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Kinoplakat: Vernetzt
08/15-Actionstory
aus der Cyberworld
Titel Vernetzt – Johnny Mnemonic
(Johnny Mnemonic)
Drehbuch William Gibson
Regie Robert Longo, Kanada, USA 1995
Darsteller

Keanu Reeves, Dina Meyer, Dolph Lundgren, Ice-T, Takeshi Kitano, Barbara Sukowa, Udo Kier, Denis Akiyama, Henry Rollins, Tracy Tweed, Falconer Abraham, Don Francks, Diego Chambers, Sherry Miller, Arthur Eng u.a.

Genre Science Fiction, Thriller
Filmlänge 103 Minuten
Deutschlandstart
12. Oktober 1995
Inhalt
Das Jahr 2021: Johnny Mnemonic ist Datenkurier. Er speichert große Datenmengen in seinem Hirn und liefert sie irgendwo wieder ab. Seine jüngste Ladung ist allerdings zu groß und wenn er sie nicht binnen 24 Stunden wieder los wird, platzt ihm der Kopf.

Dumm, dass ausgerechnet in dieser Situation Killer hinter ihm her sind, die an die Daten in seinem Kopf wollen. Das heißt: Streng genommen brauchen sie die Daten gar nicht. Ihr Auftraggeber, ein großer Pharmakonzern, wll sichergehen, dass die Daten auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Denn mittels dieser Daten kann ein Mittel erzeugt werden, das NAS heilt – Nerve Attenuation Syndrome, die schwerste Seuche seit Menschengedenken.

Es ist für die Pharma-Leute allerdings viel lukrativer, weiterhin das NAS-Unterdrückungsmedikament zu verkaufen. Also muss Johnnys Kopf weg. Der wird derweil von irritierenden Flashbacks seiner Kindheit geplagt.

Der Datentransport hat nämllich die Nebenwirkung, dass man eigene Erinnerungen verlieren muss, um Platz im Hirn zu schaffen – bisher dachte man „für immer verlieren“. Während Johnny also einerseits versucht, seinen Kopf zu behalten und ihn nicht platzen zu lassen, macht er ganz neue Erfahrungen .…

Was zu sagen wäre

Johnny Mnemonic ist die erste Verfilmung einer William-Gibson-Story. Gibson gilt als Erfinder des Cyberpunk, seit er 1984 die Romantrilogie „Neuromancer“ veröffentlicht hat.

DVD-Cover: Johnny MnemonicDer vorliegende Film basiert auf einer älteren Kurzgeschichte Gibsons, die aber auch schon in den Zwischenwelten des Cyberraums spielt. Für den Film konnte Gibson selbst das Drehbuch verfassen, für die Regie holte das Studio den New Yorker Konzeptkünstler Robert Longo. Das sichert dem Film die mäßig beeindruckende Optik einer nächtlichen, Müll verstopften Straßenkulisse, die an John Carpenters Die Klapperschlange (1981) erinnert, sowie einige ordentliche Visual Effects, dazu aber eine technische Ausstattung für das jahr 2021, die unüberlegt sind.

Da gibt es also Menschen, die Daten auf implantierten Chips im Kopf transportieren können. Wo heute vielleicht Telefonzellen stehen, gibt es im Jahr 2021 Geräte, mit denen man im dreidimensionalen Cyberspace Daten abrufen, telefonieren und weltweit Akten durchforsten kann. Aber gleichzeitig schicken sie noch Faxe. Und während das produzierende Columbia-Studio den Soundtrack zum Film im Jahr 1995 auf „Compact Disc“ herausbringt, zeichnen die Menschen im fortgeschrittenen 21. Film-Jahrhundert Daten immer noch mit Videorecordern auf.

Dieser Film mag als Tiger gestartet sein. Er landet aber als massenkompatibler Bettvorleger. Es ist eine 08/15-Verfolgungsjagd mit Ticking-Clock-Dramaturgie (Wenn Johnny nicht rechtzeitig sein Ziel erreicht, platzt sein Kopf) mit Guten, Bösen und Neutralen, die sich als Herz-auf-rechtem-Fleck-Typen entpuppen.

Kein Wunder, dass die Schauspieler in diesem leeren Fragment verloren wirken, lustlos agieren, nachdem sie gemerkt haben, dass Regisseur Longo an einer ausgefeilten Story noch weniger Interesse hat als an seiner Konzept-Vision und lieber auf einen hundsüblichen Hollywood-Action-Plot setzt.

Keanu Reeves („Little Buddha“ – 1993; „Viel Lärm um nichts“ – 1993; Bram Stokers Dracula – 1992; „Gefährliche Brandung“ – 1991) schadet das nicht, der feiert gerade großen Erfolg mit Speed (1994) im Kino und steht damit am Durchbruch zur großen Karriere. Warum das so ist, bleibt ein Rätsel. Sein Spiel beschränkt sich auf eine präzise gestutzte Frisur, sowie einem Gesichtsausdruck – als Überraschung lächelt er einmal. Einer seiner Jäger ist Dolph Lundgren als bionischer Straßenprediger („voller Technologie und frommer Sprüche“), der Opfer beim „Verhör“ gerne kreuzigt. Der wirkt mit Langhaarperücke und überdimensioniertem Messer noch absurder.

Der Film-Dienst beschied knapp eine eindimensionale B-Movie-Dramaturgie, aber spannend und durch seine Mixtur schon wieder originell.

Besonders erfolgreich war der Film bei seiner Erstauswertung erwartungsgemäß nicht. Seinen Produktionskosten von 26 Millionen US-Dollar stand ein weltweites BoxOffice von 52,4 Millionen US-Dollar gegenüber plus dem , was Liebhaber heute noch in Videocassetten, DVDs und Blu-rays stecken.

Wertung: 3 von 11 D-Mark
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