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Kinoplakat: Venus im Pelz
Der Mann, das
schwache Geschlecht
Titel Venus im Pelz
(La Vénus à la fourrure)
Drehbuch Roman Polanski + David Ives
nach dem Theaterstück von Davis Ives, das auf dem gleichnamigen Roman von Leopold von Sacher-Masoch beruht
Regie Roman Polanski, Frankreich, Polen 2013
Darsteller

Emmanuelle Seigner, Mathieu Amalric

Genre Drama
Filmlänge 96 Minuten
Deutschlandstart
21. November 2013
Inhalt

Der Theaterregisseur Thomas plant, Leopold von Sacher-Masochs Novelle „Venus im Pelz“ in einer eigenen Bearbeitung auf die Bühne zu bringen. Dafür sucht er bisher erfolglos nach einer passenden Hauptdarstellerin.

Als er nach einem enttäuschenden Casting kurz davor steht, alles hinzuwerfen, platzt mit Verspätung die etwas vulgäre Vanda in den ansonsten inzwischen leeren Theaterraum. Sie bittet Thomas mit flehenden Worten darum, noch vorsprechen zu dürfen. Der lässt sich nach einigem Widerstand überreden und gibt der Nachzüglerin persönlich auf der Bühne die Replik.

Er schlüpft in die Rolle des unterwürfigen Severin, während Vanda ihre dominante Namensvetterin spielt. Aus dem darstellerischen Kräftemessen wird alsbald ein wahres Psychoduell zwischen der aufmüpfigen Schauspielerin und dem um Fassung bemühten Regisseur …

Was zu sagen wäre

Ein Kammerspiel von Roman Polanski (Der Mieter – 1976; Chinatown – 1974; Ekel – 1965) und wenn Polanski zum Erzählraum Kammerspiel greift, wird es bedrohlich. In Der Ghostwriter (2010) erstickte Ewan McGregor förmlich unter den Erkenntnissen, die er in dem lichtdurchfluteten Glashaus fand, in Der Gott des Gemetzels (2011) manövrierten Christoph Waltz, Kate Winslet, Jodie Foster und John C. Reilly durch die Enge eines New Yorker Apartments und durch die enge ihrer spießigen Ansichten.

Polanskis „Venus im Pelz“, das ganz ursprünglich dem Geist des Dramatikers Leopold von Sacher-Masoch, dem Begründer des Masochismus‘, entspringt, kommt mit zwei Personen in einem – im Vergleich zum New Yorker Apartement – sehr großen Theatersaal aus, der zum Großteil im Dunkeln liegt.

Polanski. Masochismus. Frau. Mann. Wo ließe sich auch besser Masochismus durchdeklinieren, als bei einem Mann, der sich von einer Frau um den Finger wickeln lässt. Polanski ist es eine Freude, in der Rolle der Vanda seine Frau Emmanuelle Seigner zu inszenieren. Mit ihr ist er schon lange auch vor der Kamera unterwegs, ihre erste Zusammenarbeit war für den Thriller „Frantic“ (1988); und er lässt sie sein jüngeres Ich, Ex-Bond-Schurke Mathieu Amalric (der hier tatsächlich an den jungen Polanski erinnert), psychisch zerlegen – Polanskis Masochismus über Bande (über Kamera), sozusagen.

Da kann man viel hinein interpretieren auf der Metaebene dieses Films, aber das würde ihm gar nicht gerecht, denn Polanski hat kein schwerblütiges, schmerzhaftes Drama inszeniert, sondern einen launig unterhaltsamen Film über die Frau, das starke Geschlecht – sein Lieblingsthema; bei ihm sind meistens die Frauen die stärkeren, die Männer im New Yorker Apartement sind gesellschaftlich unfähige Weichlinge, im Ghostwriter behält die Frau des Ex-Premiers bis zum Schluss die Fäden in der Hand, in „Der Tod und das Mädchen“ (1994) macht Sigourney Weaver den starken Ben Kingsley fertig. In „Frantic“ wäre Harrison Ford ohne Emmanuelle Seigner aufgeschmissen. Das muss uns Polanski also nicht mehr lang und breit darlegen, wie er die Kräfteverhältnisse zwischen Frau und Mann sieht. Das gibt dann Raum, uns ins Drama zu versenken und zwei formidablen Schauspielern in der Ausübung ihres Berufes zuzuschauen.

Da wird aus dem Bühnenraum, dem Probenraum fürs theatralische Drama zunehmend echtes Leben. In den definierten Raum des Spiels dringt der Geruch und das Leben von draußen, von der Straße herein in Form der wunderbaren, respektlosen Kommentare der prolligen Off-Stage-Vanda. Schein und Sein verschwimmen und der Mann bleibt alleine zurück.

Und ewig schreckt das Weib.

Wertung: 6 von 8 €uro
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