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Kinoplakat: Vatel
Historisches Kostüm-Drama als
Leidenschaftliche Wuchtbrumme
Titel Vatel
(Vatel)
Drehbuch Jeanne Labrune + Tom Stoppard
Regie Roland Joffé, Frankreich, UK 2000
Darsteller

Gérard Depardieu, Uma Thurman, Tim Roth, Timothy Spall, Julian Glover, Julian Sands, Murray Lachlan Young, Hywel Bennett, Richard Griffiths, Arielle Dombasle, Marine Delterme, Philippine Leroy-Beaulieu, Jérôme Pradon, Féodor Atkine, Nathalie Cerda u.a.

Genre Drama, Biografie
Filmlänge 103 Minuten
Deutschlandstart
31. Mai 2001
Inhalt

Frankreich im Jahre des Herrn 1671: François Vatel steht in den Diensten des Prinzen de Condé in Chantilly. Vatel ist Koch.
Aber für Vatel ist das Zubereiten von Speisen weit mehr, als plumpes „Kochen”. Für ihn bedeutet „Kochen” die Inszenierung besonderen Lebensgenusses.

Ein dreitägiges Fest soll er ausrichten – für den Sonnenkönig. Davon hängt viel ab; Prinz de Condé rechnet sich gute Chancen aus, als General die französische Armee gegen Holland führen zu dürfen. Um allerdings derart dekoriert in den Krieg ziehen zu, bedarf es der ganzen Kunst Vatels, die dem König wohligen Genuss bereiten soll.

Prunkvolle Gelage, Feuerzauber, Theater- und Operneinlagen, Tischgedecke wie kleine Kunstwerke. Mit all dem wartet Vatel auf.

Aber es reicht nicht: Der gelangweilte Königsbruder boykottiert die Mühen Vatels ebenso wie der intrigante Marquis de Lauzin. Schlimmer noch, der Marquis hat ein Auge auf Anne de Montausier geworfen, die als Mätresse des Königs ihre Stellung am Hofe sichern will und ihrerseits heimlich Vatel zugetan ist.

Und über allem schwebt stets dräuend der Schatten des Sonnenkönigs. Wer seiner Gnade, seiner Gunst verlustig geht, wird den Rest seines nur kurz verbleibenden Lebens nicht mehr froh …

Was zu sagen wäre

Ausgesprochen wuchtig. Aber das sage ich bei Kostümfilmen gerne. Mir gefallen ausschweifende Dekorationen (Jean Rabasse und Françoise Benoît-Fresco wurde für ihre Ausstattungsarbeit mit einer Oscar-Nominierung belohnt) und zwischenmenschliche Dramen, die sich unter der Urgewalt eines Königs abspielen, der jederzeit mit einem Federboa-Streich ein Leben vernichten kann, mit dem er eben noch Karten gespielt hat. Da liegt Spannung in der Luft, ohne dass die Regie einen Finger krumm macht.

Das wurde Roland Joffé (”Der scharlachrote Buchstabe” - USA 1995; „City of Joy” - Fr., UK 1992; „Die Schattenmacher” - USA 1989; „Mission” - UK 1986; „Killing Fields - Schreiendes Land” - UK 1984) prompt übel genommen. Der Rolling Stone jammerte über einen „neuen Tiefpunkt in der Karriere von Roland Joffé”. Sein Film ist eine Ausstattungsorgie – Vatels Dekorationen sind superb. Dazu kommt das romantische Spiel von Gérard Dépardieu und Uma Thurman, die wohl als eines der überraschensten Liebspaare in die Filmgeschichte eingehen können. Tim Roth hat – natürlich – einmal mehr die Faszinierten auf seiner Seite; seine Grausamkeit, die sich aus Mini-Gesten speist, ist unerreicht im aktuellen Kino.

Am Ende dieses großartigen Augenschmauß’, dessen Geschichte Durchhänger hat (die Kamermann Robert Fraisse überfilmt) bleibt die Erkenntnis einer guten Geschichtsstunde: Es geht immer ums Geld. Auch damals haben sich – abseits der strahlenden Königs-Märchen – die einfachen Grafen und Barone verschuldet, um im Hauen und Stechen der Noblen nicht unterzugehen.

Wunderbares Kintopp.

Wertung: 10 von 11 D-Mark
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