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Plakatmotiv: Der Exorzist III (1990)
Ein Romanautor besinnt sich auf die
Grundzüge filmischen Erzählens
Titel Der Exorzist III
(The Exorcist III)
Drehbuch William Peter Blatty
nach seinem Roman „Legion“
Regie William Peter Blatty, USA 1990
Darsteller George C. Scott, Ed Flanders, Brad Dourif, Jason Miller, Nicol Williamson, Scott Wilson, Nancy Fish, George DiCenzo, Don Gordon, Lee Richardson, Grand L. Bush, Mary Jackson, Viveca Lindfors, Ken Lerner, Tracy Thorne u.a.
Genre Thriller, Horror
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
31. Januar 1991
Inhalt

In der Stadt Georgetown treibt ein Mörder sein Unwesen, dessen Art zu töten an den sogenannten Gemini-Killer erinnert. Der wurde aber schon vor 15 Jahren zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Bei seinen Ermittlungen stößt Lt. William 'Bill' Kinderman in einer psychiatrischen Anstalt auf den Patienten X, der sich als der totgeglaubte Pater Damien Karras entpuppt. Doch Pater Karras ist von der Seele des Gemini-Killers besessen und muss morden. Alle Opfer sind eng mit den Ereignissen vor 15 Jahren verbunden …

Was zu sagen wäre

William Peter Blatty wählt eine interessante Art der Inszenierung: Über weite Strecken, wenn es um Informationsaustausch der Protagonisten – und eigentlich um Informationsgewinn für den Zuschauer – geht, filmt er Talking Heads und diese ohne jede Score-Untermalung. Da reden zwei alte Männer, tauschen mit Sarkasmus ihre Sehnsüchte aus und die Musik schweigt einfach mal. Blatty filmt seine Bestseller-Fortsetzung, als habe er aus Kostengründen mit den einfachsten Mitteln arbeiten müssen – Montage, Schauspielerei, Dramaturgie – also mit dem elementaren Handwerkzeug des Filmemachers. Das ist , tatsächlich, teuflisch spannend. Viel unheimlicher als komplizierte Perspektiven, schräge Schatten oder was Regisseuren sonst so fürs Genre einfällt. Vielleicht ist das der spannungserzeugende Faktor: William Peter Blatty ist Schriftsteller, kein Filmemacher. Blatty verfällt keiner reinen Bilderlust. Seine Einstellungen sind immer klar, wir im Kinosessel wissen jederzeit, wo wir sind – und was um uns herum ist. Obwohl Blatty hin und wieder Monstergurgelgeräusche in die Tonspur einbaut oder die eleganten, historischen Fassaden Georgetowns in nächtlichen Neben hüllt, erzeugt er den eigentlichen Schrecken im Realen – nah an der Kunst Stephen Kings. Irgendwann hat Blatty uns soweit, dass wir senkrecht im Kinosessel sitzen, weil das Pendel einer Uhr nicht mehr pendelt, dass wir unter den Sitz springen bei einem Bettlaken-Gespenst in durchschnittlicher Bildmontage und einfachem Soundeffekt.

Der Schriftsteller Blatty vertraut als regisseur auf seine Texte. Da inszeniert ein Autor, der auf dem Regiestuhl über kaum Erfahrung oder wenigstens Ausbildung verfügt, den von ihm erfundenen Horror eben so, wie er es kann. Mit Worten, statt mit Nebeleffekten … und mit George C. Scott. Scott hat großen Spaß an seiner Rolle des alt gewordenen Cops, der seinem Umfeld nur noch mit Zynismus begegnet und in Father Dyer einen wunderbaren Sparringspartner in Sachen Verderbtheit hat. Es gibt ziemlich zu Beginn eine Szene, in der er erzählt, dass seine Schwiegermutter einen Karpfen zubereitet, aber weil sie glaubt, dass ein toter Karpfen unsauber ist, hat sie einen lebenden Karpfen gekauft, der nun seit drei Tagen in seiner Badewanne schwimmt – „Und Sie stehen mir nah gegenüber. Und wie Sie vielleicht riechen, habe ich seit Tagen nicht geduscht!“ Und während Scott diesen kleinen Monolog spricht, kann sich Ed Flanders in seiner Rolle als Pater Dyer kaum halten vor Lachen.

