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Kinoplakat: xXx - Die Rückkehr von Xander Cage
Ordentlicher Action-Spaß, der
hinter seinen Vorgängern bleibt
Titel xXx – Die Rückkehr des Xander Cage
(xXx: Return of Xander Cage)
Drehbuch F. Scott Frazier
mit Charakteren von Rich Wilkes
Regie D.J. Caruso, USA 2017
Darsteller
Vin Diesel, Donnie Yen, Deepika Padukone, Kris Wu, Ruby Rose, Tony Jaa, Nina Dobrev, Rory McCann, Toni Collette, Samuel L. Jackson, Ice Cube, Hermione Corfield, Tony Gonzalez, Michael Bisping, Al Sapienza u.a.
Genre Action
Filmlänge 107 Minuten
Deutschlandstart
19. Januar 2017
Website returnofxandercage.com
Inhalt

Nach einem Zwischenfall wurde Xander Cage für tot erklärt. Doch in Wahrheit ist der einst zum Agenten ausgebildete Extremsportler quicklebendig. In einer neuen geheimen Mission wird er von der CIA-Agentin Jane Marke auf einen gefährlichen Auftrag geschickt. Der Krieger Xiang und sein Team düsterer Handlanger haben sich eine Waffe namens „Pandoras Box“ unter den Nagel gerissen. Mittels dieses Kastens kann die Umlaufbahn von Satelliten geändert werde – wer die Box kontrolliert, kann Satelliten auch gezielt auf die Erde stürzen lassen. Auf diese Weise wurde auch Cages Freund und Mentor Augustus Gibbons getötet. Das ist die einzige Motivation, die Cage aus seinem selbstgewählten Südsee-Insel-Rückzufsort wieder in die Arme der CIA treibt. Er nimmt den Auftrag an, lehnt aber das Team aus Soldaten und Agenten, das Jane Marke ihm aufdrängt, ab; vielmehr rekrutiert er alte Bekannte, die ihn unterstützen sollen.

Sie spüren Xiangs Team auf einer Party auf. Cage findet heraus, dass sie ebenfalls zum Triple-X-Programm gehören. Xiang will die Büchse behalten, während alle anderen sie zerstören wollen. Die Party wird von einer paramilitärischen Einheit gestürmt, doch Cage und die anderen können mit der Büchse entkommen. Es stellt sich heraus, dass dies nur ein Prototyp ist, und die wahre Büchse noch immer im Umlauf ist.

Ein weiterer Satellit wird abgelenkt. Das Signal wurde von Detroit aus versendet, wo sich die wahren Hintermänner in einem Lagerhaus verstecken. Beide Triple-X-Teams wollen die Büchse besitzen, und so kommt es zum Wettrennen zwischen Cages und Xiangs Leuten. Cage kann die Büchse sicherstellen und die Gegner ausschalten. Zusammen mit Xiang bringt er die Büchse zu Marke ins Flugzeug. Nach dem Start eröffnet diese ihnen, dass sie die Büchse für eigene Zwecke nutzen will …

Was zu sagen wäre
Der Held bastelt, als wir ihn nach 15 Jahren wiedersehen, an einer sehr hohen Antennenkonstruktion herum, springt, an den Füßen handelsübliche Skier, in den Urwald, rutscht auf den Skiern den Wald hinab, kommt irgendwann an eine Stelle, an der ihm die Ski nicht mehr nützen. Kinder reichen ihm ein Skateboard und der Downhillride geht mit Affenzahn weiter. Am Ende hat er mit seinem Stunt – nicht etwa russische Raketen zerstört odermilliardenschwere Finanzschiebereien verhindert. Er hat seinen Freunden auf einer abgelegenen Südsee-Insel die Möglichkeit beschert, ein Fußballspiel live im Fernsehen zu verfolgen. Mit diesem Augenzwinkern ist der Ton dieses Films gesetzt: Bloß nicht ernst nehmen. Zurücklehnen und überrollen lassen. Das allerdings gelingt dann nur so halb.

Seit Vin Diesel verstanden hat, dass man in seinem Genre des Actionfilm mit der Große-Bruder-Nummer weiter kommt als mit der coolen Arschlochpose, wirken auch die Filme, deren Plakate er ziert, entspannter und der Irrationalität ihrer Geschichten angemessener. Dass Diesel im Zweifel auch schauspielern kann – also richtig – hat er unter Sidney Lumet („Find me guilty – Der Mafiaprozess“ – 2006) bewiesen; das wollte niemand sehen. Also gibt er seither den voll tätowierten Alleskönner mit Cool Attitude, der zwischen zwei Gigs mal eben zehn Topmodels befriedigt und am nächsten Morgen, seinen Spitzenhöschen-bewährten Spielplatz betrachtend, stöhnt „Was man so alles für sein Land tut!“

Gleich zu Beginn verabschiedet sich Samuel L. Jackson aus der Serie, dessen seit jahren Dauerpräsenz in gefühlt jeder Hollywoodproduktion beginnt, einem auf die Nerven zu gehen. Und prompt liefert er eine seiner sehenswerteren Auftritte. Wer aufhört, hat den meisten Spaß. Jackson hatte ihn während seiner kurzen Drehzeit offensichtlich. Auch wenn er letztlich nur seine Avengers-Nick-Fury-Rolle wiederholt – der von den Toten Auferstandene (oh, das ist kaum ein Spoiler. Das ist bei Filmen dieser Art von Beginn an klar).

