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Kinoplakat: Wer Gewalt sät
Nachvollziehbar. Menschlich.
Dustin Hoffman perfekt besetzt
Titel Wer Gewalt sät
(Straw Dogs)
Drehbuch David Zelag Goodman + Sam Peckinpah
nach dem Roman "The Siege of Trencher's Farm" von Gordon Williams
Regie Sam Peckinpah, USA 1972
Darsteller Dustin Hoffman, Susan George, Peter Vaughan, David Warner, T.P. McKenna, Del Henney, Jim Norton, Donald Webster, Ken Hutchison, Len Jones, Sally Thomsett, Robert Keegan, Peter Arne, Cherina Schaer, Colin Welland u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
30. März 1972
Inhalt

Kinoplakat: Wer Gewalt sät (1971)Der junge amerikanische Mathematiker David Sumner und seine Frau Amy ziehen für einige Wochen in das Haus von Amys verstorbenem Vater in deren Herkunftsort, einer kleinen ländlichen Gemeinde in England. David will dort in Ruhe arbeiten. aber durch eine unvorsichtige Bemerkung Amys entsteht das Gerücht, er verstecke sich im Ausland vor der zunehmenden Politisierung an den US-Universitäten in Folge des Vietnamkriegs.

Darüberhinaus entfacht Amy, die offenherzig mit ihren Reizen spielt, die erotischen Phantasien einiger Dörfler, die im Auftrag der Sumners an einer Garage bauen und somit ständig auf dem Grundstück sind. Davids linkische Art erregt schnell die Verachtung der Dorfbewohner, und immer wieder versuchen diese, den jungen Amerikaner vorzuführen und zu demütigen. Die Feindseligkeit der Dorfbewohner wird besonders deutlich, als das Ehepaar eines Abends seinen Kleiderschrank öffnet und darin entsetzt seine erhängte Katze vorfindet.

Einige Tage später laden vier Dorfbewohner den arglosen David zu einer Jagdpartie ein. Ein anderer, Charlie Venner, der Amy schon früher begehrt hat, nutzt die Situation, um sie zu vergewaltigen. Während er noch anwesend ist, wird sie von einem weiteren Dorfbewohner ebenfalls vergewaltigt. David erfährt nichts davon, doch ist sein Verhältnis zu Amy danach zunehmend distanziert.

Bei einem Dorffest, an dem beide teilnehmen, überredet das junge Mädchen Janice Hedden den geistig zurückgebliebenen Henry Niles, ihr nach draußen zu folgen und versucht, ihn zu verführen. Als Janice gehen will, tötet Niles sie unabsichtlich und flieht verwirrt in die Nacht. Auf dem Weg nach Hause läuft David und Amy der verwirrte Niles auf der nächtlichen Landstraße ins Auto. Sie nehmen den Verletzten mit zu sich nach Hause. David ruft im Restaurant an und fragt nach einem Arzt.Daraufhin begint sich ein aus fünf Männern bestehender Lynchmob zu Davids Haus und verlangt die Herausgabe von Niles. David lehnt das ab. Es fallen Schüsse. Kurz darauf ist das Haus belagert von schießwütigen, zu allem entschlossenen Männern mit Gewehren und Fackeln.

Davis rafft alles zusammen, was sich im Haus zur Verteidigung eignet und während Amy darauf besteht, Niles an die Männer auszuliefern, vollzieht sich bei ihm eine beängstigende Verwandlung ...

Was zu sagen wäre

Ein zeitloser Klassiker. Das Remake, das vierzig Jahre später entstand, machte zwar deutlich, dass die Message etwas aus der Zeit gefallen ist. aber Peckinpahs Handschrift, die kalte Konsequenz, mit der er den Gewaltexzess friedliebender Bürger auf die Spitze treibt, suchte zur Hochzeit der 68er-Flower-Power-Bewegung ihresgleichen. Wie immer mit seinen Filmen musste sich Peckinpah gegen den Vorwurf, er verherrliche Gewalt, wehren. Auch heute noch kommt der Film meist nur in verstümmelter Version zur Aufführung - obwohl längst Filme wie „Saw“ oder „Hostel“ die explizite Gewaltdarstellung in Höhen geschraubt haben, gegen die Peckinpahs Gewalt Kindergarten ist.

Was damals wie heute viele Menschen verstört, ist Peckinpahs Blick auf die Mechanismen der Gewalt und Dustin Hoffmans exzellente Interpretation des getriebenen Tiers. Seit seinem Auftritt in Die Reifeprüfung (1967) war Hoffman in den Augen der Zuschauer damals stets der nette, etwas linkische, jedenfalls nicht zu Gewlt neigende Held in Filmen wie Little Big Man (1970) oder „Midnight Cowboy“ (1969). Bei Peckinpah mutiert er zum Mitglied einer Rasse wilder, blutgieriger Tiere, die nur mühsam durch den dünnen Firnis Zivilisation abgehalten werden, um sich zu schlagen.

Dem Film fehlt jede Ironie; der Zuschauer hat keine Chance, bei einem coolen One-Liner erleichtert aufzulachen. Gewalt bleibt Gewalt. Sie ist nicht schön. Aber sie ist unausweichlich, sagt der Film.

Wertung: 10 von 10 D-Mark
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