Scott erweist sich aber neben dieser zynischen Nummernrevue als die perfekte Besetzung des alten, früher-war-vieles-besser-Cops: „Die ganze Welt ist ein Mordopfer, Vater. Würde ein barmherziger Gott etwas wie den Tod erfinden? Das war ein mieser Einfall. Nicht sehr beliebt.“ „Sie geben Gott die Schuld?“ „Wem sonst?“ „Sie wollen nicht ewig leben?“ „Doch.“ „Nein, wollen Sie nicht. Sie würden sich langweilen.“ „Ich habe Hobbys. Aber bis dahin haben wir Krebs, mongoloide Babies und Mörder; Monster, die durch die Welt schleichen. Sogar durch diese Gegend hier. In diesem Moment leiden unsere Kinder und geliebte Menschen sterben. Und Ihr Gott tanzt munter Walzer durchs Universum, wie eine kosmische Billie Burke.“ Auch diesen frühen, zentralen Dialog inszeniert Blatty als Close-Up-Talking-Heads, wobei er sich ganz auf seine Schauspieler verlassen kann; vor allem George C. Scott spielt in diesem Moment ergreifend. Sein Trauer-umflorter Blick auf die Realität, die er nicht ändern kann, ist wunderbar. Sehr lebt der Film über seine beiden Hauptfiguren – Kindermann und Dyer – die sich wunderbare Odd-Couple-Streitereien liefern. Grumpy Old Men, die ohne einander nicht wollen. Umso schmerzhafter ist tatsächlich der Tod des einen der beiden.

Scott ist für diesen, naja, zweiten Aufguss eines Klassikers die ideale Besetzung, um Langeweile, um Desinteresse gar nicht erst aufkommen zu lassen. Seine Figur reißt mit, sein zynischer Cop macht menschlich, was da bald als Übermenschliches auf uns niederprasselt. Und dass William Peter Blatty selbst die Fortsetzung geschrieben und inszeniert hat, war ein guter Schachzug im Exorzist-Franchise. Blatty belebt die zweiflerische Ader des Originals an allem Übersinnlichen. Die Zweifel des Cops sind schnell wieder die Zweifel des Zuschauers, der sich nicht mit irgendeinem gruseligen Fabelwesen auseinandersetzen muss, sondern mit dem Teufel persönlich, also mit der eigenen Provenienz – ob evangelisch oder katholisch … vor dem Teufel haben wir alle Angst.

Scott zur Seite spielt als Antagonist in einer kleinen, aber überaus wichtigen Rolle Brad Dourif als Geminine-Killer – wunderbar gruselig! Er wechselt sein Gesicht mehrfach mit dem des Father Karras aus dem Originalfilm von 1974, ohne dass die SFX-Abteilung da hätte tätig werden müssen. Regisseur Blatty reichen punktgenaue Bildschnitte für seinen Horror. Denn auch das gehört zur Wahrheit dieses  Films: Nehmen wir die nackte Story auseinander, ist sie ein wenig hausbacken. Wo John Boorman in der ersten Fortsetzung aus jenem christlich einzigartigen Luzifer des Originals mal schnell einen Heuschrecken-Dämon unbekannter, beziehungsweise egaler Provenienz gemacht hatte, erzählt Blatty hier eine Art Stellvertreterkrieg, indem er uns weiß macht, dass Luzifer gar nicht selbst höllisch sein muss, weil er jederzeit Menschen instrumentalisieren kann – der Einfachheit halber dann psychisch Kranke in entsprechenden Kliniken. Das ist nicht wirklich innovativ spannend; das wird auch Blatty wissen. Umso interessanter ist es zu sehen, wie er mit filmischen Mitteln diese begrenzte Spannung in der Handlung in einen echten Nail-biting-Thriller übersetzt.

Wertung: 8 von 10 D-Mark
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