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Plakatmotiv: Lady Macbeth (2016)
Victorianische Erstarrung
in Bild, Ton und Mord
Titel Lady Macbeth
(Lady Macbeth)
Drehbuch Alice Birch
nach dem Roman „Die Lady Macbeth von Mzensk“ von Nikolai Leskow
Regie William Oldroyd, UK 2016
Darsteller Florence Pugh, Cosmo Jarvis, Paul Hilton, Naomi Ackie, Christopher Fairbank, Golda Rosheuvel, Anton Palmer, Rebecca Manley, Fleur Houdijk, Cliff Burnett, David Kirkbride, Bill Fellows, Nicholas Lumley, Raymond Finn, Ian Conningham u.a.
Genre Drama
Filmlänge 89 Minuten
Deutschlandstart
2. November 2017
Inhalt
Die junge Florence wurde aus Standesgründen und gegen ihren Willen mit einem deutlich älteren Mann verheiratet. Dementsprechend ist sie bereits von Beginn der arrangierten Ehe an völlig unglücklich. Und als wenn das noch nicht schlimm genug wäre, wird sie auch noch von ihrem Ehemann unterdrückt. Während ihr Schwiegervater und ihr Mann auf längerer Geschäftsreise sind, lernnt sie Sebastian kennen, einen jungen Arbeiter auf den Ländereien ihres Ehemannes. Sie beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit ihm

Da sie wenig unternimmt, um ihre Affäre mit dem Knecht geheim zu halten, kommt ihr Verhalten auch dem Pfarrer zu Ohren. Als er ihr Vorhaltungen macht, wirft sie ihn aus dem Haus.

Der Schwiegervater kommt zurück. Er startet eine Strafaktion, quält und demütigt sie. Also serviert sie ihm ein Gericht aus giftigen Pilzen, er wird krank, und stirbt kurz darauf. Er wird beerdigt, ohne dass jemand Verdacht schöpfen würde.

Katherine übernimmt die Verwaltung des Guts und lebt offen mit Sebastian zusammen. Eines Nachts taucht der Ehemann wieder auf …

Was zu sagen wäre

Ein einsam gelegenes Herrenhaus. Der Fußboden knarzt. Jeder Schritt hallt von leeren Wänden wider. Von draußen zieht feuchte Kälte durch die Ritzen. Stumm schleichen die Bediensteten durch die Gänge. Auf dem Diwan im Salon sitzt einsam Katherine, jung verheiratet mit einem Mann, der sie nicht anfasst. Unter der Knute eines Schwiegervaters, der sie erniedrigt und ihr verbietet, das Haus zu verlassen.

Dieser Film ist das Portrait einer Frau, die eigentlich keine Chance im leben hat, aber die erste nutzt, als die sich bietet. Und es stellt sich heraus, dass sich hinter ihrem sanften Puppengesicht der Teufel versteckt, der jetzt ausbricht. Am Ende sind drei Menschen tot, zwei weitere werden dafür am Galgen hängen. Und durch das große, einsame Haus zieht feuchte Kälte, die die mLady frösteln lässt.

Plakatmotiv (US): Lady Macbeth (2016)William Oldroyd leistet sich den Luxus langer Einstellungen in Verbindung mit einer langen Einleitung, sparsamem Score, wenigen Dialogen und vielsagenden Blicken. Oldroyd, der zuvor erst drei Kurzfilme gedreht hat, inszeniert einen viktorianischen Psychothriller im Hochmoor Nordenglands und malt mit kalter Klarheit das Bild einer pervertierten Gesellschaft. Die starren patriarchalen Strukturen der viktorianischen Ära beherrschen und deformieren alle Figuren im Stück.

Ehemann Alexander ist ein Sadist, angetrieben von der Gier seines unbeugsamen Vaters, der nur die Macht des Geldes anerkennt. Indem er die ihm aufgezwungene Frau demütigt, kann er ihr seine Verachtung zeigen. Diese Gewalt zieht sich durchs ganze Personal. So, wie Katherine von Schwiegervater und Gatten behandelt wird, geht sie mit der schwarzen Hausangestellten Anna um. Sie lernt, sich zu wehren. Ihre Morde sind keine blinden gewaltdelikte. Sie sind konsequent in dieser kalten Welt.

Auch Florence Pugh steht noch ganz am Anfang ihrer Karriere. Sie spielt Katharine. Und wenn sie so weiterspielt, dauert die Karriere sicher noch lange. Anfangs, noch unterm Brautschleier, wirkt sie verletzlich, später eher verwundert über das seltsame Gehabe ihres Mannes, aber schon da huscht ihr ein Lächeln übers Gesicht, das offen lässt, ob sie sich lustig macht oder einfach amüsiert ist. Ganz zurückgenommen spielt sie die tödliche Lady, die tut, was sie glaubt tun zu müssen um frei leben zu können. Man sieht ihr die innere Autorität an, die ihr im Laufe des Films zuwächst.

Es ist kein mitreißender Film. Hinge er als Bild im Museum, würde ich lange davor stehen und akademisch die Einzelheiten in mich aufnehmen, sie einordnen und darüber nachdenken. Diese Art Kino schien ausgestorben. Schön, dass es doch noch lebt.

Wertung: 6 von 8 €uro
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