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Kinoplakat: Westworld
Albtraum Freizeitpark: Wir
amüsieren uns zu Tode
Titel Westworld
(Westworld)
Drehbuch Michael Crichton
Regie Michael Crichton, USA 1973
Darsteller

Richard Benjamin, James Brolin, Yul Brynner, Norman Bartold, Alan Oppenheimer, Victoria Shaw, Dick Van Patten, Linda Gaye Scott, Steve Franken, Michael T. Mikler, Terry Wilson, Majel Barrett, Anne Randall Julie Marcus, Sharyn Wynters u.a.

Genre Science Fiction
Filmlänge 88 Minuten
Deutschlandstart
24. Januar 1974
Inhalt

Urlaub im Freizeitpark – Urlaub in Delos, einer gigantischen, in drei Zonen geteilte Anlage im Nirgendwo der texanischen Steppe. Hier kannst Du Revolverheld im Wilden Westen, edler Ritter im Mittelalter oder stolzer Römer im dekadenten altertum sein, für ein paar Tage – à 1.000 Dollar. Delos ist das neuste Ding.

Kinoplakat (US): WestworldPeter Martin und John Blane haben sich im Wilden Westen eingebucht. John war schon mal hier und hat seinen Spaß. Peter ist neu. Ein braver Anwalt aus Chicago, der eine hässliche Scheidung hinter sich hat. Er hat … Berührungsängste. Aber die legen sich schnell. Im Saloon legt sich ein schwarz gewandeter Revolverheld mit Peter an. Peter zieht schneller, der Schwarze liegt tot am Boden. John nimmt Peter dessen Schrecken – hat er einen Menschen erschossen? John versicherrt ihm, mit seinem Revolver könne Peter keinen Menschen töten: „Es wirkt vielleicht unheimlich. Aber es ist immer noch ein Urlaubsparadies!“

Die Androiden können „verletzt“ oder „getötet“ werden, Menschen kann durch eine spezielle Sensorik in den Waffen nichts passieren. In dieser Nacht feiern die beiden Freunde bei Miss Carrie. Peter hat sich schnell eingewöhnt. Während die Delos-Leitung die getöteten, dysfunktionalen Roboter einsammelt und über Nacht repariert, hat Peter seinen Spaß mit einem Mädchen aus Miss Carries Salon – einem Maschinenmädchen.

Am nächsten Morgen steht der schwarz gewandete Revolverheld in Johns Tür. Peter kann ihn – wieder – in Notwehr erschießen – und wird verhaftet, kann aber aus dem Gefängnis ausbrechen. Das war eigentlich nicht vorgesehen, in den unterirdischen Laboren der Delos-Anlage rotieren die Wissenschaftler. Offenbar gibt es einen Fehler im System, es kommt immer wieder zu Störungen in den automatisierten Abläufen zu Fehlfunktionen bei den Robotern: Daphne, eine „Hofdame“ im mittelalterlichen Schloss sollte sich dem Gast eigentlich willig hingeben, statt dessen ohrfeigt sie ihn. Ein schwarzer Ritter stellt sich als weit weniger leicht zu besiegen heraus, als programmiert war. Und der Revolverheld taucht auch wieder auf, aber diesmal zieht er schneller, ein Gast verendet in der Lache seines Blutes.

Und unter der Erde in den Labors sitzen die Wissenschaftler fest. Die Elektronik hat sie eingeschlossen un die Klimaanlage abgestellt. Die weniger werdenden Gäste sind auf sich allein gestellt – gegen machtvolle Roboter …

Was zu sagen wäre

Ein Albtraum. Ein Urlaubsspaß endet im Terror der Maschinen, die sich über den Menschen erheben. Michael Crichton denkt hier konsequent eine Entwicklung zu Ende, die in „Disneyworld“ schon weit fortgeschritten ist – der ultimative, unschuldige Kick, ein geschützter Raum, in dem Du Deine Triebe ausleben kannst. Um so etwas zu schaffen, braucht man sehr ausgefeilte Technik – je ausgefeilter die Technik, desto schwerer ist die zu beherrschen.

Kinoplakat (US): WestworldCrichton, der schon in seinem Roman „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (1971) die Folgen wissenschaftlicher Hybris geschildert hat, erzählt seine Geschichte im Rahmen des klassischen Dramas. Der Held im Mittelpunkt ist unser Alter Ego, angeleitet durch einen Freund, der sich in dieser Welt schon auskennt – eine Mentor-Figur, die beizeiten aus dem Spiel genommen wird, auf dass der Held, dessen Hintergrund in einem 30-Sekunden-Dialog hinreichend vertieft wurde, um mit ihm zu bangen, sich alleine bewähren muss.

Das Böse taucht in Form eines Revolverhelden auf, dem Yul Brynner die Züge seines Chris aus den Glorreichen Sieben (1960) gibt – nur diabolischer. Bewundernswert, mit wie wenigen Mitteln Brynner („Spion zwischen zwei Fronten“ – 1966; „Mohn ist auch eine Blume“ – 1966; „Taras Bulba“ – 1962; Die Zehn Gebote – 1956; Der König und Ich – 1956) maximale Bedrohung erzeugt. Eine große Qualität überhaupt des Drehbuchs.

Der gezeigte Alltag im Mittelalter oder in Westworld hat TV-Rauchende-Colts-Charakter, immer wieder gebrochen durch Blicke ins Innere des Parks, wo Computer tickern und Männer in weißen Kitteln Menschen die gesichter abnehmen und deren Inneres reparieren. Dass sie bei einem Sex-Roboter, die/der sich unerwartet zur Wehr setzt, ausgerechnet den Unterleib öffnen, ist eine chauvinistische Spitze, die 1973 noch möglich war. Das naive TV-Serien-Ambiente und das unheimliche Labor ergeben zusammen eine komplexe Wahrheit: Man kann sich nicht auf Kosten anderer amüsieren, ohne dafür zu bezahlen – auch ncht auf Kosten von Maschinen.

Große Idee, klasse Umsetzung. Fantastische Science Fiction.

Wertung: 8 von 8 D-Mark
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