Jack Rhodes hinter Schloss und Riegel bringen.

Um an ihn heranzukommen, setzt er die attraktive Kleptomanin Gillian auf Jack an. Gemeinsam sollen sie einen großen Diamantenraub über die Bühne bringen. Da in diesem inszenierten Coup jede Seite ein doppeltes Spiel zu spielen scheint, entpuppt sich Willis letzter Fall auch als sein schwierigster …

Was zu sagen wäre

Burt Reynolds ist einer der zugkräftigsten Stars im Hollywood-System, sein Name auf dem Plakat zieht die Massen ins Kino. Der Mann mit dem Schnäuzer gilt als Garant für das Besondere, wenn es um Action aus der Leinwand geht (Um Kopf und Kragen – 1978; Ein ausgekochtes Schlitzohr – 1977; Mein Name ist Gator – 1976; Abenteurer auf der Lucky Lady – 1975; Der Tiger hetzt die Meute – 1973; Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten – 1972; Beim Sterben ist jeder der Erste – 1972).

Um so erstaunlicher ist der Stimmungswechsel in seinem aktuellen Film, der sich nicht über Action definiert und weder was mit Tieren noch mit einer Safari zu tun, wie der deutscher Titel des Films vermuten lassen könnte. Offen gesagt rennt der deutsche Filmtitel ins Leere. Er suggeriert Gewalt und blutige Action. Aber die gibt es hier nicht. "Rough Cut" verfolgt die Tradition der Heist-Movies. Ein spektakulärer Diamantenraub wird geplant und am Ende ist die Frage zu klären: Klappt der Raub, oder nicht? Burt Reynolds tritt meistens souverän im Smoking auf, als sei er darin aufgewachsen; sein Charakter Jack Rhodes fährt außerdem ein goldenes Rolls Royce Cabriolet. Er führt das Leben eines Reichen und Schönen – und gelegentlichen Diamantendiebes. Gewalt spielt in seinen Plänen keine Rolle.

Erzählt wird eine Dreiecksgeschichte auf krimineller – leicht romantischer – Ebene. Ein Chiefinspector will noch wenige Tage vor seiner Pensionierung Rhodes überführen. Rhodes will Diamanten im Wert von 30 Millionen Dollar stehlen und außerdem seine für ihn erfreuliche und erotische Liaison mit der Gelegenheitsdiebin Gillian ausbauen, die wiederum der Chiefinspector für seine Zwecke einspannt. Plakatmotiv: Der Löwe zeigt die Krallen (1980) Das ist keine sehr spannende Konstellation auf den ersten Blick, denn natürlich ist schon eingangs klar, dass Superstar Burt Reynolds und Lesley-Ann Down (Der große Eisenbahnraub – 1978; Inspektor Clouseau – Der beste Mann bei Interpol – 1976) am Ende, wie auch immer ausgestattet, in den Sonnenuntergang gleiten werden.

Den Chiefinspector allerdings spielt nicht irgendein alter Zausel.

Sondern Sir David Niven, Weltstar des Kinos der 1940er bis 1960er Jahre und darüber hinaus (Flucht nach Athena – 1979; Tod auf dem Nil – 1978; Eine Leiche zum Dessert – 1976, Das Superhirn – 1969; Casino Royale – 1967; Der rosarote Panther – 1963; 55 Tage in Peking – 1963; Die Kanonen von Navarone – 1961). Was die Frage aufwirft, wie die Krimiromanze wirklich ausgeht, denn dass Sir David einfach nur in den angestaubten, unterfinanzierten Ruhestand geht, glaubt im Kinosaal keiner.

Das ist dann aber auch der einzig interessante Spannungsbogen, den der Film bietet. Im Großen und Ganzen sehen wir den Film über zwei attraktiven Menschen in eleganten Kleidern dabei zu, wie sie umeinander herumscharwenzeln, ihr Misstrauen nach und nach abschütteln, dabei doppelte Spiele spielen und Burt Reynolds zwischendurch mal in Deutschland und in einem Pariser Nachtclub Komplizen – alte Bekannte – für den geplanten Coup anheuert. Nur wirklich passieren tut halt nichts. Außer Schauwerten nichts gewesen, möchte man stöhnen.

Schauwerte ist durchaus positiv gemeint. Der Film ist die ganze Zeit schön anzuschauen – hier ein charmanter Pas de Deux, da Champagner schlürfen in mondänem Schloss, dort witzige Wortgefechte während einer Überlandfahrt im offenen Royce. Und immer Burt Reynolds mit seinem Mir-kann-keiner-Lächeln im Gegenschnitt zu David Niven als Netze knüpfende Scotland Yard-Spinne.

Dennoch werde ich als jemand, der in einen BURT REYNOLDS-Film geht, enttäuscht. Es gibt nicht eine Prügelei, keine Schießerei und keine ernst zu nehmende Autojagd. Die Tigerkrallen aus dem deutschen Filmtitel rekurrieren auf die Romanvorlage mit dem Originaltitel "Touch the Lion's Paw" (also sowas wie Berühre die Pfote des Löwen). Die Verbindung zu den Löwen und ihren Krallen wird in diesem Roman sicher deutlich. Nicht so im Film, der im Original den unverfänglicheren Titel "Rough Cut" trägt, was auch keine Neugierde bei potenziellen Zuschauern weckt. Aber den ins deutsche übersetzten Rohschnitt kann man wenigstens irgendwie mit der Diamantenverarbeitung (schleifen, schneiden), die im Film eine Rolle spielt, in Verbindung bringen.

"Rough Cut" ist ein Sonntagnachmittag-Film, bei dem man sich bei einer Tasse Tee über die schönen Menschen und ihre bisweilen elegant doppeldeutigen Dialoge freut, und die Kinder nicht aus dem Zimmer schicken muss.

Wertung: 4 von 9 D-Mark
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