Es gibt dann die unvermeidliche Recruiting-Scene, in der die stiernackigen Wir-haben-schon-alles-gesehen-Du-Arschloch-Marines durchfallen gegen „The Good, The Bad, The Extreme and The completeley Insane“ – eine Scharfschützin, die Löwen schützt, ein durchgeknallter, aber perfekt vorbereiteter Stunt-Driver und ein abgebrühter DJ – „This is a Team I can work with!“ Das alles ist Comicstyle. Und auf der Ebene kann man dem Film wenig vorhalten. Mehr will er gar nicht sein. Ist er also gut in dem, was er sein will?

In solchen durchkalkulierten Filmen ist die Riege der Darsteller nach kontinentaler Zugehörigkeit austariert – der Film soll sich ja in aller Welt verkaufen – ist jede Figur auf ihre Bankability beim Zuschauer abgeklopft; niemand folgt in solchen Filmen realistischen Mustern, alle erfüllen ein Klischee. Die Klasse des jeweiligen Films zeigt sich darin, ob der Autor verstanden hat, das Klischee befriedigend zu bedienen. Im vorliegenden Fall ist das Becky. Großer Fan von Xander. Lange braune Haare. Große Hornbrille. „Ich bin alles, was Du brauchst. Ich kann alles bedienen“, sagt sie etwa, während sie Xander in dessen Kampfmontur zippt.
„Ich bin kein Field-Agent. Ich gehe nicht raus ins Feuer.“
„Aber das ist der Platz, wo der ganze Spaß passiert.“, grinst Cage und sie antwortet abschätzig grinsend, „Ja. Spaß ängstigt mich. Menschen ängstigen mich. Waffen ängstigen mich. Menschen mit Waffen ängstigen mich ganz besonders. Und wenn ich verängstigt bin, kann ich meinen Job nicht erledigen. Und wenn ich meinen Job nicht erledigen kann, sterben Leute. Und wenn Leute sterben, wen soll ich dann High-tech-mäßig unterstützen? Genau genommen: Niemand! Aber ich werde immer dafür sorgen, dass Sie sicher sind!“

In einem Kommerzprodukt wie diesem strahlt diese eine Szene nicht nur menschliche Wärme aus, sondern auch Erotik, und wir fragen uns ab dieser Szene natürlich, ob – beziehungsweise wann – diese Extreme-Nerd doch ins Feld muss – und schließlich gar mit Xander um die Häuser streifen darf. Nina Dobrev (Vielleicht lieber morgen – 2012) genießt ihre Rolle als Becky – scheint ihr Spaß zu machen, alle Klischees durchzudeklinieren. Und in alldem sehr sexy. Eine Figur, der das männliche Publikum (weibliches gibt es in solchen Filmen eher selten) hinterher hechelt. Dass Becky es dann „fucking awsome“ findet, mehrere Schurken mit ihrer Uzi abzuknallen, muss man als aufgeklärter Humanist natürlich verurteilen. Aber aufgeklärte Humanisten bilden im Kinosaal eine Minderheit und auch die wird sich an Xander Cages Überlebensregel im Kugelhagel freuen: „Sei immer da, wo die Kugeln nicht sind!“

Soll ich ernsthaft monieren, dass da zwei Motorräder durch Wellentunnel surfen? Filme wie dieser sind mehr Fantasy als Fiction. Wer ein Ticket für den Weltmeister der Oberarmmuskeln löst, will Action over the Edge. Und da macht der Film wenig falsch – und dennoch alles. Lässt man sich auf solche Filme ein, beteiligt man sich als Totengräber des Kinos. Da sitzt man, futtert Nachos, hat Spaß und nach zwei Stunden geht man ohne einen weiteren Gedanken an diesen Film zu verschwenden heim – und hat Hunger. Solche Filme sättigen so wenig wie die dazu gereichten Nachos. Und selbst in der oben angedeuteten Galaxis der Actionfilme bleibt dieser zweite Triple-X-Aufguss hinter seinen Möglichkeiten. Die Serie war 2002 mal mit den Lorbeeren eines „neuen James Bond“ geadelt worden. Ein Agent für das 21. Jahrhundert, hieß es, mit rauem Charme, tätowiert, schmutzig und fernab jeglicher Martinis. Ein klitzklein bisschen war da was dran. Die Figur des Xander Cage, eines Extremsportlers in Agentenkreisen, versprach Bildwitz und verdrehte Ideen. Aber nach dem ersten Film packte Vin Diesel der Größenwahn, das Studio wollte seine – angeblich überzogenen – Gagenvorstellungen nicht teilen und holte statt seiner Ice Cube ins Team. Diesel backte in den Folgejahren kleine Brötchen, tauchte als „Babynator“ (2005) auf, scheiterte mit dem erwähnten Sidney-Lumet-Film am Box Office und schlug sich mit den Riddickfilmen durch, in denen er nicht viel zu tun bekam, außer zu grunzen und zu schießen. Dann kam The Fast and the Furious und für Diesel wurden die Karten neu gemischt.

„Die Rückkehr des Xander Cage“ ist Reißbrettkino. Austauschbar gegen jeden anderen aktuellen Actionfilm.

Wertung: 3 von 8 €uro
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